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Pinneberger Tageblatt

18. August 2017 | 05:25 Uhr

Pinneberg : Sprachzeugnisse für Zuwanderer

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Volkshochschule und der Diakonieverein Migration verleihen Sprachzeugnisse an Zuwanderer. Erfolgreiche Kooperation seit zehn Jahren.

Pinneberg | Zuwanderungsgesetz. Zertifizierung. Aufenthaltsstatus. Deutsche Bürokratensprache, so trocken, dass es staubt. Wenn VHS und Diakonieverein Migration den Absolventen der Deutschkurse ihre Zeugnisse verleihen, dann werden natürlich auch solche Vokabeln benutzt. Doch wenn – beispielsweise – Kursleiterin Ingen Brundtland an die Zeit mit ihren Schülern erinnert, dann wird jedem Beobachter klar, dass es vor allem um Menschen geht. Um Individuen mit ganz unterschiedlichen, oft dramatischen Lebenswegen, die sie schließlich nach Pinneberg geführt haben.

„Ich weiß, dass Sie sich oft einsam fühlen“, sagte Brundtland bei der Feier in den Räumen der VHS. „Ich weiß, wie schwer es für Sie war, ihre Heimat zu verlassen.“ Damit die Neubürger in der Kreisstadt eine zweite Heimat finden können, müssen sie Deutsch beherrschen. Dies machte auch Bürgervorsteherin Natalina Boenigk klar, die den Absolventen ihre Zeugnisse überreichte: „Ohne Sprache können Sie in einem fremden Land überhaupt nichts machen – dann sind Sie isoliert und leben wie auf einer einsamen Insel.“ Um so größer war die Hochachtung, welche die CDU-Politikerin den Einwanderern entgegenbrachte. Sie betonte auch: „Wir freuen uns über jeden Menschen, der neu nach Pinneberg kommt.“

Die Teilnehmer der Kurse stammen aus Afghanistan ebenso wie Ägypten, aus Bulgarien, Benin oder aus Pakistan. Insgesamt haben sie 600 Stunden Deutsch gelernt. Am Ende steht die Abschlussprüfung, mit der das Zertifikat der Stufe B1 erlangt werden kann Damit sollen sich die Absolventen bereits im Alltag zurechtfinden können, Konten eröffnen und Behördengänge erledigen. „Das ist ein ehrgeiziges Ziel für 600 Stunden Unterricht“, betont Silke Reher-Rose von der VHS Pinneberg. Wer die Abschlussprüfung nicht besteht, kann daher immer noch ein Ergebnis für die niedrigere Stufe A2 erhalten.

Eine Besonderheit in Pinneberg ist die intensive Kooperation zwischen VHS und Diakonieverein Migration. Die beiden Einrichtungen arbeiten zusammen, seit 2004 das Zuwanderungsgesetz verabschiedet wurde. Seitdem haben Migranten ein Anrecht auf einen Sprachkurs. „Wir versuchen den Einwandererm einen auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Kursus zu organisieren – und das möglichst schnell“, sagte Reher-Rose. Vor zehn Jahren hätten zunächst viele Einwanderer, die schon lange in Deutschland lebten, die Gelegenheit genutzt, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Mittlerweile seien es vor allem Neuankömmlinge. Reher-Rose: „Darunter viele junge Leute aus Spanien oder Italien und natürlich Flüchtlinge aus Krisengebieten.“

Eine davon ist Alaa Alabed Alziab. Die 33-Jährige Syrerin ist vor dem Bürgerkrieg aus ihrem Heimatland geflohen. Noch hofft die zweifache Mutter auf eine Rückkehr. Für den Fall, dass sich die Situation aber nicht stabilisiert, arbeitet sie hart für ihre Zukunft in Deutschland. In Damaskus war sie als Apothekerin beschäftigt. Die gute Nachricht: Dieser Abschluss wird in Deutschland anerkannt. Doch Alabed Alziab benötigt Sprachkenntnisse auf dem fortgeschrittenen Niveau C1. Für die Syrerin ist klar: Sie will weiterlernen.

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erstellt am 01.Okt.2014 | 14:29 Uhr

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