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Schulsanierung in Pinneberg : Stadt schlampt beim Brandschutz

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Planungsfehler bei der Sanierung an der Theodor-Heuss-Schule. Nagelneue Fenster müssen ausgetauscht werden. Bürgermeisterin bestellt externe Gutachter, um die Vorkommnisse zu klären.

shz.de von
erstellt am 12.Nov.2014 | 16:00 Uhr

Pinneberg | Matthias Beimel steht im ersten Geschoss der Theodor-Heuss-Schule. Der Direktor spricht mit Schülern, muss erklären, warum es Überlegungen gibt, nagelneue Fenster zu demontieren – und zuzumauern. Beimel erntet Fassungslosigkeit. An Pinnebergs Heuss-Schule wird das nächste Kapitel einer Pannen-Story geschrieben. Es geht um Sicherheit. Um Brandschutz. Und um offensichtliche Planungsfehler bei der Sanierung des Gymnasiums.

Laut Beimel beläuft sich der Investitionsstau allein beim Brandschutz aktuell „auf eine Million Euro, die wir sofort in die Hand nehmen müssten“. So fehle etwa im zweiten Obergeschoss ein zweiter Rettungsweg. Bei einem Feuer bliebe derzeit nur der Ausweg aufs Dach. Die Eltern seiner Schüler seien alarmiert. Sie fürchteten um die Unversehrtheit ihrer Kinder.

Bei der 2006 begonnenen Sanierung des Gymnasiums seien Vorgaben missachtet worden. „Man hat saniert, ohne den Brandschutz vernünftig zu bedenken“, sagt Beimel. Er spricht von einer „planerischen Fehlleistung“. Verantwortlich sei das Gebäudemanagement der Stadt, das zum fraglichen Zeitpunkt noch beim Bauamt angesiedelt war.

Seit Anfang 2013 ist der Kommunale Servicebetrieb für die Schulen zuständig. Dessen Chefin Silkata Sahin-Adu bestätigte Mittwoch, dass eine Architektin vorgeschlagen habe, Fenster zuzumauern. Das sei unter der Maßgabe geschehen, dass das finanziell leckgeschlagene Pinneberg Einsparpotenziale ausschöpfen müsse. Brandschutzfenster seien teuer, würden 45.000 Euro kosten. Mauern oder Sicherheitsglas? „Letztlich muss jetzt die Politik entscheiden“, so Sahin-Adu.

Die sanierte Fassade der Theodor-Heuss-Schule: Neu installierte Fenster müssen demontiert werden, um Brandschutz einzuhalten.
Die sanierte Fassade der Theodor-Heuss-Schule: Neu installierte Fenster müssen demontiert werden, um Brandschutz einzuhalten. (Foto: Daebeler)

Deren Vertreter konnten sich am Montag während einer Begehung einen Eindruck verschaffen. SPD-Landtagsmitglied Kai Vogel war einer der Besucher. Es sei traurig, dass bei der Sanierung der Heuss-Schule knappes Geld investiert worden sei, ohne zuvor vernünftig zu planen. „Da ist man schon enttäuscht, wenn man feststellt, dass die Stadtverwaltung uns so hinter die Fichte geführt hat.“ Die SPD werde Aufklärung verlangen. Dem Vorschlag, Fenster komplett durch Mauern zu ersetzen, könne seine Fraktion keinesfalls zustimmen. Der Kompromiss, bis auf Heizungshöhe zu mauern und im Sichtbereich in Brandschutzfenster zu investieren könne er allerdings zustimmen.

Diesen Kompromiss hält auch CDU-Ratsfrau Natalina Boenigk für einen gangbaren Weg. Aber sie fand auch deutliche Worte: „Wir deinstallieren hier neue Fenster, das ärgert mich.“ Die fragliche Brandschutzrichtlinie sei schließlich nicht neu. Boenigk spricht von „großen Fehlern“, die in der Bauverwaltung gemacht worden seien. „Da ist über Jahre unprofessionell gearbeitet worden.“ Es sei völlig unstrittig, dass der Stadt finanzieller Schaden entstanden sei. Das sieht Joachim Dreher (Grüne) nicht anders: „In der Vergangenheit sind viele Fehler gemacht worden, das muss aufgearbeitet werden.“

500.000 Euro für Brandschutzmaßnahmen vorgesehen

Bürgermeisterin Urte Steinberg wies darauf hin, dass 500.000 Euro für Brandschutzmaßnahmen an der Heuss-Schule in den Etat 2015 eingestellt worden seien. Zudem bestätigte die Rathauschefin, dass externe Gutachter eingeschaltet worden seien, um den mutmaßlichen Baupfusch aufzuarbeiten. „Ziel des Gutachtens ist ein umfassender Bericht über den Ablauf der Sanierungsmaßnahmen von Anfang 2006 bis Ende 2013“, so Steinberg. „Dabei sollen die Zuständigkeiten, die Verantwortlichkeiten, die Planungen, die Kosten und mögliche Versäumnisse begutachtet werden.“ Die Expertise solle Auskunft darüber geben, ob und in welcher Höhe ein Schaden für die Stadt entstanden sei. „Ich gehe davon aus, dass das Gutachten bis Anfang März 2015 vorliegt. Wir werden dann mögliche Konsequenzen ziehen und prüfen, wie wir uns künftig besser aufstellen können.“

Doch es gibt auch positive Nachrichten von der Heuss-Schule. Nach Jahren vergeblicher Appelle der Eltern und Schüler wird der Innenhof des Gymnasiums saniert. Beimel hofft auf Fertigstellung bis Dezember: „Die Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Servicebetrieb funktioniert bestens“, so der Schulleiter, der mit Blick auf die Diskussion um Brandschutzfenster sein Credo vernehmen lässt: Schule braucht Tageslicht.

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