Hass+Hatje in Rellingen : Stoppen Fledermäuse den Neubau?

Im Blick, aber kein Blickkontakt: Ines Kitzing, Hass+Hatje-Geschäftsführerin (Zweite von links), und Wolfhard Pauksch, Sprecher der Anlieger-Interessengemeinschaft (Vierter von rechts, AIG).
Im Blick, aber kein Blickkontakt: Ines Kitzing, Hass+Hatje-Geschäftsführerin (Zweite von links), und Wolfhard Pauksch, Sprecher der Anlieger-Interessengemeinschaft (Vierter von rechts, AIG).

Der Ausschuss sagt „Ja“ zum Planungsstart. Alle Seiten sollen auch Bedenken einbringen können.

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23. Juli 2015, 15:45 Uhr

Rellingen | Acht Ja-Stimmen, drei Nein-Stimmen für den Planaufstellungsbeschluss zur Erweiterung des Rellinger Baustoffzentrums Hass + Hatje um eine weitere Halle – die Mitglieder des Bauausschusses Rellingen gaben ein klares Signal. Und bekamen vom Vorsitzenden Eckhard Schlesselmann (CDU) mahnende Worte für den Beginn der Verhandlungen mit auf den Weg: „Alle Beteiligten – die Bürger, der Investor und die Politik – müssen bei dem offenen Verfahren ihre Bedenken einbringen können. Es muss ein sauberes Verfahren mit größter Transparenz sein.“

Damit versuchte Schlesselmann, die angespannt-provokative Stimmung im Raum im Keim zu ersticken. Denn vorab nahm Wolfhart Pauksch, Sprecher der Anlieger-Interessengemeinschaft (AIG), kein Blatt vor den Mund. Er sprach von einer nicht hinnehmbaren Zerstörung des Mikroklimas durch die Versiegelung, er sprach von einem „nicht hinnehmbaren Wertverlust der Häuser der Anwohner in Höhe von zwei Millionen Euro“, falls das Bauzentrum Hass + Hatje zu dem vorhandenen Hagebaumarkt und dem Baustoffhandel an der Eichenstraße auf dem Gelände der ehemaligen Baumschule Stoldt eine zweite Halle baut – mit etwa 3344 Quadratmetern so groß wie die vorhandene – sowie 103 neue Stellplätze für die Mitarbeiter. Im Wortlaut heißt das: „Zwecks Erweiterung der Lagerkapazität und Optimierung von innerbetrieblichen Prozessen.“

In dem Zusammenhang brachte Pauksch auch eine Fledermaus-Kolonie im ehemaligen sogenannten Giftschuppen im Bereich Gärtnerstraße 17 ins Gespräch. Und – was die Entscheidungsträger im Rathaussitzungssaal am meisten gewurmt haben dürfte – Pauksch provozierte damit, dass das Motto „Liebenswertes Rellingen“ mit Füßen getreten würde und die Politiker längst befangen seien. „Was nicht sein darf.“

CDU-Gemeinderätin und Ausschussmitglied Petra Krzesinski empörte sich: „Der Vorwurf der Befangenheit ist absurd. Wir gehen erst jetzt in die Diskussion.“ Eine Aussage, der sich Parteifreund Steffen Böhm-Rupprecht, Ratsherr und Parteichef, anschloss: „Generell gilt, dass wir jeden B-Plan kritisch begleiten. Das gilt auch für Hass + Hatje.“

Was nichts an der Haltung von CDU-Bauausschussmitglied Rolf-Rüdiger Schmidt änderte: Er wolle sich an sein Versprechen halten, das er vor mehr als zehn Jahren gegeben habe – „kein weiterer Anbau“. Von ihm gab es ein Nein genauso wie von zwei Stimmen aus der Grünen-Fraktion. Konrad Wolf versprach aber: Die Grünen seien zwar gegen die Erweiterung. „Wir wollen uns aber intensiv an der Planung beteiligen.“

Detlef Sternberg lässt nicht locker. Der Ex-Sparkassen-Vorstand, auch bekannt geworden als Mitglied der Bürgerinitiative für ein l(i)ebenswertes Rellingen, und massiver Kritiker des sogenannten Rellinger Schiffs des Unternehmers Thomas Pötzsch (Firma CTP) an der Ecke Hauptstraße/Wiesenweg, nutzte die Sitzung des Bauausschusses für massive Kritik an der Rellinger Verwaltung. Der unmittelbare Anwohner am CTP-Gebäude habe auf seine Kritik vom 18. April am vorhandenen, nach seiner Meinung überdimensionalen Sonnensegel, das die Firsthöhe übersteige, und der Bitte um Stellungnahme aus dem Rathaus, keine Antwort bekommen. Bürgermeisterin Anja Radtke (parteilos) erwiderte, dass die Kreisverwaltung als Genehmigungsbehörde über die Zulässigkeit des Sonnensegels entscheide. Außerdem sei die Verwaltung davon ausgegangen, dass ein Telefonat mit dem Bauamt auch von Seiten Sternbergs erwartet werden könne. vog
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