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Hasaloh : „Spätlese“: Ganz nah an der Realität dran

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Hasloher Volksspielbühne inszeniert Komödie, die auf den zweiten Blick keine ist.

von
erstellt am 25.Okt.2014 | 14:00 Uhr

„Das ist ein wichtiger Tag, denn zum 25. Mal läuten wir in Hasloh die Theaterwoche ein“, begrüßte Helmut Krumwiede, Leiter der Volksspielbühne im TuS Hasloh, die Premieren-Gäste am vergangenen Donnerstagabend. Etwa 20 000 Zuschauer seien innerhalb diese Vierteljahrhunderts bei den Aufführungen dabei gewesen. „Eine beachtliche Zahl“, wie Krumwiede betonte.

Jedes Jahr starteten die Schauspieler im Januar mit der Auswahl eines neuen Stücks. „Dann heißt es üben, üben, üben – erst zweimal, dann drei-, vier, fünfmal die Woche“, beschrieb Krumwiede die Vorbereitung auf die Premiere. Unter kräftigem Applaus, der „Droge der Schauspieler“, wie Krumwiede ihn nannte, öffnete sich der Vorhang zur Aufführung.

Sowohl die Geschichte der drei Protagonistinnen als auch die der Pflegekräfte (Autor: Folke Braband) war zwar stellenweise überzogen, dennoch schwang in vielen Szenen und Dialogen ein durchaus ernster Unterton mit. Über verpasste Chancen im Leben, Einsamkeit im Alter und der Trostlosigkeit des Alltags, die in vielen Pflegeheimen zu finden ist.

Da ist Agnes (Ingrid Kohrs), die schon recht vergesslich ist aber trotzdem noch messerscharf erkennt, dass die Macher von Shopping-Kanälen „alles Verbrecher“ sind. Josefine (Wilma Kolbe), die fast ausschließlich in ihren Erinnerungen als erfolgreiche Schauspielerin schwelgt, trifft auf ihre einstige Liebe Bruno (Jürgen Dammann).

Aus dem Leben gegriffene Geschichten

Sie muss erkennen, dass er auch diesmal nicht ihr Herz erobern, sondern lediglich ihr Geld will. Und die gutmütige aber nie um eine Notlüge verlegene Maria (Bärbel Kote), die ebenfalls mit der Vergangenheit konfrontiert wird, als eines Tages ihre Tochter auftaucht, die sie als Baby zur Adoption frei gegeben und nie wiedergesehen hatte.

Mittendrin der junge Pfleger Tarek (Fabian Dill), der grade aus der Haft entlassen wurde und in der Einrichtung Sozialstunden ableisten muss. „Wir werden die Hütte ordentlich rocken“, kündigt er den Damen an. Die lassen sich nicht lang bitten – und zocken den jungen Mann nach Strich und Faden beim Strip-Poker ab.

Trotz der vielfältigen und teils ineinander verwobenen Handlungsstränge wird die Geschichte wie aus einem Guss erzählt. Markante Sprüche wie „Wenn die Kerzen mehr kosten als der Kuchen, weißt du, dass du alt bist“ sorgen für Lacher, die mitunter im Hals stecken bleiben: Zu wahr sind die Kernbotschaften, zu realitätsnah die kleinen zwischenmenschlichen Dramen, die von den Protagonisten sowohl textsicher als auch glaubwürdig in Szene gesetzt werden.

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