Streit um einen Bund Dill

Pinneberger werden auf dem Wochenmarkt eines Standes verwiesen / Es besteht kein Anspruch auf den Verkauf von Waren

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19. Oktober 2018, 16:10 Uhr

Die Pinneberger Christel und Bernd Förster kaufen schon seit vielen Jahren auf dem Pinneberger Wochenmarkt ein. Doch was ihnen jetzt passiert ist, haben sie nach eigenen Angaben in all der Zeit noch nicht erlebt: Sie wurden eines Standes verwiesen. Christel Förster berichtet: „Ich wollte etwas Dill kaufen, der war aber nicht mehr ganz frisch. Mir wurde gesagt, es gäbe keinen anderen.“ Auf dem Rückweg über den Markt habe sie jedoch gesehen, dass der Dill am Stand ausgetauscht sei. „Da habe ich dann mal was gesagt. Die Verkäuferin wollte mir den Dill tauschen, aber der Chef wollte das nicht.“ Dieser soll ihr stattdessen das Geld zurückgegeben haben mit den Worten: „Kaufen Sie ihren Kleinkram bei Edeka, Sie gefallen mir nicht.“ Christel Förster sagt: „Vor allen Leuten. Ich glaube, wir waren alle ein bisschen sprachlos.“

Der Marktbeschicker, Stefan Brütt, bestreitet den Vorfall nicht. Er sagte gegenüber unserer Zeitung: „Mit den beiden gab es schon öfter Ärger, das sind Querulanten.“ Auch andere Marktbeschicker hätten mit den Försters Ärger gehabt. Christel Förster bestreitet das: „Ich habe mich noch nie über die Ware beschwert, das war das erste Mal. Denn eigentlich hat er immer sehr gute. Es gab auch vorher nie eine Diskussion mit ihm.“ Der Versuch, ein klärendes Gespräch zu führen sei aber fehlgeschlagen. Die beiden beschwerten sich bei der Stadt.

Stadtsprecher Stefan Krappa erläutert zu dem Vorfall: „In der Tat handelt es sich hierbei nicht um die Art des partnerschaftlichen Miteinanders, wie wir es uns für unsere Wochenmärkte wünschen. Hierüber ist auch mit dem betroffenen Marktbeschicker gesprochen worden.“ Allerdings: Brütt hat das Recht, den Verkauf seiner Waren zu verweigern. „Es herrscht der Grundsatz der Vertragsfreiheit, das heißt, dass alle Markthändler selbst entscheiden können, ob sie den einzelnen Kunden Waren verkaufen oder nicht, solange hierbei nicht gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verstoßen wird“, führt Krappa aus. Zwar hätten manche Orte eine Verkaufspflicht, eine solche sei aber in der Pinneberger Marktsatzung nicht vorgesehen.

Christel Förster hat einen Verdacht, wieso es zu dem Vorfall kam: Sie habe das Gefühl, dass dem Marktbeschicker schon länger missfällt, dass sie und ihr Mann kleine Mengen kaufen. „Das hat ihn gestört“, sagt sie. Ihr Mann Bernd Förster ergänzt: „Wir gehen jeden Tag einkaufen und brauchen deshalb nicht große Mengen.“ Der Markt sei gerade dafür gut, weil man seine Einkäufe auch kleinteilig individuell zusammenstellen könne. „Das macht man doch so auf dem Markt: Man kauft hier was, man kauft da was.“ Ein Anrecht darauf gibt es aber nicht.

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