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Serie: Zehn Jahre Stadt Tornesch : Steigende Pendlerströme und Wirtschaftswachstum nach dem Zweiten Weltkrieg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Immer mehr Fabriken siedelten sich an und die Verkehrsanbindung wurde verbessert. Das Stadtrecht wurde dann zum 1. Januar 2005 verliehen.

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erstellt am 16.Sep.2015 | 15:00 Uhr

Tornesch | Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Tornesch aufgrund der guten Verkehrsanbindung durch die Bahnlinie sowie die Autobahn ein rasantes Wachstum. In den ersten Nachkriegsjahren war es für kleine Selbstständige noch sehr schwer, sich in Tornesch anzusiedeln. So berichtet Annette Schlapkohl in ihrer Chronik: „Der Antragsweg war über die gemeindliche Gewerbekommission zu nehmen.

So wurde im Juli 1948 noch ein Antragssteller, der sich als Schneidermeister niederlassen wollte, abgelehnt mit der Begründung: Bei seinem Alter von 35 Jahren könne er Arbeit als Schneidermeister in einem Hamburger Geschäft finden. Auch ein Antrag auf Herstellung von Hummerfanggeräten wurde abgelehnt.“ Zwei Monate später wurden beide Anträge bewilligt, da durch die inzwischen durchgeführte Währungsreform jede Art von Gewerbeeinnahmen für die knappe Gemeindekasse benötigt wurden.

1955 wurde die Tonrnia Papierfabrik, 1961 die Altonaer Wellpappenfabrik in Bahnhofsnähe gegründet. Das schon seit 1934 am Bahnhof ansässige Kohlen- und Baustoffgeschäft Wörmcke wurde deutlich erweitert. Zwischen 1970 und 1987 stieg die Anzahl der Arbeitsstätten in Tornesch von 199 auf 294 – die Anzahl der Beschäftigten von 1553 stieg auf 2075. Um den Bedarf an Arbeitskräften in den 1960er- und 1970er-Jahren zu decken, wurden vor allem von der Meldorfer Papier- und Altonaer Wellpappenfabrik ausländische Arbeitskräfte angeworben. Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Brennerei auf dem Gelände des späteren Einkaufszentrums Tornescher Hof diente als Wohnheim für die Gastarbeiter.

„Rasende Emma“ fuhr mehr als 60 Mal pro Tag

Parallel zum wirtschaftlichen und Einwohnerwachstum wurde auch die Verkehrsanbindung stetig erweitert. Die „rasende Emma“ fuhr bis zur Einstellung des Schienenverkehrs und der Verlagerung auf Busse im Jahr 1965 mehr als 60 Mal am Tag die Strecke Tornesch-Uetersen. Auch auf den Straßen war immer mehr los. Am Ortseingang Ahrenloher Straße wurden 1987 pro Tag 12.000 Fahrzeuge gezählt. 1997 waren es bereits 18.000 und fünf Jahre später 20.940. „Der Bahnhof Tornesch ermöglichte in steigendem Maße Pendlerströme Richtung Elmshorn, Pinneberg und Hamburg. Tornesch wurde zunehmend zu einer Wohnstätte von auswärtig Tätigen“, schreibt die Chronistin Schlapkohl.

Die Anforderung an eine Stadt wie ein entsprechendes Verkehrssystem, Ver- und Entsorgungsnetze für Wasser, Abwasser, Strom, Gas, Telekommunikation, Müllentsorgung und wirtschaftliche Voraussetzungen erfüllte Tornesch bereits in den 1990er-Jahren, jedoch wurde der Antrag erst nach der Änderung der Kommunalgesetze gestellt. Das Stadtrecht wurde Tornesch zum 1. Januar 2005 verliehen.

Annette Schlapkohl hat von 2000 bis 2004 die Geschichte Torneschs im Auftrag der Ernst-Martin-Groth-Stiftung aufgearbeitet. Das 500-seitige Buch mit dem Titel „Die Geschichte der Ortsteile Ahrenlohe, Esingen und Tornesch von den Anfängen bis heute“ erschien 2004. Als Gastautoren wirkten Hans-Albrecht Hewicker, Arthur Mölln, Hans Joachim Wohlenberg mit. Die Chronik kann bei der Ernst-Martin-Groth-Stiftung erworben werden. www.ernst-martin-groth-stiftung.de
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