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Modellprojekt gestartet : Tabuthema: Gewalt gegen Männer

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Sozialministerium startet Modellprojekt. Wendepunkt einer von drei Trägern mit speziellem Angebot für Betroffene.

shz.de von
erstellt am 05.Apr.2017 | 14:30 Uhr

Elmshorn | Ingrid Kohlschmitt erinnert sich: Als der Wendepunkt im Jahr 1991 in Elmshorn seine Arbeit als Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen aufnahm, seien sowohl die betroffenen Kinder als auch die Mitarbeiter des Vereins als „unglaubwürdig“ eingestuft worden. „Kaum jemand glaubte damals, dass es dieses Thema gibt“, sagt die Geschäftsführerin. Heute würde dies kein Mensch mehr in Frage stellen.

Eine ähnliche Entwicklung könne auch das Thema „Gewalt gegenüber Männern“ nehmen. Laut Kohlschmitt ein Gebiet, welches noch weitgehend unbekannt und tabuisiert ist. Doch sie ist sich sicher: „Auch Jungen und Männer werden Opfer von sexueller sowie häuslicher Gewalt.“ Verschiedene Studien würden dies nahelegen. Laut einer vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebenen nicht repräsentativen Studie von 2004 gaben etwa ein Viertel der befragten Männer innerhalb heterosexueller Partnerschaften an, Gewalt in irgendeiner Form zu erfahren. Heute gebe es bundesweit mittlerweile zahlreiche Hilfeeinrichtungen für Kinder und Jugendliche, dazu etwa 500 Frauen-, aber lediglich drei Männerhäuser.

Kohlschmitt führt drei Gründe für diese Diskrepanz an: gesellschaftliche Tabuisierung, fehlende Opferidentität sowie unzureichendes Beratungsangebot für betroffene Männer. „Wenn ein Thema so geleugnet wird, fällt es Betroffenen schwer, sich zu offenbaren“, erklärt sie. Gerade, weil die Begriffe „Männlichkeit“ und „Hilfebedürfnis“ für viele nicht zusammenpassen. Aus Scham sowie aus Angst davor, als unmännlich zu gelten, würden Betroffene zurückschrecken. Darauf hat nun das schleswig-holsteinische Sozialministerium reagiert und ein landesweites, auf drei Jahre angelegtes und wissenschaftlich begleitetes Modellprojekt entworfen.

Der Verein Wendepunkt um Dipl.-Psychologe Dirk Jacobsen und Geschäftsführerin Ingrid Kohlschmitt bietet ab sofort Männerberatung an.
Der Verein Wendepunkt um Dipl.-Psychologe Dirk Jacobsen und Geschäftsführerin Ingrid Kohlschmitt bietet ab sofort Männerberatung an. Foto: Patrick Tabel
 

Unter den Bewerbern wurde der Wendepunkt als einer von drei Trägern ausgewählt, die ab sofort eine Männerberatung anbieten. „Neben der Stabilisierung in einer Krise bieten wir auch Unterstützung im Umgang mit Behörden an“, beschreibt Kohlschmitt das Angebot, welches an Jugendliche und Männer ab 16 Jahre gerichtet ist.

Der Wendepunkt berät Jugendliche und Männer nach vorheriger Terminvereinbarung. Telefon: 04121-475730; E-Mail: maennerberatung@wendepunkt-ev.de; www.wendepunkt-ev.de
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