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Pinneberger Tageblatt

22. August 2017 | 21:22 Uhr

"Sportis": Staben entschuldigt sich

vom

Pinneberg | Es ist Donnerstagabend, 19.10 Uhr. Dieter Staben hat eine Aktentasche unterm Arm, als er das Vereinsheim der Sportfreunde Pinneberg betritt. Der Mann, der jahrelang eine schwarze Vereinskasse geführt hat. Staben ist gekommen, sein Handeln zu erklären. Und er ist gekommen, um sich zu entschuldigen.

Als die Sitzung endet, haben die "Sportis", deren Chefin Petra Springer im Juni wegen der finanziellen Unregelmäßigkeiten zurückgetreten war, wieder einen handlungsfähigen Vorstand. Der erste Schritt zur Rettung des Vereins. Und ein Schlussstrich unter den Finanzskandal, wie der neue Clubboss hofft. Der heißt Bernd Röding, ist von Beruf Experte für Vereinsrecht. Und er schätzt klare Ansagen. Schon bevor Staben zu Wort kommt, wird das klar. "Ich dulde keine Polemik, keine Anschuldigungen, werde zur Not von meinem Hausrecht Gebrauch machen", sagt Röding. Das sitzt.

Als Staben zu seiner Erklärung ansetzt, herrscht unter den etwa 20 Mitgliedern am Tisch gespannte Stille. Der Ex-Finanzvorstand räumt ein, seit 2010 etwa 1400 Euro an der Steuer vorbeilanciert zu haben. Diese Schulden beim Finanzamt habe er mittlerweile beglichen. "Ich bedaure meinen Fehler und entschuldige mich in aller Form", sagt Staben. Die Entscheidung, eine Nebenkasse zu führen, habe er jedoch keineswegs allein gefällt. Vorstandskollege Harri Nievindt sei eingeweiht gewesen. Staben: "Das war ein Vier-Augen-Beschluss."

Eine Anschuldigung, die Nievindt gestern so nicht stehen lassen wollte: "Ich wusste nichts von der schwarzen Kasse, es gab kein Vier-Augen-Gespräch." Staben habe ihm nie Einblick in die Finanzen gewährt: "Der hat doch immer alles allein gemacht."

Bernd Röding macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. Er spricht Staben direkt an: "Ein dummer Fehler von Dir." Röding bringt mit Gerhard Rakus ein langjähriges Vereinsmitglied als stellvertretenden Vorsitzenden mit. Die Finanzen wird Michael Schumacher übernehmen. Cheftrainer Andreas Marten bleibt für den sportlichen Bereich verantwortlich. Röding will jetzt vor allem eines - nach vorn schauen. "Wir wollen der Stadtteilclub für Pinnebergs Norden sein", sagt er. Vor allem die Nachwuchsarbeit solle intensiviert werden: "Wir setzen auf kurze Wege für Jugendliche." Für die Zukunft sei zudem geplant, die Vereinssatzung zu überarbeiten.

Dieter Staben hört sich das alles ruhig an. Er stimmt sogar für den neuen Vorstand. "Das ist mein Verein", sagt er nach der Sitzung. Er werde auf jeden Fall Mitglied bleiben. Mit Röding habe er in den vergangenen Wochen sogar "administrativ" zusammengearbeitet.

Nievindt und die Ex-Vorsitzende Springer müssen an diesem Abend auf einen Handschlag verzichten. "Das Tischtuch ist zerschnitten", so Staben. Springer wirft er vor, sich "aus dem Staub gemacht" zu haben. Die zurückgetretene Vorsitzende, die im Namen des Vereins Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung erstattet hat, verzichtet unter Hinweis auf das laufende Verfahren auf Gegenattacken. Sie sagt nur: "Ich musste persönliche Konsequenzen ziehen."

Röding will sich zeitnah mit dem Finanzamt Itzehoe in Verbindung setzen. Zudem gehe es darum, wieder Zugriff auf die eingefrorenen Vereinskonten zu erlangen. Der neue starke Mann bei den "Sportis" fürchtet nicht, dass dem Verein die Gemeinnützigkeit aberkannt wird. "Wir haben das überstanden", sagt er. "Die Sportfreunde sind am Leben."

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erstellt am 10.Aug.2013 | 03:14 Uhr

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