Kochen gegen das Wegwerfen : „Suppenküche 2.0“ startet in Pinneberg

Der Einsatz für eine bessere Welt beginnt am Kochtopf: Bei der „Suppenküche 2.0“ wollen die Initiatorin Alena Kelbert (24, rechts) und die Diakonin Susan Jose (40) Menschen für den bewussten Umgang mit Lebensmitteln sensibilisieren.
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Der Einsatz für eine bessere Welt beginnt am Kochtopf: Bei der „Suppenküche 2.0“ wollen die Initiatorin Alena Kelbert (24, rechts) und die Diakonin Susan Jose (40) Menschen für den bewussten Umgang mit Lebensmitteln sensibilisieren.

Premiere am Donnerstag mit Büfett aus geretteten Lebensmitteln. Teilnahme in der „Kirche am Fahlt“ ist kostenlos.

shz.de von
27. Januar 2015, 10:00 Uhr

Pinneberg | Lebensmittel, die der Handel entsorgt müssen noch lange nicht unverzehrbar sein. Das ist vielen Menschen klar. Doch in den Umlauf geraten die Produkte meist trotzdem nicht. Die Pinneberger Aktion „Suppenküche 2.0“ tritt gegen diese Tendenzen an und bietet allen Interessierten ein Essen aus gespendeten Produkten an. Das kostenlose Angebot emanzipiert sich von der traditionellen Bedeutung des Begriffs Suppenküche: „Es ist eine Weiterentwicklung der Idee, bei uns spielt weder das Einkommen noch die Herkunft eine Rolle“, sagt Initiatorin Alena Kelbert (24). Ein offenes Angebot, ohne Kosten oder den Nachweis von Berechtigungsscheinen. Die Pinnebergerin ist mit ihrer Idee in der „Kirche am Fahlt“ auf offene Ohren gestoßen. Die Diakonin der Baptisten-Gemeinde Susan Jose (40) ist begeistert und unterstützt das Vorhaben. Die Premiere des gemeinsamen Abendessens findet am Donnerstag, 29. Januar, um 18.30 Uhr in dem Gemeindezentrum, Fahltskamp 79, statt.

Es soll ein Treffpunkt für alle enstehen: Dazu finden sich in den Räumlichkeiten gute Voraussetzungen. Eine große Küche in der Kelbert mit weiteren Unterstützern kochen wird und verschiedene Räume um eine Vielzhal an Interessierten unterzubringen. „Wir hoffen bei der Premiere auf 50 Gäste, für 100 haben wir aber auch Platz“, sagt Diakonin Jose.

„Die Idee ist, wenn jemand Lebensmittel nicht mehr verbrauchen wird, sie zu verschenken“, erläutert Kelbert. Das beschriebene System wird „Foodsharing“ genannt. Eine Ansatz der ankommt: Es haben sich bereits Unternehmen und Privatpersonen bereiterklärt, die „Suppenküche 2.0“ zu unterstützen. Bei Kelbert haben sich auch sogenannte Foodsaver gemeldet.

Die „Essens-Schützer“ sammeln Lebensmittel mit Fehlern oder kurzer Haltbarkeit bei Händlern ein. „Wir wollen Menschen dafür sensibilisieren, dass Lebensmittel auch nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum verbraucht werden können.“

Fleischgerichte sowie vegetarische und vegane Speisen

Aus den auf diesen Wegen gesammelten Produkten sollen Fleischgerichte sowie vegetarische und vegane Speisen entstehen. Zudem hofft Kelbert auf Gemüse, Obst und Brot – Nudeln soll es ganz sicher geben.

„Je nachdem was da ist“, so Kelbert. Und wenn etwas überbleibt, solle nichts wegschmissen werden. Der Vorschlag der 24-Jährigen: „Tupperboxen mitbringen und einpacken.“ Geschlossene Lebensmittel gingen im Anschluss an die Pinneberger Tafel. Wer die „Suppenküche 2.0“ finanziell unterstützen will, findet eine Spendenbox vor Ort.

Die Idee zu dem Projekt kam Kelbert im Herbst vorigen Jahres. Zuvor ist die Pinnebergerin im Internet beispielsweise auf Raffael Vellmer gestoßen, der ohne Geld lebt und sich nur von gesammelten Lebensmitteln ernährt. Gepaart mit der Erkenntnis, dass im Handel vieles weggeschmissen wird, war der Wunsch geboren, zu handeln. Auf den Vorschlag der „Suppenküche 2.0“ per E-Mail an Jose folgte ein kurzes Treffen. „Ja, das machen wir“, war für die Diakonin klar. „Es hat was mit sozialer Gerechtigkeit zu tun“, sagt Jose zum Ansatz der „Suppenküche 2.0“. Das sei auch in der Bibel ein Thema, zudem bilde das Projekt einen Gegensatz zur Wegwerfgesellschaft. Außer der Rettung der Lebensmittel kann sich eine Plattform der Kommunikation über Umgang mit Ressourcen entwickeln.

Ein zweiter Termin für die „Suppenküche 2.0“ steht schon fest: Am Donnerstag, 26. Februar, wieder um 18.30 Uhr. „Wenn es gut ankommt, machen wir weiter“, sagt Jose. Wer Fragen hat doer bei dem Projekt mithelfen möchte kann sich an die Diakonin unter Telefon (0  41  01) 8  19  35  95 oder per E-Mail an susan.jose@kirche-am-fahlt.de wenden. Lebensmittel für das Büfett aus geretteten Lebensmitteln können heute von 9 bis 16 Uhr in dem Gemeindezentrum der Kirche bgegeben werden. Weitere Infos erfahren Interessierte auf Facebook unter „Suppenküche 2.0“.

Die Idee von Foodsharing ist, Lebensmittel zu teilen anstatt sie wegzuwerfen. Damit soll gegen die alltägliche Lebensmittelverschwendung vorgegangen werden. Auf Internetplattformen wie Foodsharing.de können Privatpersonen, Händler oder Produzenten Lebensmittel, die sonst weggeworfen würden, kostenlos anbieten. Beim Foodsharing werden nicht mehr verwendete Lebensmittel auch nach Ablauf der Mindesthaltbarkeit weiterverwendet, solange ein Konsum noch ohne Bedenken möglich ist. Dieser Ansatz macht möglich, dass das Sammeln beispielsweise aus Müllcontainern von Supermärkten umgangen wird. Denn das „Containern“ ist in Deutschland Diebstahl, da der Müll, somit auch die darin befindlichen Lebensmittel, noch Eigentum der Händler ist. www.foodsharing.de
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