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Kreis Pinneberg : Strom in der Region wird billiger

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Einige Versorger senken 2015 Preise. Beschaffungskosten und EEG-Umlage fallen. Tarife stark von lokalen Netzbetreibern abhängig.

shz.de von
erstellt am 22.Nov.2014 | 14:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Die Börsenpreise für Strom sinken seit Jahren, in manchen Regionen müssen die Versorger weniger für die Benutzung der Netze bezahlen und erstmals sinkt die sogenannte EEG-Umlage. Die ersten Stadtwerke in Schleswig-Holstein haben deswegen angekündigt, im kommenden Jahr ihre Strompreise zu senken. Auf Anfrage des Pinneberger Tageblatts haben auch Stadtwerke im Kreis Pinneberg mitgeteilt, das Gleiche zu planen.

Zu den Vorreitern im Land gehören die Stadtwerke Kiel, Schleswig und Brunsbüttel, die ihre Preise für die Kilowattstunde Strom um acht (Brunsbüttel), drei (Kiel) und zweieinhalb Prozent (Schleswig) verringern wollen. Auch Greenpeace Energy, das mit einer Tochtergesellschaft am Windpark Uetersen beteiligt ist, senkt den Arbeitspreis um einen Cent (brutto). Für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr bedeutet dies eine Entlastung um 35 Euro.

Die Versorger begründen ihre Entscheidung mit den fallenden Preisen, zu denen sie Strom einkaufen können. Einige Werke bezahlen zudem weniger als bisher an die Netzbetreiber für die Durchleitung des Stroms. Zudem wird in den Mitteilungen der Unternehmen auf die erstmals sinkende EEG-Umlage hingewiesen.

Im Kreis Pinneberg wollen auch die Stadtwerke Barmstedt Strom künftig etwas günstiger machen: im Netzgebiet Tornesch um 0,3 Cent pro Kilowattstunde (brutto), im Netzgebiet Elmshorn um 0,2 Cent und im Netzgebiet Barmstedt um 0,72 Cent, wie Vertriebsleiter Bernd Szwirblatt sagt. Allerdings müssten die Barmstedter Politiker während der kommenden Ratssitzung im Dezember noch zustimmen. Die Preise sind stark vom Netzbetreiber abhängig. Kunden der Stadtwerke Barmstedt, die ihren Strom über Kabel der Schleswig-Holstein Netz AG bekommen, bezahlen im kommenden Jahr 0,4 Cent mehr pro Kilowattstunde. Die Werke versorgen in der Region nach eigenen Angaben etwa 7000 Kunden.

Auch die Stadtwerke Pinneberg planen, den Strompreis zu senken. „Einen Betrag kann ich nicht nennen. Wir rechnen noch“, sagt Geschäftsführer Henning Fuchs. Die Pinneberger kaufen ihren Strom gemeinsam mit zahlreichen anderen Stadtwerken an der Strombörse ein. „Preisvorteile geben wir an unsere Kunden weiter“, sagt Fuchs. Das Argument der fallenden EEG-Umlage um 0,07 Cent (netto) hält er allerdings für „lächerlich“. Er sagt: „Die Senkung ist wohl ein Einmaleffekt, weil sie im Vorjahr zu hoch angesetzt worden war und die Kunden zu viel in den EEG-Topf gezahlt haben. Das Paket aller Umlagen bleibt in Zukunft bestenfalls auf hohem Niveau stabil.“ Auch Fuchs weist auf die Bedeutung der Netzentgelte hin, welche Bestandteil des Preises sind. „Es klingt absurd, aber die Netzentgelte unterscheiden sich deutlich – etwa, weil das Netz in Pinneberg unser eigenes ist, das in Kummerfeld aber nicht. Aber für den Kunden sieht das aus wie ein und dasselbe Netz.“ Etwa 20.000 Haushalte im Kreis Pinneberg kauften ihren Strom bei den Pinneberger Stadtwerken, sagt Fuchs.

Die Stadtwerke Uetersen, Wedel, Quickborn und die Gemeindewerke Halstenbek wollen ihre Preise nicht verändern. „Wir werden unsere aktuellen Energiepreise voraussichtlich bis Ende 2015 für unsere Kunden stabil halten,“ teilte außerdem Sören Schuhknecht von den Elmshorner Stadtwerken mit. Die niedrigen Beschaffungskosten und die sinkende EEG-Umlage würden von den Aufschlägen der Schleswig-Holstein Netz AG auf die Netzentgelte kompensiert, wie Adam Krüppel, Geschäftsführer der Stadtwerke Wedel mitteilt. Ähnlich argumentiert Manfred Tietje, Geschäftsführer der Stadtwerke Uetersen. Den Anstieg der Netzentgelte bezeichnet er als unverhältnismäßig. „Sollten die Netzentgelte von der Bundesnetzagentur bestätigt werden, könnte es sein, dass wir an einer Preisanpassung nicht vorbeikommen.“ Heißt: Es droht sogar eine Preiserhöhung für die Verbraucher.

