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Kampf mit den Behörden : Spenden aus Schenefeld für Nepal kommen nicht an

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Das Glücksgriff-Team kann die gesammelten Hilfsgüter nicht übergeben. Flüge wurden storniert.

Schenefeld | 300 Regenjacken, 50 Krücken, zwölf Kartons Verbandsmaterial, fünf Fässer Schuhe  und  Kinderbekleidung. Dazu viele weitere gespendete Utensilien aus Schenefeld, die dringend in den Krisengebieten  Nepals gebraucht werden. All das liegt derzeit in einem Container im indischen Kalkutta fest. Der Grund: Probleme mit den Behörden. Der Verein Glücksgriff hatte die Hilfsgüter gesammelt. Glücksgriff-Chefin Ingrid Pöhland, Kassenwartin Birgit Peters und John Tamang wollten den Container eigentlich übergeben, haben aber jetzt ihre Flüge storniert. Ihre Reise müssen sie verschieben. Dies teilten sie gestern mit.

Empfänger des Containers sollte die Deutsche Botschaft in Kathmandu sein. Doch die verweigerte laut Pöhland die Annahme. Ihr sei mitgeteilt worden, dass die Botschaft nicht mehr der zuständige Empfänger ist. Gebrauchte Waren dürften nach einer Gesetzesänderung nur noch eingeschränkt eingeführt werden. Ansprechpartner für den Verein ist nun die Nepalesische Botschaft. Das Glücksgriff-Team kontaktierte die Botschaft eigentlich, um keine hohen Zollgebühren zu bezahlen und bekam dann Bescheid, dass der Container nicht angenommen wurde. Die Schenefelder haben nun  einen neuen Empfänger benannt und hoffen, dass die Hilfsgüter jetzt ankommen.

Die Kleiderständer in den Räumen des Glücksgriffs sind leergeräumt. Daneben stehen die Koffer von Glücksgriff-Chefin Ingrid Pöhland, Kassenwartin Birgit Peters und John Tamang. Die Reise ins Erdbebengebiet Kathmandu haben sie nicht angetreten, die Flüge sind storniert. Das Hilfsteam wollte die Verteilung der etwa 9009 Stücke begleiten. Darunter befinden sich 50 Krücken, 300 Regenjacken und zwölf Kartons Verbandsmaterial. Doch der Container lagert immer noch in Kalkutta. Die Schenefelder haben ihre Flüge storniert.

Was ist passiert? Das Glücksgriff-Team verpackte die 20 Tonnen Hilfsgüter bereits am 3. Juni. Empfänger sollte die Deutsche Botschaft in Kathmandu sein. Doch sie verweigerte die Annahme des Containers. Die Auskunft: Sie könne die Hilfsgüter nicht mehr annehmen. Gebrauchte Waren dürfte – nach Gesetzesänderung – nur noch eingeschränkt eingeführt werden. Aktueller Ansprechpartner sei die Nepalesische Botschaft in Berlin und nicht die in Katmandu.

Die Botschaft war informiert

„Unser Container war aber schon längst unterwegs. Das wusste die Deutsche Botschaft“, kommentiert Pöhland das Behördenproblem. Das Glücksgriff-Team kontaktierte die Botschaft lediglich, um keine hohen Zollgebühren zu bezahlen. Die Schenefelder wollten es hingegen selber übernehmen, den Container zu bearbeiten. Bei der Verteilung wird unter anderem genau darauf geachtet, auf welche Gebiete bestimmte Güter verteilt werden. Kinderkleidung soll beispielsweise nur in Gebiete verschickt werden, wo auch Kinder leben. „Die Verteilung wäre leicht gelungen, wenn wir dabei gewesen wären“, so Pöhland.

Die Glücksgriff-Chefin hatte die Botschaft informiert, dass der Container unterwegs ist. Das Antwort-Schreiben von der Botschaft ging Pöhland versehentlich erst einmal nicht zu. „Wenn die Botschaft weiß, dass der Container unterwegs ist und so reagiert, fühlt man sich vereimert“, zeigt sich Pöhland enttäuscht. Sie fühlt sich gegenüber Spendern und notbedürftigen Menschen „in der Pflicht“, den erfolgreichen Aktionsausgang zu sichern. Das Problem: Der Container ist noch immer in Kalkutta. Neue Erdrutsche erschweren den Transport. Die Schenefelder haben auf die Empfehlung der Botschaft reagiert und einen neuen Empfänger benannt. Das ist nun die Hilfsorganisation Sahid Saroj Koirala Memoriel Trust. Die Reederei ist verständigt. „Die Lkw-Transportfrage ist geklärt“, so Pöhland. Die Verteilung der Güter erfolgt in der ersten Septemberwoche. „Wir buchen unsere Flüge erst, wenn der Container in Nepal ist. Damit der Flug nicht umsonst ist“, erläutert Pöhland.

Dem in Schenefeld lebenden Nepalesen Tamang fehlen für das Behördenchaos die Worte: Er korrespondiert täglich mit seinem deutsch-nepalesischen Netzwerk. „Andere Spenden haben problemlos funktioniert“, so Tamang. Beim nächsten Anlauf müsse es nun einfach klappen.

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erstellt am 05.Aug.2015 | 12:15 Uhr

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