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Pinneberger Tageblatt

17. August 2017 | 12:15 Uhr

Kreis Pinneberg : SPD diskutiert über Kitas

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Genossen im Kreis Pinneberg fordern nach der kommunalpolitischen Konferenz mehr Geld für das Personal in Kindergärten.

Elmshorn | „Kann der Staat sich keine voll bezahlten Eltern leisten?“ Karen Reumann aus Kölln-Reisiek wollte wenigstens ihre Vision teilen, dass Eltern kleiner Kinder 1000 Euro im Monat vom Staat bekommen, damit sie sich in Ruhe um ihren Nachwuchs kümmern können. Ihre Forderung nach dem „bedingungslosen Grundeinkommen“ äußerte Reumann während einer kommunalpolitischen Konferenz der SPD am Sonnabend.

Den knapp 40 Genossen, die sich vormittags im Elmshorner Kreishaus trafen, ging es allerdings vorrangig nicht um große Visionen, sondern um die Lösung ganz praktischer Alltagsprobleme: Wo bleiben etwa die Kinder, während ihre Eltern arbeiten?

Organisiert hatte die zweistündige Konferenz der Vorstand der SPD-Kreistagsfraktion um Hannes Birke und Helga Kell-Rossmann. Eingeladen waren SPD-Kommunalpolitiker und Kita-Vertreter aus dem gesamten Kreis Pinneberg. Auch die Landtagsabgeordnete Beate Raudies und der Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann diskutierten mit.

Schließlich geht das Thema alle politischen Ebenen an: Der Bund verabschiedet Gesetze, die Eltern Anspruch auf Teilzeitarbeit oder einen Krippenplatz geben. Das Land setzt fest, wie eine Kita personell besetzt sein muss. Der Kreis bestimmt, wie diese Vorgaben umgesetzt werden. Und die Gemeinde, in der die Kita steht, muss das Ganze am Ende bezahlen. Das sind viele Köche, und dass der Brei, den alle zusammen anrühren, manchmal schwer verdaulich ist, wurde am Sonnabend deutlich.

Am Beispiel Personalschlüssel erklärte das den Genossen Christine Scholz, bei der Pinneberger Awo für etwa 1500 Kita-Plätze im Kreis zuständig. Für die „Arbeit am Kind“ sollen pro Kita-Gruppe eine Erzieherin in Vollzeit und eine Sozialpädagogische Assistenten (SPA) als halbe Kraft zur Verfügung stehen. Bis diese 1,5 Fachkräfte allerdings tatsächlich arbeiten, gilt es, viele Faktoren zu berücksichtigen: Sie gehen in Urlaub, absolvieren Fortbildungen, sprechen mit Eltern und werden krank – bis zum Burnout.

Alles zusammen lasse dies die Personaldecke manchmal so dünn werden, dass die Awo sogar Zeitarbeitsfirmen einsetze. „Den Bildungsauftrag brauchen wir dann nicht zu beachten“, resümierte sie bitter. In solchen Lagen gehe es nur noch ums Aufbewahren.

Helga Kell-Rossmann wies darauf hin, dass die 1,5 Fachkräfte landesweit nicht von Fachleuten festgelegt wurden, sondern vom Landesrechnungshof. „Ändert diese Grundlagen“, forderte sie die Landespolitiker auf.

„Es kann nicht angehen, dass die Kämmerer die Inhalte bestimmen“, für diese Aussage bekam Hannes Birke Applaus. Er forderte, die Denkrichtung umzudrehen: Erste Frage müsse sein, was fachlich notwendig ist. Erst danach gehe es darum, wie das bezahlt werden könne, stellte der ehemalige Vorsitzende des Kreis-Finanzausschusses klar.

Birke ließ auch keinen Zweifel, dass eine Antwort auf die Frage: „Was ist uns Bildung wert?“, womöglich in höheren Steuern besteht. Oder, darauf wies Thorsten Fischer hin, der Vorsitzende des Kreis-Jugendhilfeausschusses, auf kommunaler Ebene in einer höheren Kreisumlage.

Die Kreistagsfraktion will in Folge der Konferenz darauf hinarbeiten, dass der Kreis seine Personalberechnungen für Kitas aktualisiert. Das „niedrigschwellige Angebot“, dass Kitas Geld für Personal bekommen, damit Zeit für alltägliche Elterngespräche bleibt, will Birke über die aktuelle Modellphase verlängern und ausweiten. Außerdem will der SPD-Politiker die Kreisverwaltung auffordern, zu ermitteln, wie viel Geld die einzelnen Kommunen für die Kitas ausgeben.

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erstellt am 17.Feb.2014 | 16:00 Uhr

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