Stadt sperrt Wiesen für Bürger

Die Spaziergänge von Wolfgang Gronwald und seiner Hündin Mika sind seit der Aufstellung der Schilder „nicht mehr wie früher“.
Die Spaziergänge von Wolfgang Gronwald und seiner Hündin Mika sind seit der Aufstellung der Schilder „nicht mehr wie früher“.

Pinneberger auf Zinne / Verwaltung begründet: Es handelt sich um Ausgleichsflächen

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05. Januar 2018, 10:18 Uhr

Wolfgang Gronwald und seine Hündin Mika stehen am Rande einer Wiese in der Rahbarg-Heide in Pinneberg. Weiter dürfen sie nicht gehen. Das verbietet ein neu aufgestelltes Schild mit der Aufschrift „Privatgelände! Betreten verboten! Bitte respektieren Sie den Schutz der Natur. Hier befinden sich naturschutzrechtliche Ausgleichsflächen“. Das Gelände ist im Besitz der Stadt Pinneberg. Im Juni hatte sie mehrere Wiesen am Rande der neuen Parkstadt Eggerstedt als Ausgleichsflächen deklariert.

Doch aus welchem Grund gibt es diese Maßnahmen? Gronwald schrieb kurz nach der Sperrung der Grünflächen eine E-Mail an die Stadtverwaltung, in der er um die Nennung von Gründen bat. „Ich bekam die Antwort, dass es gesetzlich vorgeschrieben sei, Grünflächen als Ausgleich für bebautes Gebiet auszuweisen. Das ist ja schön und gut, aber warum werden denn nicht mal Grünflächen ausgewiesen, die auch für die Bürger nutzbar, sprich betretbar sind?“, fragt sich Gronwald schon seit Längerem. „Wie kann sich die Stadt erdreisten, ein Gelände als ihr Eigentum zu deklarieren. Die Bürger sind doch die Stadt, es müsste uns zur Verfügung stehen!“ Schlimmer finde Gronwald jedoch, dass die Stadt auf seine zweite Anfrage, in der er die Begründung der Verwaltung hinterfragt hat, überhaupt nicht mehr geantwortet habe. „Ich möchte einfach nur aufgeklärt werden. Ich finde es wirklich frech, einfach von jetzt auf gleich ein „Betreten-verboten-Schild“ an einen Ort zu setzen, an dem so viele Menschen spazieren gehen“, so Gronwald.
Er selbst gehe nicht mehr auf die Wiesen, Provokation wolle er nicht betreiben. Einen Lösungvorschlag für das Problem hat er aber: „Warum kann man nicht ein kleines bisschen für die Hundehalter tun? Wir würden uns mit einer kleinen, abgezäunten Fläche schon zufriedengeben, einfach einem Ort, an dem die Hunde frei laufen können.“

1974 ist Gronwald nach Pinneberg gezogen, „weil es so schön grün war. Im Laufe der Zeit wurde aber alles plattgemacht.“ So auch der Bolzplatz südlich der neuen Parkstadt. Dieser ist einem „sterilen Baumpark“ gewichen. Gronwald sagt: „Pinneberg baut am Bedarf vorbei. Der Bolzplatz war ein Treffpunkt für so viele Jugendliche. Sie kamen hierher und haben gespielt. Es lief alles ganz selbstverständlich. Jetzt sollen die Kinder auf den neuen Spielplatz gehen, der aber noch gar nicht fertig ist. Außerdem ist dort so weit ich weiß auch kein Platz für Fußballspiele. Letztendlich ist der Baumpark unnötig. Es geht doch fast niemand dort spazieren.“

Am meisten nerve Gronwald aber, dass der Park oft vermüllt sei: „Ich habe an Sommer- und Herbstabenden häufig Gruppen von Jugendlichen gesehen, die dort exzessiv Alkohol und andere Dinge konsumiert haben. Natürlich räumen sie selbst ihren Müll nicht weg.“ Die Funktion des Parks sei laut Gronwald so nicht nachvollziehbar.

Die Stadt weist die Kritik zurück: „Die Schilder sind aufgestellt worden, nachdem vorhandene Zäune nicht respektiert wurden. Es handelt sich in der Tat um naturschutzrechtliche Ausgleichsflächen und keine öffentliche Grünfläche“, erläutert Maren Uschkurat, Sprecherin der Stadt Pinneberg, auf Anfrage unserer Zeitung.

Die Stadt sei verpflichtet, für durchgeführte Eingriffe in Natur und Umwelt wie beispielsweise die Westumgehung funktionalen naturschutzrechtlichen Ausgleich zu schaffen. Die Flächen seien daher für eine extensive Grünlandnutzung mit strengen Auflagen an einen Landwirt verpachtet und auch eingezäunt worden. „Ziel ist es, nährstoffarme Grasflure zu schaffen, um anderenorts verdrängte Tiere und zerstörte Vegetation wieder zu entwickeln. Durch freilaufende Hunde sei leider die bedrohte und streng geschützte Heidelerche schon nicht mehr dort anzutreffen. Sollte das Entwicklungsziel nicht erreicht werden, könnte es passieren, dass die Stadt neue Flächen ankaufen und entsprechend entwickeln muss. „Deshalb nochmals der Appell, auf vorhandenen Wegen zu bleiben und ansonsten öffentliche Grünflächen zu nutzen“, so Uschkurat. Das Sport- und Erholungsgebiet An der Raa sei ja in unmittelbarer Nähe.



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