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Kreis Pinneberg : Späte Kälte gefährdet Bienenvölker

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Temperaturwechsel seit Anfang dieser Woche bringt die Insekten durcheinander. Zudem begünstigt der bisher zu milde Winter das Überleben der Varroamilbe. Der Moorreger Imker Sebastian Rolke berichtet.

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erstellt am 29.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Für den Moorreger Imker Sebastian Rolke (39) steht bereits jetzt fest: Wohl nicht alle seiner 20 Bienenvölker werden diesen Winter überleben. Der plötzliche Wintereinbruch in Kombination mit den viel zu milden vorherigen Monaten bringt die Tiere durcheinander und gefährdet so ihren Bestand im Kreisgebiet.

In einem normalen, konstant kühlen Winter von Ende November bis Februar ziehen sich die Bienen zu einer Art Traube in ihren Behausungen, genannt Beuten, zusammen. Sie halten dann eine Temperatur von etwa 35 Grad Celsius. Sobald dann im Frühjahr die Temperaturen wieder steigen, werden auch die Bienen wieder aktiv und beginnen mit der Brut. „Milde Tage im Winter helfen den Bienen, die sie nutzen, um bei kurzen Ausflügen ihre Kotblase zu entleeren. Problematisch wird es bei längeren milden Phasen. Der milde Winter hat dafür gesorgt, dass die Bienen bereits seit langem glauben, dass wieder Frühling ist – die Folge: Sie haben mit der Brut schon begonnen, teilweise gar nicht aufgehört“, sagt Imker Rolke. Zudem fliegen einige Insekten bereits draußen herum, um beispielsweise Wasser zu sammeln.

Möglicher Futterabriss

Mit dem Frosteinbruch seit Anfang dieser Woche wird die Bienen-Population nun aber bedroht: Denn es kann nun ein sogenannter Futterabriss eintreten. Wird es draußen schlagartig wieder kälter, ziehen sich die Insekten (im Schnitt etwa 5000 Stück) wieder zu einer Traube zusammen. Wenn diese Traube sich nun allerdings nicht an der Stelle bildet, wo sich das Futter befindet, drohen sie zu verhungern.

Ein weiteres Problem des aktuellen Wintereinbruchs: Die Versorgung des Bienennachwuchses ist nicht mehr gewährleistet. Denn die warme Temperatur im Bienenstock wird von den Tieren erzeugt, indem sie mit ihren Muskeln zittern. Wenn sie nun aber wieder Wärme erzeugen müssen, können sie nicht gleichzeitig auch noch die Brut versorgen.

Die milden Klimaverhältnisse im November, Dezember und einem Großteil des Januars begünstigt zudem das Überleben der sogenannten Varroamilbe. Dieser kleine Parasit (1,1 Milimeter) entwickelt und vermehrt sich in der Brut im Bienenstock. Ausgeschlüpfte Bienen bleiben nach dem Befall um etwa ein Zehntel kleiner als gesunde Tiere, zudem leben sie bei Weitem nicht so lange. Auch werden durch den Milbenbefall schädigende Viren übertragen.

Wenn aufgrund der milden Temperaturen die Bienen ihre Brut nicht unterbrechen, fehlt dem Imker die brutfreie Zeit für die wichtige Winter-Varroabehandlung: „Ende Dezember träufel ich mit Oxalsäure auf die Bienen, um die Milbe zu bekämpfen“, sagt Rolke. Die Säure ist für die Honigsammler ungefährlich, die Milbe verlässt nach der Behandlung jedoch ihren Wirt. Das Problem: Die Oxalsäurelösung wirkt nicht in der verdeckelten Brut, die Varroamilbe kann sich also ungebremst vermehren. „Es ist davon auszugehen, dass diese sogenannte Restentmilbung nicht ihre volle Wirkung gebracht hat“, so Rolke.

Der Imker kann nichts tun, um den Bienen zu helfen. „Ich kann nur regelmäßig die Futterreserven im Auge behalten und hoffen, dass es jetzt bis Ende Februar konstant winterlich bleibt“, sagt Rolke. So können sich die Tiere trotz der jetzt schon absehbaren Verluste auf die die wichtige Winterruhe einstellen.

Zur Person: Sebastian Rolke

Der Moorreger Imker Sebastian Rolke verfolgt einen ungewöhnlichen Ansatz: Er verbindet die Sozialpädagogik und die Imkerei. Dabei verfolgt er zwei unterschiedliche Konzepte. So geht er mit den Bienen an die Schulen und veranschaulicht Jugendlichen im Zuge eines Nachmittagsangebotes  das Leben der Insekten. Zudem arbeitet er mit Heranwachsenden, die in der Regelschule nicht zurechtkommen.  So sollen benachteiligte, naturfremde Jugendliche stressfrei neue Eindrücke sammeln können.  Für eine Erweiterung sucht Rolke noch Räumlichkeiten im Umkreis von Moorrege und Kummerfeld. Seine Kontaktdaten gibt’s auf der Webseite.

www.meise3.de


Bienen im Kreis Pinneberg

Im Kreis Pinneberg gibt es nach heutigem Stand  385 gemeldete Bienenhaltungen mit insgesamt 2471 Völkern. Die Kreisverwaltung geht von einer  Dunkelziffer aus. Auf der Internetseite des Kreises gibt es die Möglichkeit, einen Vordruck für die Anzeige der Bienenhaltung gemäß Bienenseuchen-Verordnung herunterzuladen.

www.kreis-pinneberg.de

 
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