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Gericht beendet Grabsch-Prozess : Staatsanwaltschaft zieht Berufungsantrag gegen Mann aus Quickborn zurück

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Itzehoe/Quickborn | Das Urteil im „Grabsch-Prozess“ ist rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe zog am Dienstag nach einer etwa viereinhalbstündigen Sitzung vor der Dritten Jugendkammer des Landgerichts Itzehoe den Antrag auf Berufung zurück. Demnach bleibt der vom Jugendschöffengericht Pinneberg Anfang April dieses Jahres gefällte Freispruch gegen einen in Quickborn lebenden Afghanen rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm zuvor vorgeworfen, am 20. Juli 2016 ein damals zehn Jahre altes Mädchen im Quickborner Freibad begrabscht zu haben. Der Angeklagte wies die Schuld von sich – sowohl während der Verhandlung vor dem Amtsgericht als auch gestern vor dem Landgericht.

„Ich habe das nicht getan“, sagte er laut vereidigter Dolmetscherin in seiner Heimatsprache und fügte an, dass es zwar im Bereich des Möglichen sei, dass er das Mädchen aus Versehen berührt habe, jedoch dann nicht absichtlich. Staatsanwältin Dagmar Staack begründete ihre Entscheidung nach mehreren, zum Teil widersprüchlichen Zeugenaussagen: „Die einzige Konstanz, die die Staatsanwaltschaft sieht, ist, dass es einen Griff an ihre Scheide gegeben hat.“ Doch wo und wie dies geschehen sein soll, sei nicht eindeutig zu klären gewesen. Und selbst wenn die Staatsanwaltschaft dies hätte nachweisen können, hätte noch der Beweis gefehlt, dass dieser Griff sexuell motiviert gewesen war, so Staack weiter. Am Ende ihrer knappen Ausführung sagte die Staatsanwältin: „Ich nehme die Berufung zurück.“

Vorangegangen war eine erneute Beweisaufnahme vor der Dritten Jugendkammer. Zunächst schilderte der Mann seine Erinnerung an den Nachmittag des 20. Juli. Anschließend sagte das Mädchen unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Daraufhin folgten die Aussagen eines mit dem Mädchen befreundeten Jungen, der sich damals ebenfalls im Freibad aufhielt, und die eines Polizeiobermeisters. Zum Abschluss verlas die Vorsitzende Richterin Isabell Hildebrandt die 45 Seiten umfassende Zeugenaussage, die das Mädchen am 21. Juli 2016 bei der Kriminalpolizei Pinneberg zu Protokoll gegeben hatte. Danach war klar, dass es Zweifel am vermeintlichen Tathergang gab, da die Aussagen mehrmals voneinander abwichen: Mal habe der Mann das Mädchen berührt, als es auf eine Leiter zugeschwommen sei, mal, als es bereits die Hände an der Leiter gehabt habe, um das Schwimmerbecken zu verlassen. Mal sei der Mann, der sich in Begleitung von drei Freunden befunden haben soll, allein gewesen, mal mit einer Gruppe von fünf bis sechs Männern, mit denen er sich in gutem Deutsch verständigt habe.

Es drehte sich also um die Kernfrage, wie konstant die Zeugenaussagen waren. Die Vorsitzende Richterin kam zu dem Ergebnis: „Es hapert erheblich bei der Konstanzprüfung.“ Das sah schließlich auch die Staatsanwältin so und zog die Berufung zurück.

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erstellt am 09.Aug.2017 | 14:00 Uhr

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