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Kreis Pinneberg : Steht Jims Bar auf der Kippe?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Sozialausschuss berät heute über Zuschüsse für das Suchtpräventionsprojekt. Die Organisatoren befürchten das Aus.

Kreis Pinneberg | Das Projekt Jims Bar ist gefährdet. Dieser Meinung ist Karl-Heinz Malorny. Er leitet das Projekt, das von der gemeinnützigen Gesellschaft für Jugend- und Suchthilfe (GGJS) in Kooperation mit dem Therapiezentrum Ahornhof getragen und vom Kreis Pinneberg finanziert wird. Malorny sagte auf Anfrage dieser Zeitung: „Das Geld vom Kreis reicht nicht aus.“ Und einem Antrag auf Erhöhung der Zuschüsse will die Kreisverwaltung nicht folgen. Entscheiden müssen nun die Politiker des Kreistags. Eine Beratung steht im Sozialausschuss heute Abend an.

„Das ist ein erfolgreicher Ansatz in der Suchtprävention, der landesweit oft kopiert wurde. Wir kommen nicht mit erhobenem Zeigefinger. Stattdessen sind Jugendliche für Jugendliche aktiv. Damit begegnen wir dem Alkoholmissbrauch bei öffentlichen Partys“, sagte Malorny. Vermietung, Wartung und Öffentlichkeitsarbeit seien arbeitsintensiv. Die gemeinnützige GGJS beschäftigt eine hauptamtliche Kraft für 15 Stunden pro Woche. „Wenn wir die Arbeit erfolgreich fortführen sollen, brauchen wir 25 Stunden“, sagt Malorny.

Jims Bar wurde nach einer Pilotphase ab 2011 mit Geld der EU finanziert, das die Aktivregionen Pinneberger Marsch & Geest sowie Holsteiner Auenland verteilten. Diese Förderung von etwa 51.000 Euro pro Jahr lief Ende 2013 aus. Seitdem zahlt der Kreis 34 000 Euro im Jahr. „Früher stand uns eine Vollzeitstelle zur Verfügung. Heute ist es nur noch eine Drittelstelle. Die Schulungen für Barkeeper beim Kreisjugendring mussten wir von jährlich sechs auf drei zusammenstreichen.“

Die Kürzung habe weitere Folgen: Die Erreichbarkeit sei eingeschränkt. „Was die Ausleihen betrifft, so haben wir uns auf diejenigen konzentriert, die an den Wochenenden Jims Bar ordern“, so Malorny. „Neukunden konnten wir in dieser Saison nicht gewinnen.“ Die Ausstattung hat laut Malorny Mängel. „Ein Barwagen ist 20 Jahre alt. Das Dach ist undicht, Schaniere sind defekt. Wir fahren auf Verschleiß.“ Sollte die Bezuschussung sogar gesenkt werden, ist das Aus für Jims Bar nach Malornys Einschätzung programmiert. „Ob wir den Zuschuss überhaupt bekommen, steht in den Sternen“, sagte Malorny. Positive Signale habe er bisher nicht bekommen.

Die Grünen im Kreistag wollen der Verwaltungsvorlage, in der eine Erhöhung abgelehnt wird, zustimmen. „Wir schätzen die Arbeit von Jims Bar. Aber wir müssen den Haushalt konsolidieren. Wenn wir freiwillige Leistungen ausweiten, müssen wir woanders sparen. Diese Möglichkeit sehen wir nicht“, sagte Sabine Schaefer-Maniezki. Zudem kämen neue Pflichtaufgaben hinzu. „Die Zahl der Flüchtlinge steigt stetig. Da kommen neue Belastungen auf uns zu.“ Ob die Grünen sich für eine Fortführung der Förderung von 34 000 Euro einsetzen, ließ Schaefer-Maniezki offen. „Das müssen wir in einer Fraktionssitzung diskutieren.“

Der Kreis steht unter dem Rettungsschirm

Christian Saborowski von der CDU-Fraktion sagte: „Unsere Marschroute ist, die bisherige Förderung zu erhalten, aber eine Erhöhung abzulehnen.“ Da der Kreis unter dem Rettungsschirm des Landes stehe, seien freiwillige Leistungen besonders kritisch zu betrachten. Außerdem engagiere sich der Kreis mit zahlreichen anderen Angeboten im Jugendschutz und der Suchthilfe.

Die SPD wird ebenfalls gegen eine Erhöhung stimmen und sich dafür einsetzen, dass auch künftig jährlich 34 000 Euro vom Kreis fließen. „Wir geben insgesamt zwei Millionen Euro für Suchthilfe aus. Jims Bar ist dabei nur ein Teil des Angebots“, sagte Hans-Peter Stahl. „Die Kreisfinanzierung läuft erst seit diesem Jahr. Wir wollen abwarten, ob das Projekt unter diesen Bedingungen machbar ist.“

Klaus Bremer, Fraktionschef der FDP, sagte: „Ich glaube, dass Donnerstag noch keine Entscheidung getroffen wird. Das Thema fällt in den Haushalt, der erst am 17. Dezember beschlossen wird. Es geht wohl auch um die Wartung des Hängers, der dem Kreis gehört. Da stellt sich die Frage, warum die Wartung nicht vom Bauhof übernommen wird.“ Bremer sagte auch: „Am Anfang war ich dem Projekt gegenüber skeptisch, aber ich halte es inzwischen für eine wunderbare Idee. Doch es geht der Nachwuchs aus. Man muss klären, wie hoch der Bedarf überhaupt ist. Bei der Zahl der Ausleihen sehe ich die Forderung nach einer Stelle kritisch.“

Die Fraktionsgemeinschaft aus Linken und Piraten will sich noch nicht festlegen. „Das Thema besprechen wir in der kommenden Fraktionssitzung“, sagte Pirat Sven Lange.

Andrea Pinzek, Jugendschützerin bei der Kreisverwaltung, glaubt an die Zukunft von Jims Bar: „Mit der bisherigen Förderung ist Jims Bar realisierbar, auch wenn es an einigen Stellen wie der Erreichbarkeit Einschränkungen geben wird.“

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