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Strafkammer verurteilt Uetersener zu 4,5 Jahren Haft

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Nach Auffassung des Gerichts hat der Mann seine Elmshorner Lebensgefährtin niedergestochen und deren Tod in Kauf genommen

shz.de von
erstellt am 26.Jan.2016 | 13:24 Uhr

Sichtlich angespannt hat der russischstämmige Sergey P. gestern Mittag das Urteil der fünften Strafkammer des Landgerichts Itzehoe zur Kenntnis genommen. Immer wieder wischte sich der 48-jährige Angeklagte aus Uetersen mit seinen Händen übers Gesicht, während ihm eine Dolmetscherin übersetzte, was die vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt während der Begründung für die viereinhalb Jahre Freiheitsentzug wegen Totschlags vortrug. Dabei hatte er zuvor noch beteuert: „Ich habe nie im Leben zum Messer gegriffen. Ich habe es nicht getan.“

Doch das glaubte die Kammer Sergey P. nicht. Hildebrandt räumte zwar ein, dass der Fall „tatsächlich und juristisch“ schwierig gewesen sei. Aber die Indizien seien eindeutig gewesen, so die Richterin.

Die Kammer sei überzeugt davon, so Hildebrandt, dass Sergey P. in der Nacht zum 4. Juni 2015 bei seiner Lebensgefährtin Olga Z. gewesen sei. Nach Angaben der Richterin hat er am Abend des 3. Juni gemeinsam mit der 51 Jahre alten Frau, mit der er eher eine „Lebens- und Trinkgemeinschaft als eine Liebesbeziehung“ hatte, Alkohol getrunken. Später sei es zum Streit gekommen, weil er Olga Z. den Wunsch verwehrt habe, intim zu werden. Sie habe ihn daraufhin vor die Tür setzen wollen. Doch anstatt die Wohnung zu verlassen, habe Sergey P. zu einem Küchenmesser mit einer Länge von 35 Zentimetern und einer Breite von drei Zentimetern gegriffen.

„Er stach gezielt in den oberen Bauchbereich“, fügte Hildebrandt an. Etwa zehn Zentimeter tief soll das Messer im Brustkorb gesteckt haben, später mit einer Neigung von etwa sieben Zentimetern wieder rausgezogen worden sein. Der Angeklagte habe, so die Richterin, also mindestens billigend in Kauf genommen, dass sein Opfer an der Wunde stirbt. Zwar seien keine Organe, aber einige Adern verletzt worden. Insgesamt verlor die Frau, die aufgrund ihrer Alkoholsucht seit Anfang 2013 betreut wurde, knapp eineinhalb Liter Blut.

Sergey P. hat, so schilderte Hildebrandt weiter, um 3.32 Uhr den Notruf gewählt und „gut sechs Minuten“ mit der Leitstelle telefoniert. Aufgrund der Tatsache, dass er „lallte“ und des Deutschen nicht ausreichend mächtig ist, hätten ihn die Rettungskräfte aber nicht gut verstanden. Schließlich sei ein Rettungswagen zu der von dem Angeklagten genannten Adresse gefahren, doch es habe niemand geöffnet. Von außen seien weder er noch sein Opfer zu sehen gewesen. Schließlich starb Olga Z. aufgrund des „schleichenden Blutverlusts“, stellte die Richterin fest.

Acht Tage später wurde Sergey P. aufgrund ausschweifenden Alkoholkonsums in die Regio-Klinik Elmshorn gebracht. Dort habe er Krankenschwestern sowie Ärzten berichtet, dass er seine Lebensgefährtin umgebracht habe, so Hildebrandt. Die Kammer sei überzeugt davon, dass das wahr ist. Schließlich habe er dies aus freien Stücken erzählt und nicht „unter Druck“ gestanden, sagte die Richterin. Das Krankenhaus habe daraufhin die Polizei verständig, die den Leichnam rücklings auf einem Eck-Sofa gefunden habe, bekleidet mit einem Büstenhalter und einer Hose. Daneben sei ein „defekter“ und mit Blut besudelter Pullover gewesen.

Zudem habe es „starken Madenbefall im Bereich der Nase und des Mundes“ des Opfers gegeben, so die Richterin.

„Wir sind zu der Ansicht gekommen, dass der Angeklagte Schuld ist an der zum Tod geführten Stichverletzung“, sagte Hildebrandt. Dafür würden die Aussagen gegenüber seiner Betreuer im Krankenhaus, widersprüchliche Aussagen Sergey P.s während der Verhandlung (diese Zeitung berichtete), die entfernten Fingerabdrücke an der Tatwaffe und der Neigungswinkel sprechen, mit dem das Messer in den Körper gerammt worden war. Eine Selbsttötung sei ebenso auszuschließen wie ein Fremdeinwirken durch eine dritte Person.

Von einer Unterbringung in einer Erziehungsanstalt sah die fünfte Strafkammer gestern Mittag ab. Nach Auffassung von Hildebrandt sind die Erfolgsaussichten, den seit zwei Jahren alkoholkranken Sergey P. therapieren zu können, nicht gegeben.

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