Hansewerk gibt Pläne nicht preisEon, das die Kunden der Eon Hanse (seit Oktober Hansewerk) übernommen hat, versorgt etliche Haushalte im Süden des Kreises. Das Unternehmen macht zu seinen Preiskalkulationen für das kommende Jahr keine Angaben. „Eon hält die Strompreise für Privatkunden bis über den Jahreswechsel stabil. Prognosen darüber hinaus sind noch nicht möglich“, teilte ein Sprecher mit.

Preise: Umverteilung zu Lasten der Privatkunden

Die Börsenstrompreise und damit die Beschaffungskosten fallen seit Jahren stetig. Nach Angaben des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) mit Sitz im nordrhein-westfälischen Münster liegen die Preise auf dem Niveau von 2007. Wie kann es also sein, dass die Preise für die Privatkunden seit Jahren stetig steigen?

Das IWR kommt in einer Analyse zu dem Schluss, dass ein immer größer werdender Teil der EEG-Umlage von Privatkunden getragen werden muss – während sich Unternehmen davon befreien lassen. Das System funktioniert demnach so: Vor etwa 15 Jahren hat der Deutsche Bundestag das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beschlossen. In ihm werden feste Vergütungssätze für Ökostrom definiert. Sinken die Marktpreise – etwa an der Börse – unter diesen gesetzlichen Garantiepreis, müssen die Stromkunden diese Differenz ausgleichen. Das tun sie mit dem Bruttopreis, den sie etwa an ihre Stadtwerke bezahlen. 2005 waren das 0,65 Cent pro Kilowattstunde.

Weil immer mehr Ökostrom produziert wird und gleichzeitig die Marktpreise seit fast zehn Jahren stetig fallen, wird die Differenz zwischen Garantie- und Marktpreis immer größer. Deswegen hat sich die EEG-Umlage bis heute fast verzehnfacht: auf 6,17 Cent pro Kilowattstunde. Allein von 2012 bis heute hat sich der Satz von 3,53 auf 6,24 Cent fast verdoppelt – obwohl laut IWR die eingespeiste Menge Ökostrom fast konstant geblieben ist.

Paradox? Unternehmen, die viel Strom verbrauchen, können sich von der Umlage befreien lassen. Die politische Begründung: Sie müssen international wettbewerbsfähig bleiben. 2012 haben laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) 734 Unternehmen mit einer Abnahmemenge von 85402 Gigawattstunden von der Regelung Gebrauch gemacht. 2014 waren es bereits 2098 mit einer Abnahmemenge von 107.101 Gigawattstunden. In Schleswig-Holstein ließen sich in diesem Jahr 66 Unternehmen von der Umlage befreien. Dazu gehören Stora Enso in Uetersen, die Papierfabrik Meldorf in Tornesch, Krögers Buch- und Verlagsdruckerei in Wedel sowie Asmussen in Elmshorn. Das heißt: Je weniger der Umlage die Unternehmen tragen, desto mehr müssen etwa die Privathaushalte übernehmen. So kann die EEG-Umlage für sie auch dann deutlich steigen, wenn der Zubau etwa an Wind-, Biogas- und Photovoltaik stagniert. Nach Einschätzung des IWR profitieren viele Stadtwerke zudem nicht von fallenden Börsenpreisen, weil sie langfristige Lieferverträge mit großen Konzernen wie etwa Eon, RWE, Vattenfall und Enbewe hätten, die sich ihrerseits den Strom an den Börsen beschafften. Steige die EEG-Umlage, werde sie auf den Endpreis draufgeschlagen. Sinke gleichzeitig der Börsenpreise, bleibe das Geld in den Taschen der Versorger, so die Einschätzung des IWR.

Henning Fuchs, Geschäftsführer der Stadtwerke Pinneberg, nimmt die Hoffnung auf weitere Preissenkungen: „Wegen des nötigen Ausbaus der Stromtrassen werden die Netzentgelte perspektivisch weiter steigen. Die Umlagen und Abgaben bleiben bestenfalls stabil.“

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