Suche nach verborgenen Orten

Die Rellingerin Adina Rott zeigt eines ihrer Lieblingsbilder: Die Fotografie entstand in Brandenburg in den Beelitz-Heilstätten – ungewöhnliche Orte sind die Spezialität der Künstlerin.
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Die Rellingerin Adina Rott zeigt eines ihrer Lieblingsbilder: Die Fotografie entstand in Brandenburg in den Beelitz-Heilstätten – ungewöhnliche Orte sind die Spezialität der Künstlerin.

Künstlerin aus Rellingen stellt Fotografien bei Gerd Uhlig im Schenefelder „Stadtzentrum“ aus / Vernissage am 25. August

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27. Juli 2018, 16:00 Uhr

Die Fotografien von Adina Rott wirken wie Blicke in eine andere Welt. Verschwommene Figuren in wallenden Kleidern, verlassene, lichtdurchflutete Orte. Ätherisch, mystisch, unwirklich. Angetan haben es ihr sogenannte „Lost Places“. „Ich fotografiere am liebsten alte verlassene Gebäude“, erläutert die Künstlerin. „Aber ich bringe auch immer Menschen in meine Bilder, sodass wieder Leben in die Häuser kommt.“ Im August zeigt sie ihre Werke in der Galerie von Gerd Uhlig im Schenefelder „Stadtzentrum“ – ihren Anfang nahm Rotts Begeisterung für die Fotografie jedoch in Rellingen. Dort ist die 25-Jährige aufgewachsen und dort hat sie bis zum Beginn ihres Studiums in Flensburg gelebt.

„Meine Mutter hat auch fotografiert“, sagt Rott. Allerdings nur als Hobby. So wurde sie praktisch groß mit dem Fotografieren. Der Startschuss für ihre eigenen Bilder war die erste eigene Spiegelreflexkamera. „Mit 14 Jahren habe ich eine Canon 100 D bekommen, das Einsteigermodell“, sagt Rott und lacht. „Ich habe sie noch heute.“ Auch wenn sie mittlerweile mit dem Profi-Modell fotografiert. Damals machte sie einen Schüleraustausch und flog für drei Monate nach Neuseeland. „Dort habe ich den richtigen Umgang mit der Kamera gelernt“, erzählt sie. Später in der Oberstufe wechselte sie extra für das Kunstprofil von der Pinneberger Johannes-Brahms-Schule zum Bondenwald-Gymnasium nach Niendorf. Und sie machte ihre Leidenschaft zum Beruf. „Ich habe in Flensburg fünf Jahre lang auf Lehramt studiert: Englisch und Kunst.“ Im August beginnt sie ihr Referendariat in Wedel.

„Das Studium war eine Bereicherung“, sagt Rott. Ihr Schwerpunkt lag natürlich auf der Fotografie. „Ich hatte viel Freiraum und musste mir selbst etwas ausdenken. Der Professor war sehr gut und hat immer Inspiration gegeben.“ Die Bilder aus ihrem Masterprojekt sind es, die sie unter anderem bei Uhlig ausstellt. Auf die Idee mit den verlassenen Gebäuden ist sie über die Architektur, die Bestandteil des Studiums war, gekommen. Wie schon auf ihrer Neuseelandreise, zieht es sie noch heute zu ungewöhnlichen Orten, die sie noch nicht gesehen hat. „Der Ort ist mir sehr wichtig“, sagt Rott. „Damit ist auch lange Recherche verbunden, wo es hingehen soll und ob man auch dahin darf. Es soll ja kein Hausfriedensbruch sein.“

Pech hatte sie, als sie in Dänemark auf einen alten Jahrmarkt wollte: Dort ließ man sie nicht auf das Gelände. Glück hingegen hatte sie in Brandenburg in den Beelitz-Heilstätten, wo ein großer Teil der Bilder ihrer Masterarbeit entstand. „Das ist ein altes Zentrum für Tuberkulosekranke“, berichtet Rott. „Wir durften für fünf Stunden hinein.“ Wir, das sind sie und ihre Schwester. „Ich habe einen Vorrat an langen schönen Kleidern und die haben wir für die Bilder benutzt.“

Ihre verschwommen Menschen entstehen durch eine lange Belichtungszeit – teilweise mit Selbstauslöser, weil sie selbst mit im Bild ist. „Das ist Glückssache. Man macht fünf bis sechs Aufnahmen pro Location und eins ist es dann.“ Ebenso wichtig wie der Ort ist das Licht. Rott verzichtet weitestgehend auf eine digitale Nachbearbeitung ihrer Bilder. Die Effekte entstehen im Bild selbst. „Für ein Bild haben wir Stunden gewartet“, erzählt sie. Das Licht musste genau richtig durch ein Fenster im Hintergrund fallen. In dem Lichtkegel steht eine Frau in einem langen rosa Kleid. Verstärkt wurden die Lichtstrahlen durch Rauch. Das sorgte für einige verwunderte Blicke, erinnert sich Rott. Die Bilder von den Beelitz-Heilstätten sind auch in der Ausstellung zu sehen. Vernissage ist am Sonnabend, 25. August, ab 12 Uhr.

Mittlerweile wohnt Rott in Hamburg und sucht sich dort neue Motive für ihre Lost Places – etwa am Hafen, in alten Fabrikhallen oder in der Speicherstadt. Trotzdem zieht es sie immer wieder in ihre alte Heimat. „Ich habe es geliebt, in Rellingen aufzuwachsen“, sagt Rott. „Man hat Freiheit mit Hamburg, führt aber ein ruhiges behütetes Leben außerhalb der Großstadt.“ So einen Rückzugsort empfindet sie in der heutigen Zeit als ganz wichtig. „Rellingen ist mein Zuhause.“

Instagram: adinarott.photography

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