„Studium ist nicht Maß der Dinge“

Zahntechnikermeister Frank Rauschelbach (von links) erklärt Günther Stapelfeldt, Präsident der Handwerkskammer Lübeck, und Bernd Buchholz (FDP), Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, wie eine Schablone für Zahnimplantate entwickelt und hergestellt wird.
Zahntechnikermeister Frank Rauschelbach (von links) erklärt Günther Stapelfeldt, Präsident der Handwerkskammer Lübeck, und Bernd Buchholz (FDP), Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, wie eine Schablone für Zahnimplantate entwickelt und hergestellt wird.

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz besucht Pinneberger Zahntechnikbetrieb / Ausbildungen sind „Chance“ für junge Leute

shz.de von
18. August 2018, 16:00 Uhr

31 500 Handwerksbetriebe sind in Schleswig-Holstein ansässig. 20 500 davon gehören zum Bezirk der Handwerkskammer Lübeck. Fünf von ihnen besuchte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) im Rahmen einer Besichtigungstour. Begleitet wurde er dabei von Günther Stapelfeldt, dem Präsidenten der Handwerkskammer Lübeck. Der Betrieb vom Pinneberger Zahntechnikermeister Frank Rauschelbach war Teil des Programms.

Vor Ort stand ein Rundgang durch die Räumlichkeiten an. Der Zahntechnikermeister brachte dem Minister an einzelnen Stationen seinen Beruf anschaulich näher. Dabei überraschte der Einsatz von modernster Technik – zum Beispiel ein 3D-Drucker. „Digitalisierung macht wirklich nirgendwo Halt. Das ist hier ganz eindeutig zu sehen“, sagte Buchholz. „Das zeigt doch, wie vielseitig das Handwerk heutzutage ist.“ Es sei nicht nur noch die körperliche Schwerstarbeit im Fokus, die Technik eröffne ein ganz neues Arbeitsfeld. „Junge Leute müssen erkennen – und wir müssen ihnen näherbringen –, dass Abitur und Studium nicht das Maß der Dinge sind. Eine Ausbildung eröffnet viele Arbeitsbereiche.“ Das duale Ausbildungssystem, dass es in Deutschland gibt, sei eine Chance, die sich viele andere Länder sehr wünschen würden.

Der Aspekt Ausbildung lag dem Minister besonders am Herzen. „Ich bin überzeugt, dass es in jedem Betrieb eine Ausbildungsquote von zehn Prozent geben sollte. Das ist meiner Meinung nach Pflicht, wenn wir überall vom Fachkräftemangel sprechen.“ Rauschelbach nutzte die Chance, um einen wesentlichen Aspekt einzubringen: die Ausbildung von Geflüchteten. Der Zahntechnikermeister beschäftigt einen Azubi im dritten Lehrjahr. Kurz vor der Gesellenprüfung erfährt er jedoch erst, ob er in Deutschland bleiben darf. „Ich denke, da gibt es noch Verbesserungsbedarf“, sagte Rauschelbach. „Das gibt uns hier doch die Chance, dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Die Politik müsste dort Perspektiven für beide Seiten schaffen.“ Dem stimmte Buchholz zu.

Ein Fazit zog der Minister nach Abschluss des Rundgangs bei Rauschelbach. „Es gibt mehrere Dinge, die mir bei meiner Tour positiv aufgefallen sind“, sagte der Politiker. „Der erste ist die Digitalisierung. Sie spielt in mittlerweile allen Handwerksbetrieben eine zentrale Rolle – egal ob beim Zahntechniker oder beim Dachdecker.“ Der zweite Punkt sei, dass die Betriebe in Schleswig-Holstein großen Wert auf Ausbildung legen würden und dabei auch oft geflüchtete Menschen in ihren Betrieben aufnehmen. „Die Integration junger Leute funktioniert“, sagte er dazu.

Für ihn als Wirtschaftsminister sei es ein schöner Tag gewesen.„Ich konnte mir viele Dinge ansehen und erklären lassen“, berichtete Buchholz. Das schätze er an solchen Touren.

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