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„Wir wollen und werden kämpfen“ : Sparkasse in Pinneberg kündigt dem Passagen-Café

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Café-Betreiber Sabahatin Kaya muss Standort in der Rathauspassage aufgeben. Sparkasse Südholstein plant Umbau.

shz.de von
erstellt am 26.Jun.2015 | 12:30 Uhr

Pinneberg | Für das einzige Café in der Pinneberger Rathauspassage hat das letzte Stündlein geschlagen. Der Mietvertrag von Betreiber Sabahatin Kaya wurde zum 30. Juni gekündigt, da die Sparkasse Südholstein die Fläche selbst nutzen will, um  zu erweitern. „Wir bauen nicht einfach so. Es geht beim Umbau um konkrete Kundenwünsche und -bedürfnisse, vor allem hinsichtlich Lautstärke und Diskretion“, erläuterte Imke Gernand, Pressesprecherin der Sparkasse Südholstein. Da die Arbeiten frühestens Ende August beginnen können, erhielt Kaya eine zweimonatige Verlängerung.

Wie es im September weitergeht, weiß er nicht – beruflich und finanziell. „Wenn ich hier raus muss, bin ich ganz schön pleite. Ich kann dann nicht einmal die laufenden Kosten decken“, sagt der dreifache Familienvater. Er will nun seine Stammkunden mobilisieren und mit einer Unterschriftenliste um den Verbleib am bisherigen Standort kämpfen. Höhere Miete oder bauliche Veränderungen – Kaya sei gesprächsbereit. Die Sparkasse habe ihm Alternativen aufgezeigt. Keine passte aus seiner Sicht.

„Wenn wir zumachen und die Leute hier nur die Glasscheiben der Sparkasse sehen, können die  Läden gegenüber auch gleich dicht machen. Ich gebe ihnen maximal ein halbes Jahr“, sagte Kaya. Denn das Café locke entsprechende Kundschaft an. Diese Gefahr sieht Dirsko von Pfeil, Pressesprecher von Passagenbetreiber AVW Immobilien AG, nicht. „Das ist ja nicht der einzige Ort, an dem es Kaffee gibt. Man kann auch beim Bäcker seinen Kaffee trinken.“ Weiter wollte er sich zu dem Thema nicht äußern.

Das Kreditinstitut braucht mehr Platz 

Sabahatin Kaya hat Angst. Angst um seine Zukunft und die seiner Frau und der drei Kinder. Der 42-jährige Gastronom betreibt seit drei Jahren den Coffee Shop Dailys auf der Fläche der Sparkasse in der Rathaus Passage. Im April teilte ihm die Bank mit, dass sein Mietvertrag gekündigt werde – mit einer Frist von zwei Monaten. Eine Woche später lag das entsprechende Schreiben seines Vermieters vor: gekündigt zum 30. Juni. „Mir kamen die Tränen. Wie kann man nur ein Café schließen, das immer so voll ist?“, fragt der gebürtige Hamburger mit türkischen Wurzeln.

„Meine Familie und ich haben so viel Mühe, Zeit und Geld investiert“, sagt Kaya. 35.000 bis 40.000 Euro flossen in Einrichtung, Tische, Küchenausstattung und Kaffeemaschinen. „Das Geld habe ich bei weitem noch nicht raus“, so der Familienvater. Er führte Gespräche mit der Sparkasse Südholstein. Die räumte ihm etwas zeitlichen Spielraum ein. Voraussichtlich Ende August muss er die Fläche räumen. Den genauen Termin kennt Kaya noch nicht.

Dafür die Konsequenzen: „Wenn ich hier raus muss, bin ich ganz schön pleite. Ich kann dann nicht einmal die laufenden Kosten decken.“ Vor allem um seine älteste Tochter macht er sich Sorgen, die nach dem Abitur im vergangenen Jahr ein Medizinstudium in Dresden begonnen hat und von ihren Eltern finanziell unterstützt wird. „Ihr nicht helfen zu können, das macht mir richtig Sorgen. Irgendwie würden wir es sonst schon hinbekommen“, sagt Kaya, der im Mai die Gastronomie im Pinneberger Schwimmbad übernahm. Sind damit nicht die Einnahmen gesichert? „Nein, das reicht noch nicht. Wir sind gerade erst in der Aufbauphase.“

Unterstützung von den Stammkunden

Seine Kunden – mindestens 80 Prozent Stammkunden – wollen den Unternehmer unterstützen. „Wir wollen und wir werden kämpfen“, verspricht Kaya. Er will Unterschriften sammeln, um am jetzigen Standort zu bleiben. Veränderungen wären für ihn kein Problem. „Am Anfang gab es Beschwerden, dass es zu laut ist, aber wir haben hier nur ältere Leute. Das ist Zimmerlautstärke“, so der 42-Jährige. An einer Verlegung an den Außenbereich der Bankfiliale und die Errichtung eines möglichen Schallschutzes würde er sich finanziell beteiligen.

Auch eine höhere Mietzahlung habe er bereits angeboten. „Beteiligung an den Umbaukosten, eine höhere Miete, bauliche Veränderungen. Ich bin zu allem bereit, außer hier wegzugehen“, so der Unternehmer. Verhandlungen über einen anderen Standort in der Passage scheiterten. „Da wollte man den dreifachen Preis“, so Kaya. Zu viel für ihn. Andere Standorte hat er sich noch nicht angesehen. Allerdings haben sich einige seiner Kunden bereits umgesehen. Den vier Teilzeitkräften und zwei Festangestellten hat er vorsorglich bereits gekündigt. „Das ist mir schwer gefallen, aber ich musste es trotzdem tun“, so Kaya.

„Ich bin sehr überrascht über das Vorgehen“, sagte Imke Gernand, Pressesprecherin der Sparkasse Südholstein, auf Anfrage dieser Zeitung. Es hätten mindestens fünf Gespräche mit Kaya stattgefunden, der Untermieter des eigentlichen Sparkassenmieters sei. „Es war ein Miteinander und wir sind auf ihn zugegangen. Es hat über Wochen ein Austausch stattgefunden“, so Gernand. Da die geplanten Baumaßnahmen frühestens Ende August beginnen könnten, habe die Bank eine Übergangszeit eingeräumt. „Wir bauen nicht einfach so. Es geht beim Umbau um konkrete Kundenwünsche und -bedürfnisse vor allem hinsichtlich Lautstärke und Diskretion“, so Gernand.

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