Tornesch : Sprachpaten für Gäste gesucht

Trubel im Stadtteilbüro: VHS-Chefin Inga Pleines (hintere Reihe, von rechts), Sabine Kählert vom Amt für soziale Dienste und Bürgermeister Roland Krügel zu Besuch beim Deutschkursus der Asylbewerber. Sitzend in der Mitte die vier Dozenten Verena Fischer-Neumann (v. l.), Ingrid Giogli-Linke, Anja Sandleben und Mahdi Habibpur.
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Trubel im Stadtteilbüro: VHS-Chefin Inga Pleines (hintere Reihe, von rechts), Sabine Kählert vom Amt für soziale Dienste und Bürgermeister Roland Krügel zu Besuch beim Deutschkursus der Asylbewerber. Sitzend in der Mitte die vier Dozenten Verena Fischer-Neumann (v. l.), Ingrid Giogli-Linke, Anja Sandleben und Mahdi Habibpur.

Asylbewerber lernen Deutsch im Tornescher Stadtteilbüro. Mittwoch gibt es ein „interkulturelles Café“ in der Pommernstraße.

shz.de von
03. Juni 2014, 12:00 Uhr

Tornesch | Richtig eingeweiht ist das neue Stadtteilbüro an der Pommernstraße noch nicht, aber dort ist schon allerhand los. Allein vier Stunden pro Werktag gibt es hier Deutschunterricht für Asylbewerber. In zwei Kursen drücken insgesamt 30 Männer und Frauen die Schulbank, Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Iran und anderen Krisengebieten der Welt, die in Tornesch und Moorrege eine erste provisorische Bleibe gefunden haben.

Werden sie nach den hundert Unterrichtsstunden des Programms genügend Sprachkenntnisse haben, um im Alltag einigermaßen zurechtzukommen? Daran haben die drei Dozentinnen Verena Fischer-Neumann, Ingrid Giogli-Linke und Anja Sandleben sowie Mahdi Habibpur als einziger Mann im Team nicht den mindesten Zweifel: „So motivierte Studenten finden sich sonst nirgends“, begeistern sich die Deutschlehrer. Hinzu komme, dass viele der Asylbewerber gebildete Leute mit beruflichen Qualifikationen oder auch mit Studienabschlüssen seien. „Die haben Ehrgeiz, die wollen zeigen, wer sie sind und was sie können“, betonen die Dozenten. Am liebsten würden sie arbeiten und Geld verdienen, aber das dürfen sie bis auf Weiteres nicht.

Dass sie wenigstens schon mal die Sprache ihres Gastgeberlandes lernen können, verdanken sie einer gemeinsamen Initiative der Stadt Tornesch und der Volkshochschule Tornesch-Uetersen, der sich auch die Gemeinde Moorrege angeschlossen hat. „Dies ist eine freiwillige Leistung“, stellte Bürgermeister Roland Krügel bei einem Besuch des Deutschkursus klar. Eigentlich sei das Land dafür zuständig, aber in Kiel fehle das nötige Problembewusstsein, tadelte der Rathauschef. So bleibe eben alles an den Kommunen hängen. Tornesch allein versorge 170 Flüchtlinge mit allem, was sie zum Leben brauchten.

100 Stunden reichen nicht, um wirklich fundierte Sprachkenntnisse zu erwerben, machte VHS-Chefin Inga Pleines klar. Sie hoffe darauf, dass den Kursusteilnehmern Zugang zu Anschlussprogrammen ermöglicht werde. Darüber hinaus sucht sie für die Studierenden „Sprachpaten“ aus der einheimischen Bevölkerung, Menschen aus Tornesch, Uetersen und Moorrege, die Lust haben, sich mit den Asylbewerbern zu treffen. Das sei ein guter Beitrag zur Integration und für beide Seiten sehr bereichernd, ist Pleines sich sicher.

Zum gegenseitigen Kennenlernen bieten die Stadt und die VHS am Mittwoch, 4. Juni, in den Räumen des neuen Stadtteilbüros, Pommernstraße 99, ein „interkulturelles Café“ an. Von 15.30 bis 17 Uhr können Asylbewerber und Deutsche hier „klönen“. Wenn es mit der Verständigung mal nicht weitergeht, wird Dolmetscher Mahdi Habibpur hilfsbereit in die Bresche springen.

Wer Interesse hat an dem Sprachpatenprogramm kann sich an die Volkshochschule Tornesch-Uetersen wenden. Interessierte erhalten Informationen unter der Telefonnummer 04122-401540.
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