Tornesch : Stadtplaner mit Lob und Tadel für den Stadtkern

Stadtplaner Stefan Escosura sparte nicht mit Kritik.
Stadtplaner Stefan Escosura sparte nicht mit Kritik.

Stadtplaner stellt im Bauausschuss erste Ideen für Weiterentwicklung des Stadtzentrums vor. Verkehrsströme sollen besser verteilt werden.

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03. Juni 2015, 15:30 Uhr

Tornesch | Wie soll sich Tornesch künftig präsentieren? Wie soll sich der Ortskern entwickeln? Diese Fragen werden die Politik auch in den kommenden Jahren bewegen. „Unser Ziel ist die substanzielle Optimierung des Ortskerns“, sagte Stadtplaner Stefan Escosura. Der Geschäftsführer des von der Stadt engagierten Planungsbüros „AC Planergruppe“ aus Itzehoe stellte am Montagabend im Bau- und Planungsausschuss die ersten Ergebnisse zur Ortskernentwicklung vor.

Vor etwa einem Jahr hatten die Ausschussmitglieder geltende Bebauungspläne für das Tornescher Stadtzentrum aufgehoben und die Verwaltung mit der Erstellung neuer Pläne beauftragt. „Wir haben es hier mit einer gesunden, aber keiner kerngesunden Stadt zu tun“, sagte Escosura und ergänzte: „Tornesch verfügt über ungewöhnlich gute Ausstattung und Infrastruktur.“ Allerdings seien diese unzureichend miteinander verknüpft. Ein elementares Problem seien bauliche Mängel, ein anderes die Verkehrssituation. „Da erzähle ich ihnen nichts Neues: Sie haben ein Verkehrsproblem.“ Ein weiteres Problem sei die Wahrnehmung der Gemeinde in Hamburg und dem Umland. „Tornesch hat ein Imageproblem nach außen. Wenn ich es platt ausdrücken soll, dann ist die Außenwirkung der Stadt gleich null“, sagte Escosura. Dem gegenüber stehe aber eine hohe Zufriedenheit der Bürger, die unter anderem mit der Infrastruktur zusammenhänge. „Wenn es umgekehrt wäre, hätten Sie ein viel, viel größeres Problem“, so der Stadtplaner.

Zudem mahnte Escosura davor, sich falsche Ziele bei der Ansiedlung neuer Gewerbebetriebe im Ortskern zu setzen. Vielmehr müsse der Fortbestand der bestehenden Einzelhändler im Fokus stehen. Die Frage dabei sei, wie die Menschen in die Stadt geführt würden. „Wenn Sie nur baulich etwas machen, werden Sie das Problem nicht lösen. Das trifft nicht die Wurzel“, sagte Escosura. Stattdessen müsse Tornesch mit seiner Stärke punkten: sozialer Kompetenz. „Dabei ist es wichtig, Bereiche mit sozialer Nutzung gezielt zu steuern“, so Escosura. Dazu zähle auch die Verkehrsführung. „Wir sind noch nicht tief genug in der Materie, um dort entsprechende Empfehlungen geben zu können“, sagte Escosura.

Wichtig sei aber grundsätzlich ein ausgewogenes Verhältnis von Rad-, Fuß- und Autoverkehr. Die Verteilung der Verkehrsströme sei nicht optimal – so sei beispielsweise im Bereich Friedensallee, Lindenweg, Esinger Straße und Wilhelmstraße die Belastung durch Kraftfahrzeuge zu hoch. Escosura schlug eine „Fahrradautobahn“ als Vorzeigeprojekt vor. „So etwas brauchen Sie hier“, sagte er und stellte entsprechende Förderungschancen in Aussicht. Die Überlegungen der Stadtplaner sollen nun konkretisiert und auf der nächsten Sitzung im September vorgestellt werden.

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