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Betreibersuche für den Ruheforst : Springt jetzt die Gemeinde Kummerfeld ein?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Zukunft des Vorhabens im Kummerfelder Gehege ist derzeit unsicher. Es fehlt ein Betreiber.

shz.de von
erstellt am 06.Nov.2015 | 14:15 Uhr

Kummerfeld | Ruheforst, oder kein Ruheforst? Das Vorhaben im Kummerfelder Gehege steht auf der Kippe. Zumindest ist derzeit nicht klar, wer die letzte Ruhestätte mitten im Wald unter Bäumen betreiben soll. Eins ist klar: Die Kirchengemeinde ist raus. Bernd Andresen, Pastor der evangelisch-lutherischen Osterkirchengemeinde in Kummerfeld, erklärte auf Anfrage, dass der zuständige Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein dem Vorhaben nicht zugestimmt hat. „Wir haben keine kirchenrechtliche Genehmigung bekommen und können die Trägerschaft daher nicht übernehmen“, sagte Andresen.

Bisher sah der Plan so aus, dass die Landesforsten, denen das Areal gehört, das Gebiet zur Verfügung stellt, die Kirchengemeinde sollte Betreiber sein. Zudem ist der Franchisenehmer Ruheforst beteiligt. Der Teufel liegt nun im Detail. Wie Andresen erläutert, wollte die Kirchengemeinde die Verwaltungsaufgaben an den Besitzer des Waldes, den Landesforsten Schleswig-Holstein übertragen. Das ist kirchenrechtlich seit der Fusion der kleineren Kirchenkreise im Jahr 2009 durch rechtliche Änderungen aber nicht mehr möglich. Da der Kirchenkreis der Kirchengemeinde signalisiert hatte, dass der Antrag nicht bewilligt werden würde, zog die Kirche den Antrag für eine mögliche Kooperation zurück, so Andresen.

In Glücksburg gibt es bereits einen Ruheforst in ähnlicher Konstellation. Der enstand aber bereits vor der Fusion der Kirchenkreise und unterliegt nicht den neuen Regelungen. „Wir waren davon ausgegangen, dass bei uns der gleiche Fall vorliegt“, sagte der Pastor. Allein an den rechtlichen Voraussetzung ist die Trägerschaft aber nicht gescheitert. Dazu kommt die Kritik seitens einiger Kirchengemeinden, die mit brachliegenden Flächen auf ihren Friedhöfen zu kämpfen haben und Ruhestätten im Wald als Konkurrenz ansehen. „Auf Hamburger Friedhöfen sind viele Flächen frei, müssen aber bewirtschaftet werden“, berichtet Andresen. „All diese Bausteine tragen dazu bei, dass die Situation so ist, wie sie ist.“ Heißt: Dass die Erlaubnis seitens des Kirchenkreises auch deshalb nicht erteilt wurde.

Andresen bereue den Schritt jedoch nicht, sich für eine Trägerschaft eingesetzt zu haben. „Wir haben ja alles versucht. Es war auf jeden Fall keine vertane Zeit. Ich habe viel gelernt über das Bestattungswesen.“ Dennoch habe es ihm durchaus Bauchschmerzen bereitet, mit dem Franchisenehmer Ruheforst zu kooperieren. Ihm sei bewusst, dass kirchliche Friedhöfe dadurch geschädigt würden. Man müsse allerdings auf die Nachfrage nach alternativen Bestattungsformen reagieren, so Andresen. Die Landesforsten sind nun an die Gemeinde herangetreten, ob sie die Trägerschaft übernehmen will. Bürgermeisterin Erika Koll ist sich dessen noch nicht sicher. Noch lägen nicht alle Informationen vor. „Wir werden das in den Gremien beraten. Die Situation hat sich für uns aber schon geändert.“

Es gab bereits ein Gespräch zwischen den Fraktionsvorsitzenden, den Zuständigen von den Landesforsten und der Bürgermeisterin. Klaus-Dieter Schmidt, zuständiger Projektleiter bei den Landesforsten, will sich weiter für die alternative Bestattungsform in Kummerfeld einsetzen. „Die Fraktionsvorsitzenden haben grundsätzliches Interesse signalisiert“, sagte Schmidt. Ungewöhnlich wäre die Konstellation mit der Kommune als Träger nicht. Es gibt laut Schmidt an 61    Stellen einen Ruheforst. Bei den meisten sei die Gemeinde oder Stadt der Träger. Die Landesforsten seien aber bewusst zunächst an die Kirchengemeinde herangetreten, um nicht „gegen die Kirche“ zu agieren. Die Beisetzungen sollen nach den derzeitigen Plänen weiterhin die Kirchengemeinde in Kummerfeld durchführen. Zunächst ist für den Ruheforst ein Gebiet von dreieinhalb Hektar vorgesehen. Die Politik will sich laut Koll Anfang des Jahres mit dem Thema beschäftigen und über eine mögliche Trägerschaft entscheiden.

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