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Pinneberger Tageblatt

15. Dezember 2017 | 21:30 Uhr

Soziale Kompetenz vermitteln

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Abschied vom Wolfgang-Borchert-Gymnasium: Direktor Karsten Schneegaß erinnert sich an 16 bewegte Jahre

von
erstellt am 29.Jan.2016 | 16:00 Uhr

16 Jahre lang lenkte Oberstudiendirektor Karsten Schneegaß die Geschicke des Halstenbeker Wolfgang-Borchert-Gymnasiums (WoBo). Zum Monatsende geht der Pädagoge in den Ruhestand. Für diese Zeitung erinnert sich der Oberstudiendirektor an bewegte Jahre, äußert sich zum Wechsel von G  9 zu G  8, zum Wort Elite, zum Muss des 21-Millionen-Euro-Neubaus sowie Rennrad fahren in der Toskana.

Frage: 16 Jahre als Direktor des Borchert-Gymnasiums: Was sind Ihre nachhaltigsten Erinnerungen an diesen verantwortungsvollen Job?
Schneegaß: Ganz sicher gehört dazu die gemeinsame Verabschiedung von Verstorbenen. Und auch ein neues Kollegium zu bauen, weil Lehrkräfte die Schule verlassen haben beziehungsweise in Pension gegangen sind. Dazu gehört auch der Schulträgerwechsel vom Kreis zur Gemeinde aufgrund der Schulgesetzänderung. Und auch allen Beteiligten Chancen zu ermöglichen, die nicht möglich schienen. Zu den nachhaltigsten Erinnerungen gehört auch, Menschen zueinander zu bringen.

Und auf welche Ereignisse am WoBo können Sie heute getrost verzichten?
Darauf gibt es eine kurze Antwort: die zunehmende Bürokratie.

Das WoBo hat den Ruf eines Elite-Gymnasiums. Was halten Sie den Kritikern entgegen?
Das WoBo ist keine Eliteschule, sondern es legt Wert auf Leistung und soziale Kompetenzen, aus denen eine corporate identity erwächst, die ein Jahrzehnte anhaltendes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt hat.

Gymnasium zu Beginn Ihrer Lehrtätigkeit und im Jahr 2015: Was sind die gravierenden Unterschiede – für Lehrende und Lernende?
Die Systeme sind deutlich größer geworden: wachsende Schüler- und Lehrkräftezahlen. Mit knapp 1000      Schülern ist das WoBo ein relativ kleines System! Zu den Unterschieden gehört auch die Gläubigkeit an die neuen Medien – das nennt sich Digitalisierung. Die ist völlig überzogen.

Unter Ihrer Regie wurde die G  9-Regel auf G  8 erfolgreich umgewandelt. Was waren im Rückblick die größten Herausforderungen vor und während dieses Kraftakts?
Mit allen Beteiligten (SchülerInnen, Eltern, Lehrkräfte) ständig Gespräche zu führen, um Ängste abzubauen. Und wieder eine Reform umzusetzen, die nicht zwingend notwendig gewesen wäre. Ob ich mit 29 oder 30 in den Beruf gehe, spielt gar keine Rolle. Entscheidend sind Qualifikation und Persönlichkeit.

Im August 2015 wurde der WoBo-Neubau nach einjähriger Bauzeit und jahrelangen Diskussionen eröffnet. Sie selbst haben 2000 an der Schule angefangen. Ab wann wussten Sie: Hier muss was passieren?
Dass saniert werden musste, war von Anfang an klar und spielte immer eine Rolle in den sehr konstruktiven Gesprächen mit dem Kreis Pinneberg, der damals Schulträger war. Dass eine Sanierung nicht vernünftig war, wurde ab 2008 klar, als es einen Asbestbefund gab. In dieser Zeit sind wir hervorragend von Herrn Holger Lange aus der Gemeinde Halstenbek betreut worden.

Inwieweit ist das Baukonzept auch nach Ihren Vorstellungen maßgeschneidert? Provozierend gefragt: ein Schneegaß-Bau?
Nein, es ist kein Schneegaß-Bau. Es gab einen Ausschuss der Schule, in dem ich selbst nicht Mitglied war. Ich wollte, dass Personen über ein Gebäude entscheiden, in dem sie noch längere Zeit arbeiten würden. Selbstverständlich war ich im Hintergrund über alles informiert.

Karsten Schneegaß ohne Schule: Wie geht das? Was planen Sie in den kommenden Jahren?
Karsten Schneegaß ohne Schule geht durchaus, Karsten Schneegaß ohne sinnvolle Arbeit ist sehr schwierig. Ich werde als Coach und Seminarleiter im schulischen und außerschulischen Bereich weiterhin tätig sein. Ich werde weiterhin als Fitness-Trainer Menschen auf dem Spinning-Bike und dem Rennrad trainieren. Ich werde an zwei ausgewählten Orten in Südfrankreich und der Toskana Rennrad fahren und mich auf den Kanaren auf dem Wasser bewegen. Ich werde ganz viel Zeit mit sehr angenehmen Menschen verbringen.
Vielen Dank für das Gespräch.

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