Surinam zu Gast in Ellerbek

Sieben Frauen aus den Kirchengemeinden stellten Frauen unterschiedlicher Ethnien Surinams mit ihren individuellen Wünschen, Fürbitten, aber auch Ängsten vor.
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Sieben Frauen aus den Kirchengemeinden stellten Frauen unterschiedlicher Ethnien Surinams mit ihren individuellen Wünschen, Fürbitten, aber auch Ängsten vor.

Ökumenische Andacht zum Weltgebetstag der Frauen in der Friedenskirche

shz.de von
06. März 2018, 16:00 Uhr

Die evangelisch-methodistische Friedenskirche in Ellerbek war am vergangenen Sonntag gastgebende Gemeinde des Gottesdienstes zum Weltgebetstag (WGT) der Frauen 2018. Zusammen mit den evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Dietrich-Bonhoeffer, ebenfalls in Ellerbek, sowie Simon-Petrus in Bönningstedt feierten die Gläubigen eine Ökumene zum Thema „Gottes Schöpfung ist sehr gut“.

Das Motto und die Organisation des weltumspannenden Gebetes kamen in diesem Jahr aus Surinam. „Gado si alasani di Hem anu meki a ben fiti ay fu tru”, lautete eines der Lieder, das in dem südamerikanischen Land speziell für den WGT komponiert wurde. Es bedeutet: „Gott sah das an, was er gemacht hat, siehe, es war sehr gut, ja, es war wunderbar.“

Die Surinamesinnen bezeichnen sich selbst als „moksi“. Moksi heißt Mischmasch, aber auch gemeinsam. Um einen Mix der unterschiedlichen Kulturen sowie die Vielfältigkeit der Natur Surinams ging es den Frauen, die zusammen mit Stefanie Zuther, Laienmitglied der Ellerbeker Friedenskirche, den Gottesdienst nach dem Vorbild des Komitees aus Südamerika gestalteten.

Sieben Frauen aus den Kirchengemeinden berichteten als Patinnen von den Frauen Surinams, deren unterschiedlichen Ethnien, deren Leben und Hoffnungen sowie Sorgen. Sie stellten Alima vom Urvolk der Arawak vor, die in Surinams Hauptstadt Paramaribo zur Schule geht, während ihre Mutter weit weg in einem kleinen Dorf aus den Samen des Andiroba-Baums Öl herstellt und damit das Schulmaterial für ihre Tochter finanziert.

Genauso wie Muyinga, deren Vorfahren, versklavte Afrikaner, ins Landesinnere flohen, um frei zu sein. Sie werden Maroons genannt und leben noch heute in Siedlungen im fast unberührten Regenwald. Außerdem gibt es in dem Land, das zu mehr als 90 Prozent aus Regenwald besteht, Nachfahren chinesischer Immigranten, Kreolen europäischer sowie afrikanischer Abstammung, niederländischer Buren, Hindustani aus Indien und Javanesen aus Indonesien.

Den Frauen aller Bevölkerungs- und Altersgruppen Surinams gemein ist die große Nähe zur Natur. Sie leben mit und aus dem, was ihr Land ihnen bietet und das sei sehr reichhaltig, wie die Ellerbeker Frauen zeigten. Obwohl Surinam nur halb so groß ist wie Deutschland, gibt es dort 1000 verschiedene Baumarten im Vergleich zu deutschen Wäldern, die gerade einmal auf 30 kommen. Familien können sich von Ingwer, Ananas, Süßkartoffeln, Taro-Wurzeln und Kokosnüssen ernähren. Sie leben von der Viehzucht, halten Rinder, Hühner und Schweine oder betreiben Fischfang.

Früher gab es Plantagen für Kaffee, Baumwolle, Kakao, Tabak, Indigo und Zuckerrohr. Die Frauen sind der Schöpfung dankbar für ihren Reichtum und die großen Wasservorräte. Allerdings sorgen sie sich um die zukünftige Trinkwasserversorgung. Der Abbau von Gold und Bauxit unter Einsatz von Quecksilber verseuche es. Gleichzeitig warnen die Frauen vor der Abholzung des Regenwaldes, der der Erde als Lunge diene. Auch die Klimaerwärmung bereite ihnen Sorgen. Durch den steigenden Meeresspiegel überfluten die Mangroven-Wälder.

Jedes Jahr rufen Frauen in mehr als 100 Ländern zum gemeinsamen Gebet hinweg über unterschiedliche Kulturen und christliche Konfessionen auf. Sie informieren dabei über ihre Länder, machen neugierig auf Andersartigkeit und sammeln in ihren Kollekten für Projekte, die Frauen und Mädchen unterstützen. Im kommenden Jahr wird der WGT von Slowenien vorbereitet. Gastgebende Gemeinde für den ökumenischen Gottesdienst wird dann die Simon-Petrus-Kirche sein. Pastorin Christine Guse übergab daher am Ende eine Kerze an Dörte Warncke der Bönningstedter Gemeinde.

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