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Scholz und Albig im Interview : SPD-Landesväter am Kicker: „Wir mögen uns auch“

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wie gut funktioniert das Zusammenspiel von Hamburg und Schleswig-Holstein wirklich? Wir haben die Probe gemacht und Ministerpräsident Torsten Albig und Bürgermeister Olaf Scholz an den Kickertisch gebeten.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2017 | 14:30 Uhr

Pinneberg | Hamburg ist den Menschen im Kreis Pinneberg deutlich näher als Kiel. Eine gute Zusammenarbeit beider Bundesländer ist deshalb für jeden Bewohner im Speckgürtel von hohem Interesse. Die Kooperation von Stadt und Land war wohl noch nie so gut wie jetzt. Das werden auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig und Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz nicht müde zu betonen. Im Interview sprechen die beiden sozialdemokratischen „Landesväter“ über gemeinsame Projekte und Ziele sowie über die Bedeutung von Elbe und Hafen für den Norden.

Herr Scholz, Sie geben Herrn Albig Schützenhilfe im Wahlkampf. Ist das parteipolitischer Zusammenhalt oder persönliche Sympathie?

Olaf Scholz: Erst einmal ist es unglaublich viel persönliche Sympathie. Wir beide arbeiten nicht nur gut zusammen, sondern wir mögen uns auch. Das ist in der Politik nicht immer selbstverständlich. Darüber hinaus stimmen wir uns eng ab, weil dies den Bürgerinnen und Bürgern in Schleswig-Holstein und Hamburg zugute kommt. Und drittens meine ich, dass Torsten Albig als Sozialdemokrat eine gute Figur macht. Deshalb unterstütze ich ihn gern. Fortschritte wie wir sie zum Beispiel beim Gastschulabkommen erreicht haben, sind ein Zeichen dafür, dass die Bedeutung der Grenzen zwischen beiden Ländern immer mehr abnimmt.  Wir bemühen uns jeden Tag darum, das Leben unserer Bürger zu erleichtern, die ja beide Länder längst als einheitlichen Lebensraum in ihrem Alltag und in ihrer Freizeit begreifen.

<p>Die „Landesväter“ verloren zwar knapp, hatten aber sichtlich Spaß. </p>

Die „Landesväter“ verloren zwar knapp, hatten aber sichtlich Spaß.

Foto: Andreas Dirbach

Herr Albig, warum kann sich Hamburg kostenlose Kitas leisten und Schleswig-Holstein nicht?

Torsten Albig: Hamburg hat früher als Schleswig-Holstein verstanden, wie wichtig es ist, immer wieder über die Bedürfnisse der Menschen nachzudenken. Darüber hinaus war Hamburg ökonomisch erfolgreich und konnte sich deshalb mehr leisten als Schleswig-Holstein. Doch auch wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und im vergangenen Jahr eine halbe Milliarde Überschuss erwirtschaftet. Jetzt können wir davon endlich etwas zurückgeben an diejenigen, die in der Sandwich-Situation sind, dass sie zu viel verdienen, um von den sozialen Wohltaten zu partizipieren und zu wenig, um von Steuersenkungen zu profitieren. Das sind vor allem Familien, an die wir jetzt verstärkt denken. Hamburg ist uns da ein Vorbild und Schleswig-Holstein muss hier aufholen. Das schaffen wir nicht in einem Schritt, dafür braucht man einen langen Atem. Aber die Bürgerinnen und Bürger können sich darauf verlassen, dass wir dies Schritt für Schritt umsetzen. Auch in Hamburg sind diese Maßnahmen ja nicht von den Bäumen gefallen.

Wie wollen Sie, Herr Albig, dafür sorgen, dass insbesondere die Kommunen in der Metropolregion für junge Familien attraktiver und wettbewerbsfähiger werden?

Albig: Die Kommunen haben ja selbst ein hohes Eigeninteresse, den Wettbewerb nicht zu verlieren. Deshalb investieren wir in den Ausbau von Schulen und Kitas und in eine gute Infrastruktur. Kommunen, die versuchen, die dadurch entstehenden Kosten durch höhere Kita-Gebühren zu kompensieren, verhalten sich unvernünftig und zahlen am Ende einen viel höheren Preis. Die Städte und Gemeinden, denen es nicht gelingt, für junge erfolgreiche Familien attraktiv zu sein, werden irgendwann das Nachsehen haben. Das will ich nicht und deshalb werbe ich dafür, jetzt in die Zukunft zu investieren.

