zur Navigation springen

Hemdingen / Quickborn : Später Schule – länger warten

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Thorsten Mendt hofft auf bessere Nahverkehrsanbindungen zwischen Hemdingen und Quickborn. Rückfahrten werden zum Abenteuer.

Hemdingen / Quickborn | „Ich finde das alles Schrott“, macht Thorsten Mendt seinem Frust Luft. Der 45-Jährige ist genervt vom Fahrplan des Nahverkehrs auf dem Land. Seit elf Jahren wohnt er mit seiner Familie in Hemdingen. „Uns war klar, was uns erwartet, aber nicht, dass es so schlimm ist“, sagt Mendt. Gerade jetzt brennt ihm das Thema unter den Nägeln, denn das Elsensee-Gymnasium in Quickborn denkt über neue Anfangszeiten nach. Dort geht Mendts elfjährige Tocher Lilli zur Schule.

„Derzeit hat sie morgens 20 bis 30 Minuten Wartezeit“, erläutert Mendt. Um 6.31 Uhr steigt sie an Schultagen an der Haltestelle Wiesengrund in den Bus der Linie 294 nach Quickborn. Dort angekommen steigt sie um in die AKN-Linie A 1. Sie fährt eine Station bis Quickborn Süd. Ankunft ist um 6.54 Uhr. Von dort braucht sie vier Minuten zur Schule. Dann heißt es: Warten bis die Schultüren aufgeschlossen werden. Unterrichtsbeginn ist erst um 7.30 Uhr. Kurz voher können die Schüler ins Gebäude „Wenn es Hunde und Katzen regnet, wird früher geöffnet“, sagt Mendt.

Sollte die Schule demnächst beispielsweise um 7.45 Uhr oder um 8.30 Uhr beginnen, würden sich die Wartezeiten gegebenenfalls noch verlängern. Schulbeginn um 8.10 Uhr – das wäre der Wunsch von Mendt: „Dann würde alles passen.“ Zumindest am Morgen. Denn darauf könne man sich einstellen. „Die Rückfahrten sind richtig abenteuerlich“, weiß er. Nach der dritten und vierten Stunde fahre gar kein Bus. Verpasse seine Tochter den Bus um 13.36 Uhr, sei sie statt um 13.52 Uhr erst um 15.29 Uhr zuhause. Mittlerweile sei es üblich, dass die Eltern vor allem bei schlechtem Wetter Fahrgemeinschaften einrichten und Telefonketten in Gang setzten, sobald ein Bus verpasst wurde, um die Schützlinge sicher – und vor allem zeitnah – nach Hause zu bringen. „Im Sommer ist das Problem kleiner, da die Kinder oft mit dem Fahrrad fahren“, sagt Mendt. Im Winter sehe es anders aus. „Wir Eltern machen das nicht aus Jux und Tollerei, sondern, um unseren Kindern das Gegurke mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu ersparen“, so der 45-Jährige. In Richtung Barmstedt bestehe das gleiche Problem, denn die Buslinie dorthin ist die selbe.

„Man muss doch kein Raketenwissenschaftler sein, um einschätzen zu können, wann Kinder hauptsächlich fahren“, ärgert sich Mendt. Seine Lösung ist einfach: „Ein zusätzlicher Bus in der Kernzeit.“ Das würde die ganze Situation entspannen. Dann würde er vielleicht selbst darüber nachdenken, den Nahverkehr zu nutzten. Denn derzeit nimmt er das Auto bis Pinneberg, um von dort nach Hamburg-Harburg zur Arbeit zu fahren. Um dorthin zu kommen, sei das Auto unverzichtbar.

„Hier braucht man als Familie zwei Autos, um die Fahrten der Kinder regeln zu können“, sagt Mendt. Am Sonnabendnachmittag endet der Fahrplan, an Son- und Feiertagen fährt die Buslinie gar nicht. „Am Wochenende geht nichts“, sagt der Hemdinger. Er würde komplett auf die Wochenend-Busse verzichten, wenn dafür die Verbindungen unter der Woche besser wären.

Dass das Elsensee-Gymnasium derzeit über eine andere Stundentaktung und mögliche neue Anfangszeiten nachdenkt, bestätigte Schulleiter Michael Bülck. Derzeit werde mit Lehrern, Schülern, Eltern und dem Schulträger über Vor- und Nachteile von 60- oder 90-minütigen Unterrichtseinheiten beraten. „Wir haben uns vorgenommen, uns bis zum Ende des Schuljahres für ein Modell zu entscheiden, das dann im kommenden Jahr erprobt werden soll“, erläuterte Bülck. In diesem Zusammenhang sähe er auch beim Schulbeginn die Chance auf eine Zäsur. „Es gibt die Überlegung, den Schulbeginn etwas nach hinten zu verlegen“, sagte Bülck. Damit komme man auch dem Biorhythmus entgegen. Eine Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen. Zehn Kinder aus Hemdingen und Bilsen seien derzeit von „etwas längeren Wartezeiten“ betroffen.

Eine Chance, dass die Fahrtzeiten geändert werden, sehe Bülck derzeit nicht. Daher wolle man sich den Zeiten des Nahverkehrs anpassen. Um Wartezeiten zu überbrücken, könnte zudem ein Aufenthaltsraum für Fahrschüler eingerichtet werden. „Das ist ein Entgegenkommen der Schule, das ich aber auch erwarte“, so Mendt. Sonst würde er darüber nachdenken, seine Tochter von der Schule zu nehmen.

Mendts Söhne besuchen derzeit die Grundschule Hemdingen. Noch bleibt ihnen Zeit , bis sie auf eine weiterführende Schule kommen, aber dann müssen sie pendlen. „Nach der Grundschule ist es hier einfach so“, sagt Mendt, der auf eine bessere Anbindung hofft.

zur Startseite

von
erstellt am 01.Okt.2014 | 16:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen