Neustart nach Corona-Lockdown : Tabledance-Bar ohne Tabledance: Licht an in Susis Show Bar

Der Geschäftsführer (rechts) von Susis Show Bar, Christian Schnell, darf wegen der Corona-Auflagen nur 35 Gäste in sein Lokal hereinlassen. Die Tänzerinnen servieren den Gästen dann kühle Drinks in einem sexy Outfit, Tanzen ist noch verboten.
Der Geschäftsführer (rechts) von Susis Show Bar, Christian Schnell, darf wegen der Corona-Auflagen nur 35 Gäste in sein Lokal hereinlassen. Die Tänzerinnen servieren den Gästen dann kühle Drinks in einem sexy Outfit, Tanzen ist noch verboten.

Hamburgs bekannteste Tabledance-Bar hat wieder geöffnet – Tanzen auf den Tischen ist allerdings noch verboten.

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08. Juni 2020, 13:30 Uhr

Hamburg | Es ist Donnerstagabend, 21 Uhr. Susis Show Bar hat gerade geöffnet, doch noch herrscht gähnende Leere. „Es ist schon schwer, da machen wir uns nichts vor“, sagt Geschäftsführer Christian Schnell. Nachdem auf der Reeperbahn wochenlang absolute Stille herrschte, öffnete Susis Show Bar vor zwei Wochen als erstes Etablissement seiner Art wieder die Türen.

Susis Show Bar ist eine Institution auf dem Kiez. 1978 von Susi und Heinz Ritsch eröffnet, überlebte die Tabledance Bar auf der Großen Freiheit Bandenkriege und die Aids-Krise. So lange wie während der Corona-Krise waren die Türen noch nie zu. Christian Schnell zögerte deshalb nicht lange, als er die Chance sah, den Betrieb wieder aufzunehmen.

Als es hieß, dass Kneipen wieder öffnen dürfen, Bars aber nicht, habe ich in unserer Konzession nachgeschaut. Bei uns steht Schankwirtschaft mit Kabarettbetrieb. Christian Schnell
 

„Ich habe mich dann noch bei der Corona-Hotline und dem Gesundheitsamt abgesichert und anschließend beschlossen, dass wir wieder öffnen.“ Inzwischen sind andere Strip-Lokale auf der Reeperbahn nachgezogen.

„Susis Show Bar“ ist auf der Ecke Reeperbahn und der Großen Freiheit zu sehen.
Axel Heimken/dpa

„Susis Show Bar“ ist auf der Ecke Reeperbahn und der Großen Freiheit zu sehen.

 

Die Auflagen sind streng. Statt 100 Gästen sind in Susis Show Bar aktuell nur 35 erlaubt. Am Eingang werden alle Daten erfasst, anschließend werden die Besucher zu ihrem Platz gebracht, wo sie ihre Schutzmaske abnehmen dürfen. Damit der Mindestabstand eingehalten werden kann, hat Schnell Sitzreihen entfernen lassen, jeder zweite Platz bleibt frei. Außerdem gibt es eine festgelegte Laufrichtung. Tische und Bars werden stündlich desinfiziert.

Vorerst kein Tabledance

Die größte Veränderung allerdings ist, dass die Tabledance-Shows, für die Susis Show Bar bekannt ist, im Moment noch verboten sind. „Was ich nicht ganz verstehe, denn den Sicherheitsabstand können wir dabei problemlos einhalten“, so Schnell.

Massagen sind ja auch wieder erlaubt und dabei kommen sich die Menschen definitiv näher. Aber wir fügen uns dem natürlich.“ Stattdessen servieren die Tänzerinnen den Gästen nun kühle Drinks in sexy Outfits. Christian Schnell
 

Damit haben wir einen Hauch von Erotik im Laden und geben den Kunden die Gelegenheit, ein bisschen abzuschalten.“

Arbeiten mit Mund- und Nasenbedeckung

Tänzerin Lea jedenfalls ist froh, dass sie wieder arbeiten und Geld verdienen kann. „Das war schon eine harte Zeit“ sagt die 28-Jährige. „Natürlich ist im Moment alles ein bisschen anders als sonst – unter den Masken schwitzen wir total.“ Gäste können mit den Frauen auch Small Talk führen – mit Maske und Sicherheitsabstand natürlich. Welche Themen kommen da so auf den Tisch? „Lustigerweise ist Corona dann doch meistens Gesprächsthema Nummer eins“, lacht Lea.

Statt sonst 15 bis 20 Frauen arbeiten im Moment nur drei bis fünf in Susis Show Bar. Und auch der Umsatz ist mit normalen Zeiten nicht zu vergleichen. Christian Schnell schätzt ihn auf maximal 20 Prozent. „Es wäre günstiger, wenn wir geschlossen haben“, sagt er. „Aber wir wollen mit der Öffnung Flagge zeigen und den Kiez beleben.“

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