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Halstenbek : Spender für Radwerkstatt gesucht

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Im Jugendzentrum JubA 23 wird Integrationskultur bei der Flüchtlingsarbeit gelebt. „Zahlreiche Freundschaften entstanden“.

Halstenbek | Gernot Osburg untersucht einen Fahrradschlauch. Neben dem begabten Hobby-Schrauber wechselt Taleb Al Homsi aus Syrien eine Kette. Osburg und Al Homsi gehören zu einem Team von sechs Männern der Halstenbeker Fahrradwerkstatt. Gemeinsam reparieren sie im JubA  23 in der Bahnhofstraße 22 in Halstenbek Räder für Flüchtlinge. „Die Anfrage ist enorm“, so Initiator Juan Pablo Serra. Serra hatte die Werkstatt vor neun Monaten ins Leben gerufen. Für Osburg kam die Initialzündung während einer Ratssitzung: „Es ging um das Thema Flüchtlinge. Ich bekam Lust, mich zu engagieren.“

Der Grünen-Ratsherr Jürgen Malke sowie Osburg als weitere Mitstreiter fanden sich schnell. Später gesellte sich Rainer Bornholdt zum Team. Die Menschen freuen sich sehr, ein Fahrrad zu bekommen. Das Team überreichte erst jüngst ein Fahrrad an eine junge etwa 25 Jahre alte Iranerin. Sie lernte vor der Fahrradwerkstatt das Radfahren. „Irgendwann konnte sie es“, erklärt Malke. Es habe auf ihn gewirkt, als habe sie „ein Stück Freiheit pur gewonnen“ und einen Schub fürs Selbstbewusstsein bekommen.

Eine andere Frau hingegen habe sich geweigert, aufs Rad zu steigen, weil es in ihrem Heimatland als verpönt gelte. Malke: „Einige Menschen müssen noch lernen, sich zurechtzufinden.“

Die Ehrenamtler tüftelten zu anfangs zwei Monate zuhause, bis sie ihr Konzept änderten. „Wir fanden es unbefriedigend, die Flüchtlinge nicht kennenzulernen“, so Unternehmer Serra. Die Gemeinde stellte den Schraubern eigene Räume im JubA23 bereit. Serra und das Team begannen, die Betroffenen bei der Arbeit zu integrieren. Die jugendlichen Flüchtlinge nutzen im Jugendbahnhof Sportmöglichkeiten wie Billard. Das Team hofft auf Treffen von Jugendlichen unterschiedlicher Nationalitäten und regen Austausch, um Vorurteile abzubauen.

Menschen freuen sich über eine Aufgabe

„Wir erwarten, dass die Asylbewerber beim Reparieren der Räder helfen“, erläutert Malke. Die Fahrradwerkstatt sei keine Servicestation. Die Menschen freuten sich, eine Aufgabe zu haben. In der Station gibt es einen festen Kern von Helfern. „Es sind Freundschaften entstanden“, freut sich Initiator Serra. Er sei froh, auf diese Weise „tolle Menschen kennengelernt zu haben“. Der Unternehmer selbst floh mit seiner Familie vor 40 Jahren aus Chile. Er kann die Lage der Betroffenen nachempfinden.

Das Team arbeitet mit einem geringen Budget von 100 Euro pro Monat. „Das ist sehr wenig, davon können wir noch nicht mal Schlösser kaufen“, bedauert Serra. Er freut sich deshalb „außerordentlich“ über großzügige Spenden der Halstenbeker, darunter der Polizei. Doch die Tüfftler benötigen noch mehr Unterstützung. Dazu gehörten außer Fahrrad-Spenden das erforderliche Zubehör: Felgen, Kleinteile, Kindersitze, Laufräder, Helme, Akku-Schrauber mit Bohrsatz und weiteres Werkzeug. Darüber hinaus benötigen sie einen abschließbaren Werkzeugwagen.

Das Team kann sich nur um Räder kümmern, an denen kleine Eingriffe erforderlich sind. „Wir sind keine Mechaniker“, so Malke. Beispielsweise werden keine Fahrradschaltung und -lager repariert. Die Werkstatt öffnet ihre Türen donnerstags von 16 bis 18 Uhr.

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erstellt am 10.Sep.2015 | 16:00 Uhr

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