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Kreis Pinneberg : Südlink: Kritik an der Forderung nach Elbquerung bei Glückstadt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Grünen-Politikerin Valerie Wilms kritisiert die Forderungen aus dem Kreis Pinneberg.

Kreis Pinneberg | Landtags- und Bundestagsabgeordnete aus dem Kreis Pinneberg sowie etliche Bürgermeister aus dem westlichen Kreisgebiet haben während eines Treffens in Moorrege gemeinsam gefordert, die Stromautobahn Südlink nicht durch den Kreis Pinneberg zu führen. Statt einer Elbquerung bei Hetlingen favorisieren sie eine Querung bei Glückstadt. Die Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms (Grüne), die aus Termingründen nicht an dem Gespräch teilnehmen konnte, bezeichnete die Forderung als „Show“. Entscheidend für die Trassenführung seien allein fachliche Gesichtspunkte. Kirchturmdenken sei falsch.

Wie berichtet, plant der niederländische Netzbetreiber Tennet, eine Höchstspannungsleitung von Wilster (Kreis Steinburg) bis Grafenrheinfeld (Bayern) zu bauen. Im März 2014 hatte Tennet begonnen, die Gemeinden über mögliche Trassenverläufe zu informieren. Im Dezember hat das förmliche Planungsverfahren begonnen. Tennet spricht sich dafür aus, die Leitung durch den Kreis Pinneberg zu bauen. Davon wären die Gemeinden Raa-Besenbek, Seester, Neuendeich, Groß Nordende, Haselau, Haseldorf, Hetlingen und die Stadt Uetersen betroffen.

Ende November hatte Ute Ehmke, Bürgermeisterin von Groß Nordende, während eines Bürgermeister-Treffens gesagt: „Wir werden uns nun an die Landtags- und Bundestagsabgeordneten wenden.“ Dies ist nun geschehen. Zum Gespräch gestern in Moorrege waren auch der Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann (SPD) und die Landtagsabgeordneten Ines Strehlau (Grüne), Beate Raudies, Kai Vogel und Thomas Hölck (alle SPD) gekommen.

Ein wichtiges Kriterium für die Trassenwahl ist die planerische Bündelung mit anderen Infrastrukturbauten. Der Korridor durch den Kreis drängt sich auf, weil es hier bereits eine Stromleitung entlang der geplanten Route gibt und in Hetlingen zudem eine Gas- und eine Stromleitung die Elbe queren. Dazu sagte Beate Raudies jedoch: „Irgendwann ist auch mal gut mit Bündelung. Hetlingen ist bereits heute stark belastet.“ Mit der A  20-Elbquerung bei Glückstadt ergebe sich eine weitere Bündelungsmöglichkeit. „Diesen Korridor bevorzugen wir“, sagte Raudies. Rossmann ergänzte: „Die Bündelung ergibt sich unabhängig davon, wann der A  20-Tunnel tatsächlich gebaut wird. Ohnehin wird es für Autobahn und Stromleitung zwei separate Bauwerke geben.“ Laut Thomas Hölck ist Hetlingen auch für die Landesregierung nicht die bevorzugte Querungs-Option.

 

An dem Treffen hatten die Bürgermeister von Groß Nordende, Haselau, Haseldorf, Hetlingen, Heist, Neuendeich, Raa-Besenbek und Seester teilgenommen. Sie wollen nun mit den Gemeinden auf der niedersächsischen Elbseite Kontakt aufnehmen, um über den Trassenverlauf zu diskutieren. Ehmke sagte zum Schulterschluss auf schleswig-holsteinischer Seite: „Wir ziehen an einem Strang, egal, welcher Partei oder Wählergemeinschaft wir angehören.“

Drei Varianten gibt es für eine Querung der Elbe. Tennet favorisiert die Querung bei Hetlingen. (Quelle: pt)
Drei Varianten gibt es für eine Querung der Elbe. Tennet favorisiert die Querung bei Hetlingen. (Quelle: pt)
 

Eine jedoch mochte das so nicht stehen lassen. Valerie Wilms war aus Termingründen nicht nach Moorrege gekommen. Sie sagte auf Anfrage zur Forderung der Bürgermeister und Abgeordneten: „Das ist doch nur Show. Es sind ausschließlich fachliche Kriterien entscheidend. Kirchturmdenken ist hier völlig fehl am Platz.“ Die Abgeordnete wollte noch nicht abschließend Stellung nehmen. „Es ist noch offen, welche Variante kommt. Aber wir dürfen uns nicht hinstellen und sagen: ,Bloss nicht durch meinen Kreis.’“

Die Entscheidung über den Korridor trifft die Bundesnetzagentur. Es folgen die konkrete Trassenplanung und das Planfeststellungsverfahren. Laut Rossmann ist Ziel, bis 2022 mit dem Bau zu beginnen.

Während die Südlink-Leitung schleswig-holsteinischen Windstrom nach Bayern transportieren soll, wird das Seekabel Nordlink Energie nach Norwegen leiten. Es verbindet Tonstad mit Wilster (Kreis Steinburg). Der Bau soll bis 2020 fertig sein. Das norwegische Staatsunternehmen Statnett, der niederländische Netzbetreiber Tennet und die deutsche KfW-Bank haben dafür ein Konsortium gebildet.
Ziel ist, mit überschüssigem Strom große Seen in Norwegen als Pumpspeicher zu füllen. Herrscht in Deutschland Flaute, treibt das Wasser Turbinen an und Strom fließt zurück nach Deutschland. Norwegische Umweltschützer und Politiker bezweifeln allerdings, dass Norwegen genug Speicherkapazität hat, um diese Zusammenarbeit in Zukunft auszuweiten.
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erstellt am 14.Feb.2015 | 10:00 Uhr

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