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Pinneberger Tageblatt

26. September 2017 | 02:27 Uhr

Sprachkurse für Migranten gestoppt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Empörung bei Volkshochschulen: Berufsbezogene Förderung liegt auf Eis / Bundesministerium kündigt jetzt zusätzliches Geld an

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2014 | 16:00 Uhr

Empörung macht sich breit unter den Leitern der Volkshochschulen in Pinneberg und Elmshorn, Wolfgang Domeyer und Karen Wurr-Feldmann. Grund dafür ist der Bewilligungsstopp für Kurse zur berufsbezogenen Sprachförderung von Migranten. Das sind sechsmonatige kostenlose Vollzeitkurse, in denen Sprach- und EDV-Kenntnisse vermittelt sowie ein Bewerbungstraining und ein vierwöchiges Praktikum absolviert werden, um die Berufschancen zu verbessern.

Laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) sei die Förderperiode des Programms, das mit Geld des Europäischen Sozialfonds (EFS) finanziert wurde, bereits Ende 2013 ausgelaufen und 2014 zunächst mit Mitteln des BMAS fortgesetzt worden. Zirka 230 Millionen Euro seien seit 2007 in die Sprachkurse geflossen.

Wie Domeyer berichtete, habe man den Trägern der Kurse Anfang des Jahres eine Förderung und damit Planungssicherheit bis September 2014 zugesagt. Dann die böse Überraschung für Domeyer und Wurr-Feldmann: Am 1. April habe man ihnen mitgeteilt, dass nur die Kurse starten können, die bis zum 31. März beantragt worden waren. Im Mai startet nun der vorerst letzte Kursus in Elmhorn mit 20 Teilnehmern.

In Schleswig-Holstein stehen zirka 500 Interessenten auf den Wartelisten der 19 Sprachkursträger, im Kreis Pinneberg musste 20 Migranten abgesagt werden. Eine Fortführung des Programms sei nach Informationen von Domeyer und Wurr-Feldmann erst für 2015 geplant. Sie sagen, dass auch die Verträge der hochqualifizierten Dozenten vorerst nicht verlängert werden könnten sowie die gewachsenen Strukturen der Zusammenarbeit von Verwaltung, Jobcenter und Agentur für Arbeit unter dem Bewilligungsstopp litten.


Erfolgreiche Maßnahme für Integration


Die Träger hätten Appelle an die schleswig-holsteinischen Bundestagsabgeordneten und die Landesregierung gerichtet. Der Förderstopp machte bundesweit Schlagzeilen. Wie Domeyer berichtet, hatten in den vergangenen Jahren im Kreis Pinneberg mehr als 200 Teilnehmer an insgesamt zehn solcher Kurse der Volkshochschulen Pinneberg und Elmshorn teilgenommen. Diese Kurse bauen auf den normalen Sprachunterricht für Migranten auf. Laut einer Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge haben 46 Prozent der Teilnehmer eine anschließende berufliche Perspektive. „Die Teilnehmer sind sehr motiviert. Es ist eine sehr erfolgreiche Maßnahme, die Integration nach vorn bringt“, bestätigt Domeyer. „ Kursabbrecher gibt es nicht. Es geht dabei um Lebensperspektiven“, verdeutlicht Wurr-Feldmann. Unter den Teilnehmern habe es sowohl den Opernsänger aus der Ukraine, die Architektin aus Polen, den Ingenieur aus dem Iran, als auch viele Menschen ohne Berufsausbildung zwischen 20 und 30 Jahren gegeben. Ein Lichtblick zeichnet sich am Bildungshorizont ab: Auf Anfrage dieser Zeitung hieß es seitens des BMAS gestern, dass es dem Ministerium jetzt gelungen sei, zusätzliche Fördermittel des Europäischen Sozialfonds für eine Fortführung des Programms noch bis Ende 2014 sowie Neuanträge wieder zu ermöglichen. Einzelheiten müssten jedoch noch geklärt werden.

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