Scholz: ... wobei ich keinen Wettbewerb sehe. Es ist die Grundlage der guten Zusammenarbeit, dass sich Hamburg und Schleswig-Holstein nicht als Konkurrenten begreifen, sondern als gemeinsam Handelnde. Deshalb ist es wichtig, die Lebensverhältnisse der Menschen so zu organisieren, dass man hier wie da gute Bedingungen vorfindet.

Die Wirtschaft fordert den Ausbau von A20 und A23 sowie das dritte Gleis zwischen Hamburg und Elmshorn. Warum kommen diese Projekte bislang nicht voran, was läuft schief?

Scholz: Wir kommen ziemlich schnell voran, jedenfalls viel schneller, als das früher der Fall war. Solche Bauvorhaben brauchen eben ihre Zeit. Torsten Albig und ich haben bereits vor Jahren die Verlängerung der S-Bahn-Linie 4 und der S21 auf den Weg gebracht. Jetzt sind die Planungen weit fortgeschritten. Wer nicht bereit ist, über einen langen Zeitraum solche Projekte voranzutreiben, wird nicht erfolgreich sein. Der Ausbau von Autobahnen dauert manchmal ja sogar Jahrzehnte. Gerade weil das so ist, ist es wichtig, frühzeitig anzufangen. Eine Stadt an einem Tag zu bauen, gelingt nur in Computerspielen.

Albig: Dass wir durchaus vorankommen, zeigt aus meiner Sicht auch das größte Autobahnprojekt das es in Deutschland gibt. Mit dem Ausbau der A7 liegen wir im Zeit- wie im Kostenplan und es ist uns gelungen, die Belastungen für die Autofahrer so gering als möglich zu halten.

<p>„Wir brauchen ein prosperierendes, starkes und gerechtes Hamburg“, betont Torsten Albig.</p>

„Wir brauchen ein prosperierendes, starkes und gerechtes Hamburg“, betont Torsten Albig.

Foto: Andreas Dirbach

Herr Albig, sind Sie neidisch auf das neue Konzerthaus Elbphilharmonie oder froh, dass Sie die Kosten nicht an der Backe haben?

Albig: Nein, ich bin stolz, dass sie so nah bei mir ist, dass sie auch ein Teil unserer Kulturlandschaft werden wird. Die Elbphilharmonie wird den gesamten Norden noch attraktiver machen und wir freuen uns, dass wir sie mit dem Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) bespielen dürfen. Und wahrscheinlich können wir mit dem SHMF auch die nächsten freien Plätze in der Elbphilharmonie anbieten. (lacht)

Scholz: ...und wie viele Sekunden wird es dauern, bis sie verkauft sind? (lacht)

Albig: Die „Elphi“ ist ein tolles Projekt und vor allem nicht eins für die abgehobene Elite, sondern für alle. Sie wird sich darin beweisen, dass wir am Ende alle unsere Kinder im Norden einmal in diesen Tempel gebracht haben um zu zeigen, wie toll Musik sein kann.

Herr Scholz, welche schleswig-holsteinische Entscheidung hat Ihnen so gar nicht gefallen?

Scholz: Mir fällt keine ein.

Und Sie, Herr Albig, wenn Sie eine Hamburger Entscheidung rückgängig machen könnten, welche wäre das?

Albig: Keine. Wir sind gut aufeinander abgestimmt und im Zweifel würden wir das untereinander klären, aber nicht öffentlich.

Herr Albig, was wünschen Sie Hamburg?

Albig: Dass es wächst, dass es erfolgreich ist und seine Strahlkraft behält. Es ist eine Koexistenz, die anders ist als in vielen anderen Metropolregionen, wo die Metropole am Ende das Umland überrollt. Wir leben hier in einer guten Partnerschaft und stützen und stärken uns in unseren Entwicklungsmöglichkeiten. Wir sind am Ende ein großer Lebensraum mit Ost- und Nordsee, mit dem Hamburger Hafen, der Elbphilharmonie und Weltklassehandball. Mit wundervoller Landschaft und bezaubernden Stadtperlen. Alles zusammen macht den Norden stark und attraktiv im Wettbewerb der Regionen in Deutschland. Dafür brauchen wir ein prosperierendes, starkes und gerechtes Hamburg.

Und, Herr Scholz, was wünschen Sie Schleswig-Holstein?

Scholz: In Meinungsumfragen sind die Schleswig-Holsteiner ja oft die glücklichsten Menschen. Ich wünsche Ihnen, dass das so bleibt und dass der echte Norden zwischen den Meeren prosperiert.    

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