Kreis Pinneberg : Stiftungen bangen um Erträge

Sparzwang für die gemeinnützigen Institutionen: Die Erträge der Stiftungen im Kreis schrumpfen aufgrund niedriger Zinsen.

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19. November 2013, 08:42 Uhr

Geht den Stiftungen angesichts der Zinsentwicklung die Luft aus? „Langsam machen sich die Zinssenkungen auch bei uns bemerkbar“, sagte Imke Gernand, Sprecherin der Sparkasse Südholstein im Gespräch mit dieser Zeitung. Konnte die Stiftung der Sparkasse Südholstein im Jahr 2009 noch 400 000 Euro ausschütten, um damit Projekte in ihrem Geschäftsbereich zu fördern, waren es in diesem Jahr dank einer Großspende noch 336 000 Euro, im Jahr 2012 sogar nur 305 000 Euro. „Wie genau sich unsere Möglichkeiten weiterentwickeln, wird die Zeit zeigen, denn die Zinssenkungen erreichen uns verzögert“, so Gernand. Nämlich dann, wenn langfristige Anlagen mit einem guten Festzins ausliefen und zu einem schlechteren Zins neu angelegt werden müssten. „Unser Ziel ist, dass wir die 15 Dauerprojekte, die wir fördern, weiterbetreiben können“, sagte Gernand. Dazu gehörten der Jugendpressefrühling, die Hochbegabtenförderung, der Schulsanitätsdienst sowie weitere Projekte. Allerdings müsste auf Dauer eventuell die Höhe der Förderung geändert oder die Anzahl der Einzelspenden reduziert werden.

Der Bürgerstiftung der VR Bank Pinneberg mache der niedrige Zinssatz bislang nicht zu schaffen, sagte Stiftungsberaterin Bettina Fischer. „Allerdings wurde unsere Stiftung erst 2009 gegründet, wir befinden uns noch im Aufbau.“ Und die Bereitschaft der Bürger, ihr Geld einem gemeinnützigen Zweck zugute kommen zu lassen, werde immer größer, sodass die VR Bank Bürgerstiftung wachse. Im ersten Halbjahr 2013 habe die Stiftung 34 Projekte mit insgesamt zirka 40 000 Euro unterstützen können.

Auch das Kapital der Stiftung Landdrostei sei derzeit noch gut verzinst angelegt. „Doch wenn wir es neu anlegen, werden die Zinseinnahmen sicherlich geringer ausfallen. Das könnten einige 1000 Euro weniger sein“, sagte Geschäftsführer Bruno-Siegfried Retzke und ergänzte: „Einsparungen im Kulturbereich will ich vermeiden.“

Im Kreis Pinneberg gibt es insgesamt 38 Stiftungen. Die meisten von ihnen sind gemeinnützig und unterstützen Projekte und Institutionen, von denen viele Bürger profitieren – im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit, der Kultur, des internationalen Austauschs sowie des Naturschutzes. Doch ob das Engagement der Stiftungen in den kommenden Jahren so groß bleibt wie bisher, ist fraglich. Die Erträge, die Stiftungen erwirtschaften, hängen unter anderem von den Zinsen ab, die sie auf ihre Kapitalanlagen erhalten. Diese wiederum sind vom Leitzins, den die Europäische Zentralbank vorgibt, abhängig. Und der wurde vor wenigen Tagen auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt.

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