Hamburger Flughafen : Steigender Fluglärm sorgt für Frust: Hasloher Bürger machen sich Luft

Knapp 70.000 Starts und Landungen sorgen für reichlich Unmut – auch in Hasloh.
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Knapp 70.000 Starts und Landungen sorgen für reichlich Unmut – auch in Hasloh.

Gerade Fernflieger stören die Nachruhe und belasten Nerven. Anwohner fordern, dass die Politik regulierend eingreifen soll.

shz.de von
28. März 2018, 16:00 Uhr

Hasloh | Eines wurde in Hasloh deutlich: Die Geduld der Anwohner ist erschöpft. Die Fluglärmschutzkommission Hamburg hatte zum Meinungsaustausch ins Landhaus Schadendorf eingeladen. 200 Bürger saßen zehn Lärmschutzexperten gegenüber und machten ihrem Ärger über den zunehmenden Fluglärm Luft: „Ich hab‘ hier mal in einem schönen ruhigen Dorf gewohnt“, meldet sich Dieter Hillebrand zu Wort. „Das ist lange vorbei. Die Situation hat sich massiv verschlechtert.“ Bürgerinitiativen in Hamburg und Schleswig-Holstein haben das vergangene Jahr als das „lauteste Flugjahr des Jahrhunderts“ betitelt.

Der Naturschuschutzbund BUND berichtet in seinem aktuellen Fluglärmreport, dass vor zehn Jahren am Hamburger Helmut-Schmidt-Airport zwar noch mehr Starts und Landungen gezählt worden seien, sich der Fluglärmteppich bis heute aber ausgedehnt habe. Der Grund ist simpel – es starten und landen in Hamburg mehr laute Flugzeuge. Die Entwicklung der Flugzeug-Lärmklassen zeige eindeutig in Richtung Belastungszunahme.

52.140 Starts und 17.670 Landungen

Sieht man sich die Statistiken der Fluglärmschutzkommission nach Flugrichtungen an, musste Hasloh im vergangenen Jahr 52.140 Starts und 17.670 Landungen ertragen – 44 Prozent der Flugbewegungen in diesem Zeitraum liefen über die Nordbahn Ohmoor/Quickborn. Grundlage für die häufige Benutzung ist eine Regel, dass besonders lärmintensive Starts in diese Richtung abgehen. Grund: Im Norden sei vor allem der Nahbereich des Flughafens, in dem die Schallpegel besonders hoch seien, kaum besiedelt.

Das sehen die Hasloher anders: Tagsüber sei der Lärm schwierig zu ertragen, aber nachweislich gesundheitsgefährdend werde es nachts, wenn der Schlaf nicht mehr gewährleistet ist: „Nachtflugbeschränkungen werden von den Airlines immer wieder ausgehebelt. Die Pünktlichkeitsoffensive hat nichts gebracht. Alles hat seine Grenzen – unsere sind deutlich überschritten“, sagt der Hasloher Bürgermeister Bernhard Brummund (SPD) unter Applaus.

Statistiken belegen, dass die Flugbewegungen besonders zwischen 23 und 24 Uhr stark zugenommen haben. Interessant: 79 Prozent aller Verspätungen werden durch Billigflieger verursacht, so der BUND.

„Sie können mir doch nicht erzählen, dass es keine rechtliche Möglichkeit gibt, die Airlines in ihre Schranken zu weisen“, so der Hasloher Klaus Kohrs. „Es geht doch wie immer nur ums Geld und wir hier in Schleswig-Holstein sind die Leidtragenden.“ Die Fluglärmschutz-Beauftragte Gudrun Pieroh-Joußen wirkte hilflos: „Mir ist auch wichtig, dass die Menschen ihre Nachtruhe haben. Für jeden Flug nach 23 Uhr lassen wir uns den Grund erklären.“

Während der Diskussion wurde deutlich, wie lange sich die Bürger schon mit dem Thema befassen und welche Experten einige von ihnen im Laufe der Jahre geworden sind. Die Kommission konnte mit dem Fachwissen über Triebwerke, Flachstartverfahren und Schallschutz vereinzelt kaum mithalten. Kohrs und den anderen Teilnehmern war ganz klar, dass die Fluglärmschutzkommission Hamburg als reines Beratungsgremium keine Entscheidungskompetenz hat. „Da müssen wir endlich die Politik in die Pflicht nehmen“, sagt er.

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