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Halstenbek/Schenefeld/Wedel : Sucht - neue Selbsthilfegruppe für Angehörige von Abhängigen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Arbeiterwohlfahrt ruft Selbsthilfegruppe für Angehörige von Abhängigen ins Leben. Teilnehmer sollen positiveres Selbstbild entwickeln.

shz.de von
erstellt am 27.Apr.2015 | 16:00 Uhr

Halstenbek/Schenefeld/Wedel | Menschen, die unter einer Sucht leiden, benötigen Hilfe. Möglichst schnell, möglichst professionell. Diese Erkenntnis ist wenig sensationell. Doch wie sieht es eigentlich mit den Angehörigen von Suchtkranken aus? Die Suchthilfe der Arbeiterwohlfhart (Awo) mit Standorten in Schenefeld, Halstenbek und Rellingen hat ein neues Projekt ins Leben gerufen, das sich exakt dieser Zielgruppe widmet. „Angehörige sind im deutschen Suchthilfesystem absolut unterrepräsentiert“, sagt Projektleiterin Anita Schanz-Lorefice. Dabei stoße so manch Betroffener an physische und psychische Belastungsgrenzen, zum Teil „in weit höherem Ausmaß als die Betroffenen der Suchterkrankungen selbst.“

Die Idee, eine separate Selbsthilfegruppe für Angehörige anzubieten, schwirrte der gebürtigen Rheinland-Pfälzerin schon länger durch den Kopf. „In den letzten Jahren sind immer mehr Menschen in unseren Beratungsstellen aufgetaucht, die selbst nicht betroffen sind, dafür aber einen Lebenspartner, ein Elternteil oder ein Kind haben, das an einer Sucht leidet“, sagt sie. Sucht: Für Schanz-Lorefice fällt alles darunter, was Menschen abhängig macht. Der Konsum von schädlichen Substanzen wie Tabak oder verschiedenen Drogen zählt ebenso dazu wie Glücksspiel oder das Internet. „Wir sind eine Suchtgesellschaft“, sagt sie. Die mit Abstand größte Personengruppe sei allerdings die der Alkoholkranken – was sich auch in der Zahl der Angehörigen niederschlägt, die mit dem Thema konfrontiert werden.

Menschen, wie Daniela K. (der Nachname ist der Redaktion bekannt) etwa. Die 41-Jährige hat es besonders hart getroffen. Von Kindesbeinen an musste sie sich erst um ihren alkoholkranken Vater, später um ihren ebenfalls dem Alkohol verfallenen Ehemann kümmern – alles in allem mehr als 30    Jahre lang. „Man entwickelt beispielsweise eine Kontrollsucht, die man nur ganz schwer wieder los wird und unter der dann auch ein neuer Partner leidet“, berichtet K. Von der Teilnahme an der Selbsthilfegruppe verspricht sie sich unter anderem die Rückgewinnung, eine wichtige Fähigkeit: das zumindest gelegentliche Denken an sich selbst. „Ich hatte kein eigenes Leben mehr“, räumt sie ein.

Der von Daniela K. geschilderte Kontrollwahn ist Schanz-Lorefice keineswegs fremd. „Die große Mehrheit übernimmt die Sucht eines Angehörigen nicht, sondern entwickelt ganz eigene, komplett anders gelagerte, Symptome, denen auch anders begegnet werden muss“, sagt sie.

Und wie soll das Ganze nun funktionieren? Die Projektleiterin stellt von vornherein klar, dass es in keiner Weise um eine Therapie der Suchtkranken geht. Stattdessen liege der Fokus vollständig auf den Angehörigen, die durch Gespräche zu einem positiveren Selbstbild finden sollen. Einen großen Raum nehme dabei die so genannte Biografiearbeit ein. „Dabei setzen sich die Teilnehmer mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinander, rekonstruieren ihre Lebensgeschichte und entwickelt dadurch ein  besseres Verständnis für ihre Situation“

Die Selbsthilfegruppe für Angehörige soll sich künftig jeden ersten und dritten Montag im Monat jeweils ab 19 Uhr treffen – das nächste Mal am 4. Mai. Statt in der Awo-Suchtberatung Schenefeld finden die Zusammenkünfte allerdings in Halstenbek in der Gustavstraße 6  a statt – der besseren S-Bahn-Anbindung wegen, wie Schanz-Lorefice betont. Bis Ende dieses Jahres wird die Gruppe von ihr angeleitet – danach soll sie, so das Ziel, selbstständig geführt werden. Anmeldungen sind unter Telefon 040-84056843 möglich.

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