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Kreis Pinneberg : Sprachvorreiter Schleswig-Holstein

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Volkshochschulen bieten diverse Kurse für Flüchtlingen an. Jetzt droht ein Dozentenmangel. Der Bund soll mehr Unterstützung leisten.

Kreis Pinneberg | Beim Spracherwerb für Flüchtlinge sei Schleswig-Holstein deutschlandweit ein Vorbild, sagte Wolfgang Domeyer, Leiter der Volkskhochschule (VHS) Pinneberg und Vorsitzender der Volkshochschulen in Schleswig-Holstein, gestern. Das Land habe verstanden, dass Sprachkenntnisse für Migranten notwendig seien, um an der Gesellschaft teilhaben zu können. Deshalb gebe es bereits jetzt sogenannte Willkommenskurse in einigen Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes. Aber auch für Flüchtlinge, die bereits den Kommunen zugewiesen wurden, wird ein breit gefächertes Angebot, Deutsch zu lernen, dargelegt.

Die bestehenden Integrationskurse halte Domeyer für sehr effektiv. „Ein neues System zu entwickeln, würde ich falsch finden“, sagte er. Mit der steigenden Flüchtlingszahl kämen aber neue Herausforderungen, bei denen Unterstützung gefordert sei: Im Gegensatz zu anderen VHS-Kursen finde der Unterricht für Flüchtlinge oft ganztags statt – dafür benötige man sowohl Räume als auch Personal. Und Geld. „Der Bund hat die Mittel dafür im kommenden Jahr bereits von 250 auf 500 Millionen Euro aufgestockt“, sagte Ernst Dieter Rossmann (SPD), Bundestagsmitglied aus Elmshorn und Vorsitzender der Volkshochschulen in Deutschland.

Er hoffe jedoch, dass noch mehr Geld zur Verfügung gestellt werde, denn die Verdopplung sei darauf zurückzuführen, dass der Bund mit doppelt so vielen Teilnehmern rechne. „Wir möchten aber auch, dass die Dozenten höher vergütet werden. Derzeit wird von einem Mindeststundensatz von 20 Euro ausgegangen“, sagte Rossmann gegenüber dieser Zeitung. Das sei für qualifiziertes Personal zu wenig. Dohmeyer warnte sogar, dass es bei den Sprachdozenten demnächst zu einem Fachkräftemangel kommen könnte. Es sei nötig, Anreize zu schaffen.

Silke Reher-Rose, die an der VHS Pinneberg für die Sprachkurse zuständig ist, berichtete von den besonderen Anforderungen der Flüchtlinge. So könnten viele zwar lesen, allerdings keine lateinischen Buchstaben. Deshalb gebe es inzwischen auch Alphabetisierungskurse, sagte Reher-Rose. Zudem seien einige Flüchtlinge traumatisiert. Die Dozenten müssten jetzt lernen, damit umzugehen.

SPRACHKURSE Vom ersten Wort bis zur Arbeit

Willkommenskurse mit 30 Unterrichtsstunden werden bereits in Erstaufnahmeeinrichtungen angeboten. Das Starterpaket für Flüchtlinge (Staff) beinhaltet 100 Stunden und richtete sich an diejenigen, die noch nicht zum Integrationskursus mit in Summe 660 Stunden zugelassen sind. Zudem gibt es sechsmonatige Kurse zur Berufsorientierung, die einen Umfang von bis zu 730 Stunden haben und neben dem Sprachunterricht unter anderem auch ein zweiwöchiges Praktikum beinhalten.

 
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erstellt am 11.Dez.2015 | 15:40 Uhr

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