Gaucks Geschenk an die Queen : Spott und Häme für das Bild aus Wedel

Ein Bild für die Queen: Mit dem bunten Ross vor blauem Grund hatte sich Nicole Leidenfrost ursprünglich für den Auftrag des Bundespräsidialamts bewerben wollen.
Ein Bild für die Queen: Mit dem bunten Ross vor blauem Grund hatte sich Nicole Leidenfrost ursprünglich für den Auftrag des Bundespräsidialamts bewerben wollen.

Britischer Kunstkritiker bezeichnet Geschenk für die Queen als grotesken Kitsch. Urteil lässt Wedeler Künstlerin Nicole Leidenfrost kalt.

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26. Juni 2015, 13:15 Uhr

Wedel/Berlin | Nicole Leidenfrost schläft schlecht in der Nacht zu Donnerstag. Eigentlich will die Wedelerin am Morgen einfach mal liegenbleiben. Doch um 8.03 Uhr klingelt zum ersten mal das Telefon: Eine Fernsehstation will ein Interview. Danach gibt es keine Ruhe mehr. Bis 13 Uhr melden sich die Reporter zweier Fernsehsender, zweier Klatschmagazine, zweier Radiostationen, einer überregionalen Tageszeitungen und der größten deutschen Boulevardzeitung.

Leidenfrost hat ein Bild gemalt. Ein Bild für die Queen. Es zeigt Königin Elizabeth II. als kleines Mädchen auf einem Pony. Daneben steht ihr Vater, George VI. Das Pony ist blau. König George ist gelb. Am Mittwoch überreichte Bundespräsident Joachim Gauck das Gemälde an Ihre Majestät, die zum Staatsbesuch in Berlin weilte. Doch die Queen zeigte sich nur bedingt erfreut.

 „Soll das mein Vater sein?“, fragte sie. „Erkennst du ihn nicht“, erwiderte ihr Mann, Prinz Philip. Von der Queen kam nur ein trockenes „Nein“. Das Urteil über die blaue Farbe des Ponys: „strange“. Das lässt sich mit „komisch“ oder „befremdlich“ übersetzen. Gauck versuchte, die Situation zu retten. „Wenn Ihr es nicht mögt, nehmt das Marzipan“, sagte er mit Hinweis auf edle Süßigkeiten Lübecker Produktion. Zu sehen ist die Szene in einem Video, das die englische Tageszeitung „The Daily Telegraph“ auf ihrer Internetseite www.telegraph.co.uk veröffentlicht hat.

Wesentlich deutlicher als die Königin sind die Autoren britischer Medien. Kunstkritiker Mark Hudson bezeichnet das Bild auf telegraph.co.uk als „grotesken Kitsch“. Leidenfrosts übrige Werke seien eine Mischung aus falsch kopierter naiver Pinselführung und kommerziell glattgebügelter Pop Art. Mit dem epochalen deutschen Expressionismus habe das nicht das Geringste zu tun.

Als Nicole Leidenfrost die Tür zu ihrer Galerie in Hamburg-Othmarschen öffnet, grüßt sie mit leicht heiserer Stimme. „Ich habe mit Reaktionen gerechnet. Aber dass sie so intensiv ausfallen, hat mich überrascht“, sagt sie. An den Wänden hängen Gemälde in knalligen Farben. Gelb, Rot, Orange, Pink, Türkis dominieren. Warum ist das Pony blau? „Es ist royalblau. Die königliche Farbe. Sie hat auch in Deutschland Symbolcharakter“, sagt Leidenfrost und erinnert an die blauen Pferde des deutschen Expressionisten Franz Marc.

Pferd in Royalblau: So heißt das Gemälde für Königin Elisabeth II. Britische Medien haben wenig dafür übrig. (Foto: dpa)
Pferd in Royalblau: So heißt das Gemälde für Königin Elisabeth II. Britische Medien haben wenig dafür übrig. (Foto: dpa)
 

Leidenfrost beherrscht das Marketing. Ihre Antworten kommen ohne Zögern. Sie hat sie an diesem Tag schon häufig gegeben. Sie wiederholen sich. „Ich bin seit 20 Jahren im Kunstgeschäft“, sagt sie mindestens dreimal. Deswegen treffe sie auch die harsche Kritik an ihrem Bild nicht. „Kunst ist sehr individuell. Kunst ist meinungsbildend. Ich stehe darüber“, sagt die 41-Jährige. Die Reaktion der Queen deute sie ganz anders. „Sie hat Freude gezeigt. Mein Ziel war erreicht.“ Zu den Äußerungen Ihrer Majestät sagt Leidenfrost: „Sie hat das mit einem Augenzwinkern gesagt. Alles ist gut.“

Leidenfrost ist keine Künstlerin von Weltrang. Ihre Werke kosten zwischen 550 und 3750 Euro, wie auf ihrer Internestseite zu erfahren ist. Eine Frage, die sich viele stellen: Wie kommt sie dazu, der Queen ein Bild zu malen? Leidenfrost fertigt Kunstkarten, postkartengroße Drucke ihrer Gemälde. „Ich wurde mal gefragt, ob ich mich damit an einer Charity-Aktion beteiligen wolle.

Am Rande einer Veranstaltung dazu habe ich von einer Liste des Bundespräsidialamts gehört, auf der Künstler vermerkt sind, die für die Anfertigung von Geschenken an Staatsgäste in Frage kommen“, erinnert sich die Wedelerin. Also bewarb sie sich. Und wurde gelistet. Dann kam die Anfrage nach Vorschlägen für ein königliches Präsent. Erst sollte es das hochformatige Bild eines Pferdes sein. Doch dann nahm sich Leidenfrost vor, es persönlicher zu gestalten. Im Internet entdeckte sie das Foto der jungen Elizabeth mit ihrem Vater aus dem Jahr 1930. Ihr Werk überzeugt im Bundespräsidialamt. „Mein Bild wurde tatsächlich ausgewählt. Damit hatte ich nicht gerechnet.“

Reaktionen der Royals habe sie bisher nicht bekommen. Was wohl mit dem Bild geschieht? Leidenfrost sagt: „Ich habe keine Ahnung. Vielleicht verschwindet es in einem Keller und taucht irgendwann bei Sotheby’s wieder auf.“

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