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Pinneberger Tageblatt

24. Oktober 2017 | 01:32 Uhr

Kreis Pinneberg : Stilles Gift im Essen?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der BUND schlägt Alarm: Kreis Pinneberger haben ihren Urin auf Pflanzenschutzmittel hin untersuchen lassen. Das Ergebnis ist besorgniserregend.

von
erstellt am 26.Sep.2013 | 16:00 Uhr

Seine Namen sind klangvoll: Roundup, Taifun, Clinic, Dominator oder Weedkill. Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat, ein Totalherbizid, das ursprünglich von der US-Firma Monsanto auf den Markt gebracht wurde, steht für Organisationen wie Greenpeace oder den BUND unter dem Verdacht, krebserregend zu sein. Nach Angaben des Kreisbauernverbands Pinneberg wird es auch in der Landwirtschaft im Kreis eingesetzt.

Nach Angaben vom BUND sowie auch von Greenpeace gibt es in der Umgebung von südamerikanischen Tabak- und Sojafeldern, die mit Glyphosat gespritzt werden, eine Häufung von Geburten geistig und körperlich behinderter Kinder, von Totgeburten, Krebs und Leukämie.

In seinem Vortrag „Wie belastet ist unser Essen wirklich? Führen uns Industrie und Behörden hinters Licht?“ berichtete der BUND-Vorsitzende Professor Hubert Weiger den zahlreichen Zuhörern in der Pinneberger Drostei am Dienstagabend, dass Glyphosat in Deutschland auf insgesamt 4,3 Millionen Hektar, also 40 Prozent der Ackerfläche, gespritzt werde, sowie in Parkanlagen, an Bahngleisen und Gärten zum Einsatz käme.

„Es wird auch hier im Kreis Pinneberg in der Landwirtschaft verwendet“, so Kreisbauernverband-Geschäftsführer Peer Jensen-Nissen auf Anfrage dieser Zeitung. Es werde nach der Ernte auf die neu zu bewirtschaftende Fläche gespritzt, töte sämtliche Pflanzen ab, damit die Folgekultur besser aufwachsen könne. Es verbessere die Qualität. „Im Nachgang müssen weniger Pflanzenschutzmittel angewendet werden.“

Erhöhtes Krebsrisiko

Die BUND-Kreisgruppe Pinneberg schlägt jetzt Alarm. 18 Einwohner aus Pinneberg, Elmshorn und der Seestermüher Marsch haben ihr Urin in einer Stichprobenuntersuchung für den BUND auf das Pflanzenschutzmittel hin untersuchen lassen – mit mehrheitlich positivem Ergebnis. „Wir als Verbraucher müssen sagen: Glyphosat gehört nicht in unsere Nahrung, nicht in unsere Körper“, erklärte Martin Redepenning vom BUND-Kreisgruppenvorstand. Der BUND und die Organisation „Friends of the Earth“ hatten in Tests von 182 Urinproben aus 18 europäischen Ländern überall Belastungen festgestellt – Deutschland lag unter den Spitzenreitern. „Die Ergebnisse sind so alarmierend, dass Konsequenzen gezogen werden müssten“, so Weiger. Ungeklärt bleibe bisher, ob Glyphosat über die Nahrung aufgenommen werde.

Klaus Dahmke, Pressesprecher des Bauernverbands Schleswig-Holstein, weist jedoch darauf hin, dass Glyphosat vom Bundesamt für Risikobewertung als nicht giftig eingestuft wurde und vom Menschen wieder ausgeschieden werde. „Dieses Glyphosat ist wohl das am besten untersuchteste Herbizid weltweit.“ Er vertraue in die Behörden.

In seinem Vortrag merkte Professor Weiger dagegen an: „Es gibt offensichtlich keine Langzeituntersuchungen zu Wirkungen in geringen Dosen, also die reale Belastung, der Menschen ausgesetzt sind. Es ist ein Mindesterfordernis, dass solche Untersuchungen durchgeführt werden.“

Ein erhöhtes Krebsrisiko sei ein Ausschlusskriterium für eine Pestizidzulassung. „Studien aus Südamerika, die diese Gefahren belegen, werden als unwissenschaftlich eingestuft.“ Glyphosat stehe derzeit im EU-Wiederzulassungsprozess. 2015 werde darüber entschieden. Weiger kritisierte das Zulassungsverfahren jedoch als intransparent. „Es geht um Milliardenmärkte. Deshalb wird es ein harter Kampf werden.“ Er betonte, dass auf der Agrarministerkonferenz Ende August zehn Bundesländer aufgrund der BUND-Studie ein Glyphosat-Sikkationsverbot sowie ein Verbot in Haus- und Kleingärten gefordert hätten. Er kritisierte zudem: „Herbizide leisten keinen Beitrag, landwirtschaftliche Betriebe zu entlasten, sondern sind Mittel zur Industrialisierung der Landwirtschaft.“

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