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Von jetzt auf gleich vor dem Nichts : Sturm „Xavier“ wurde zum Albtraum für diese Familie aus Bönningstedt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ein Baum krachte auf das Haus von Familie Gaspar. Nur das Nötigste durfte aus dem Gebäude geholt werden. Unbürokratische Hilfe im Dorf.

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erstellt am 13.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Bönningstedt | Fassungslos standen Diana und André Gaspar vergangenen Donnerstag vor ihrem Haus am Dammfelder Weg in Bönningstedt. „Von vorn war nicht viel zu sehen – erst, als ich hinter das Haus ging, wurde mir der Umfang des Schadens klar“, berichtet der Familienvater. Die mächtige Eiche mit einem Stammdurchmesser von mehr als einem Meter, die während des Herbststurms „Xavier“ auf sein Haus gekracht war, hatte nicht nur das Dach, sondern auch tragende Wände und die Decke zerstört. Von einem Moment zum nächsten war die Familie mit zwei Söhnen, vier und sechs Jahre alt, obdachlos geworden.

„Die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk aus Barmstedt waren schon da, als wir kamen“, sagt Gaspar. Seine Frau und er seien von ihren Arbeitsstellen in Hamburg nach Hause geeilt, nachdem eine Nachbarin ihn telefonisch über das Unglück informiert hatte. „Wir durften kurz ins Haus, um uns ein Bild zu machen, und warteten dann auf einen Statiker“, beschreibt Gaspar. Dessen Nachrichten waren keine guten: Tragende Wände und Balken kaputt, das Gebäude ist nicht betretbar.

Schnell wurden die Kinder beim Schwager untergebracht, dann beobachtete das Ehepaar die Bemühungen der Rettungskräfte, den Baum zu entfernen. „Gegen 22 Uhr mussten sie aufgeben“, beschreibt Gaspar den Abend. Für diese Nacht konnten sie bei Verwandten unterkommen, doch wie sollte es weitergehen?

Die mächtige Eiche krachte in Bönningstedt auf das Eigenheim der vierköpfigen Familie, die zum Glück gerade nicht zu Hause war.
Die mächtige Eiche krachte in Bönningstedt auf das Eigenheim der vierköpfigen Familie, die zum Glück gerade nicht zu Hause war. Foto: Ute Springer
 

„Bei mir klingelte am Freitagmorgen das Telefon. Eine Nachbarin der Familie erzählte mir von deren Schicksal und fragte, ob ich nicht irgendwie helfen könnte“, berichtet Danuta Szczesniewski, Herausgeberin des Magazins „Dorfgeflüster“ mit einem kleinen Büro Am Markt. Kaum sei das Gespräch beendet gewesen, habe ihr Telefon erneut geklingelt – diesmal mit Bönningstedts Pastor Christopher Fock am anderen Ende, der von Feuerwehrleuten über die Not der Familie informiert worden war.

Szczesniewski musste nicht lang nachdenken: „Hier, Am Markt, steht noch ein Büro leer, das ist zumindest ein Dach über dem Kopf“, so ihre Überlegung. Ein kurzer Anruf beim Besitzer Rolf Mensching genügte. „Er hat sofort ,Ja‘ gesagt“, so das Ergebnis. Sie besorgte den Schlüssel, die Feuerwehr half, das Nötigste aus der Wohnung zu holen und in die neue Unterkunft zu bringen: Schlafcouch, Tisch, Stühle, Kleidung, Spielzeug, Geschirr.

Dankbarkeit und Ernüchterung

Erst jetzt war das Ausmaß der Zerstörung im Haus sichtbar: Beide Kinderzimmer und ein Bad im Obergeschoss glichen einem Trümmerfeld. „Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir zuhause gewesen wären“, sagt Diana Gaspar leise.

Zunächst vergeblich versuchte Gaspar, eine Firma zu finden, die mithilfe einer Arbeitsbühne den riesigen Baum entfernen konnte. „Endlich sagte am Freitagnachmittag die Pinneberger Firma Thomsen zu, am Sonnabend um sieben Uhr zu kommen“, so Gaspar weiter. Das THW habe sogar noch eine Plane vorbeigebracht, die von der Firma ausgelegt wurde.

„Wir sind Danuta so dankbar – sie ist unser Engel. Auch Herrn Menschings sofortige Zusage ist keineswegs selbstverständlich gewesen “, sind sich die beiden einig. Ihre die Nachbarn hätten sie ebenfalls liebevoll unterstützt, wo sie konnten: „Für die Einsatzkräfte wurden Kaffee gekocht und Brötchen geschmiert. Es ist toll zu sehen, dass es so viele Menschen mit Herz gibt“, sagen die beiden.

Das Dach wurde notdürftig mit Planen abgedeckt. In der kommenden Woche entscheiden Gutachter und Statiker, wie es weitergehen soll.
Das Dach wurde notdürftig mit Planen abgedeckt. In der kommenden Woche entscheiden Gutachter und Statiker, wie es weitergehen soll. Foto: Ute Springer
 

Ernüchtert seien sie indes von der Verwaltung gewesen. „Es wurde uns eine Drei-Zimmer-Wohnung angeboten, aber wir hätten unseren 14-jährigen Hund nicht mitnehmen dürfen“, berichtet Diana Gaspar. Als Alternative – mit Hund – hätten sie in einen Container ziehen können, was allerdings Kosten von mehr als 1500 Euro im Monat verursacht hätte. „Wir bekommen von der Versicherung ein festgelegtes Budget – das liegt deutlich darunter“, sagt Gaspar. Um so dankbarer seien sie, dass so schnell eine unbürokratische Lösung gefunden werden konnte.

Wie es weitergeht, ob und wann das Haus repariert werden kann, steht in den Sternen. „Nächste Woche kommen Statiker, Gutachter und Dachdecker. Danach wissen wir hoffentlich mehr“, so Gaspar. Beide wünschen sich einen möglichst milden Winter, damit baldmöglichst mit den Reparaturen begonnen werden kann. Jetzt gelte es erst einmal, für die Familie in der neuen Unterkunft ein kleines Nest zu bauen und zur Ruhe zu kommen.

Auch das Nachbarhaus der Familie Appelt wurde beschädigt – allerdings weit weniger. Der Schreck sitzt der zweifachen Mutter noch in den Knochen: „Ich war mit den Kindern zu Hause. Ich stand in der Küche, als mein Sohn im Wohnzimmer plötzlich zu weinen begann“, berichtet sie. Das laute Knacken draußen habe sie zunächst für einen heruntergefallenen Ast gehalten. „Zurück in der Küche war es ganz dunkel, ich dachte zunächst, der Strom sei ausgefallen“, sagt Appelt. Erst dann habe sie wahrgenommen, dass ein Ast genau vor ihrem Küchenfenster lag. „Wir haben einfach unglaubliches Glück gehabt“, betont Appelt.

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