Streit in Pinneberg : Stettiner Straße: Wo aus Nachbarn Feinde werden

Nachbarschaftsstreit: Im Wohnhaus der Pinneberger Stiftung „Wir helfen uns selbst“ gibt’s Ärger.
Nachbarschaftsstreit: Im Wohnhaus der Pinneberger Stiftung „Wir helfen uns selbst“ gibt’s Ärger.

Unter den Mietern in der Stettiner Straße kracht’s wegen Lärm und chemischer Gerüche. Urte Steinberg führt Gespräche.

shz.de von
20. Juli 2018, 12:00 Uhr

Pinneberg | Krach unter Nachbarn – ein Thema, mit dem fast jeder schon einmal zu tun hatte. Doch im Haus der Pinneberger Stiftung „Wir helfen uns selbst“ in der Stettiner Straße nimmt dieser ungewöhnliche Züge an. Die Mieterinnen Roswitha Krause und Gerda Noack beschweren sich über anhaltende Lärm- und Geruchsbelästigung. „Seit einem Jahr ist es wirklich schlimm“, sagt Noack. „Es rumst ohne Ende. Wie ein Hämmern oder ein Klopfen.“ Krause fügt hinzu: „Es ist hellhörig, ja. Aber nicht so.“ Die beiden sahen sich einmal sogar gezwungen, die Polizei zu alarmieren. Die Polizeidirektion Bad Segeberg bestätigt: „Am 22. Februar wurden die Kollegen wegen der lauten Geräusche durch Hantieren gegen 18 Uhr gerufen. Es gab ein klärendes Gespräch, aber es wurde nicht geahndet.“

Hinzu komme ein seltsamer, chemischer Geruch. „Seit einem halben Jahr riecht es ganz intensiv danach, wie Industriekleber“, beschreibt Noack. Die Nachbarinnen vermuten, dass ein Nachbar Heimarbeit betreiben könnte. Der Geruch würde sich vermutlich über die Lüftungsanlage verbreiten. Diese wurde 2006 modernisiert – doch dass sie regelmäßig gewartet wird, bezweifeln Noack und Krause. „Ich bin seit 20 Jahren hier und sowas habe ich noch nicht gehabt“, sagt Noack. Krause ergänzt: „Es ist schlimm, das legt sich auf die Schleimhäute. Die Nase läuft und man muss husten.“ Vor allem für sie: Sie leidet unter Asthma. „Jeder malt mal und jedem fällt mal was um, aber hier hört es nie auf.“

Im Stich gelassen

Im Fokus der beiden Mieterinnen ist ein Nachbar. Dieser wollte sich auf Anfrage von shz.de aber nicht zu dem Fall äußern. Beschwerden bei der Hausverwaltung führten laut Noack und Krause zu keinem Ergebnis. „Uns wurde gesagt, wir müssen Beweise sammeln, weil Vermutungen nicht weiterhelfen“, erläutert Noack. „Wir haben also Uhrzeiten aufgeschrieben und eingereicht. Wir haben uns das sogar gegenzeichnen lassen.“ Passiert sei nichts. Von der Hausverwaltung fühlen sie sich im Stich gelassen. „Wir werden als Störenfriede hingestellt“, sagen sie. „Man muss uns doch glauben.“

Erst ein Besuch bei Bürgermeisterin Urte Steinberg, die die Vorsitzende der Stiftung ist, bringt laut den beiden Bewegung in die Sache. Steinberg führte Gespräche mit den Parteien in dem Mietshaus und sichtete die Unterlagen zu dem Fall. Und sie hält dagegen: „Die Vorwürfe, dass die Verwaltung zu wenig tut, muss ich zurückweisen.“ Die Lüftungsanlage werde jährlich gewartet, zuletzt 2017. „Zudem wird halbjährlich der Filter ausgetauscht.“ Es wären Proben genommen worden, die jedoch ohne Ergebnis waren. „Mir wurde außerdem versichert, dass kein Lärm gemacht wird.“ Es sei allerdings möglich, dass sich Trittschall übertrage, die Häuser seien von 1960. „Es tut mir Leid, dass es Missstimmung gibt und ich kann den Blickwinkel verstehen“, sagt Steinberg. Sie sagt aber auch: „Wir haben uns mehrfach gekümmert.

Ursache für Geruch ist ungeklärt

Ruhiger soll es laut Noack und Krause nach den Gesprächen mit der Verwaltung geworden sein. Doch woher der Geruch kommen soll, konnte bisher nicht geklärt werden. Die Ergebnisse der Lüftungsanlage versteht Krause nicht. „Es geht doch auch um die Motoren in den einzelnen Wohnungen. Und bei uns war niemand“, sagt sie. Steinberg hingegen betont: „Ich bin dort gewesen und habe mir die Anlage angesehen. Aus Küche und Bad wird die Luft rausgepustet, ins Wohnzimmer von draußen reingesogen. Es gab nichts zu beanstanden.“ Doch Noack und Krause bleiben bei ihrem Verdacht.

Im Endeffekt herrscht Aussage gegen Aussage zwischen den Mietparteien, die Untersuchungen führten zu keinem Ergebnis. Als letzte Option hat Steinberg allen Beteiligten die nächste freiwerdende Wohnung als Alternative angeboten. Eine Enttäuschung für Noack und Krause. „Wir haben so viel reingesteckt in unsere Wohnungen“, sagt Krause. Und eigentlich fühlen sie sich dort wohl. Die beiden hoffen weiterhin darauf, dass sich die Sache aufklärt.

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