Solidarität und Hilfe zur Selbsthilfe

Die Vorstandsmitglieder der Volksbank Pinneberg-Elmshorn: Stefan Witt (links) und Uwe Augustin mit einem Aufsteller von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, Mitgründer der Genossenschaftsidee.
Die Vorstandsmitglieder der Volksbank Pinneberg-Elmshorn: Stefan Witt (links) und Uwe Augustin mit einem Aufsteller von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, Mitgründer der Genossenschaftsidee.

Die Unternehmensform der Genossenschaft findet sich in vielen Wirtschaftsbereichen von Banken bis hin zu Schülerprojekten

shz.de von
12. Juni 2018, 16:00 Uhr

Mehr als 22 Millionen Deutsche sind heute Mitglied in einer Genossenschaft – und immer mehr entdecken diese Form des gemeinschaftlichen Wirtschaftens für sich. 200 Jahre nach Friedrich Wilhelm Raiffeisens Geburt ist seine Genossenschaftsidee so aktuell wie damals. „Die Menschen sehnen sich nach einer Wirtschaftsordnung, die sich wieder in den Dienst des Menschen stellt. In Genossenschaften werden sie deshalb selbst aktiv und nehmen ihre Versorgung in die eigene Hand“, erklärt Stefan Witt, Vorstand der Volksbank Pinneberg-Elmshorn, die eine Genossenschaftsbank ist.

Raiffeisen sei einer der Vordenker der Genossenschaftsbewegung gewesen. Am 30. März 2018 jährte sich sein Geburtstag zum 200. Mal. Raiffeisen lebte im 19. Jahrhundert – in einer Zeit, die von tiefer sozialer Spaltung geprägt war. Viele Bauern und Handwerker konnten ihre Kredite für den Einkauf ihrer Rohstoffe nicht mehr finanzieren. Missernten und Hungersnöte plagten die Bevölkerung. „Als Raiffeisen Bürgermeister im Westerwald wurde, handelte er. Er gründete Darlehensvereine und überzeugte die Menschen, sich gegenseitig mit Krediten zu helfen. Was der Vordenker damals sicher noch nicht ahnte: Er setzte damit eine weltweite Bewegung in Gang“, erläutert Witt. Heute sind eine Milliarde Menschen Mitglied in einer Genossenschaft und folgen seiner Idee: „Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele.“

In Genossenschaften schließen sich Menschen zusammen, um sich gemeinsam Waren oder Dienstleistungen zu beschaffen. Viele Verbraucher erhalten in einer Genossenschaft Wohnraum, Pflege, Kredite oder Energie. Aber auch Selbstständige wie Handwerker, Freiberufler oder Landwirte sind Mitglieder von Genossenschaften und kaufen beispielsweise Rohstoffe günstiger ein. Was Genossenschaften dabei so attraktiv macht: Sie sind in der Hand ihrer Mitglieder. Jedes Mitglied ist Miteigentümer und lenkt die Geschicke demokratisch mit. Genossenschaften müssen deshalb keine Renditen für anonyme Investoren erzielen. Sie sind nur dem Wohl ihrer Mitglieder verpflichtet und können ihre Einnahmen im Sinne dieser Menschen investieren. So auch die Volksbank Pinneberg-Elmshorn, die soeben ihre Bilanz vorgelegt hat und ihren Mitgliedern eine Dividende von vier Prozent ausschütten konnte (unsere Zeitung berichtete). Wer jetzt überlegt, sein Gespartes komplett in Anteile der Volksbank zu investieren, wird jedoch enttäuscht sein. „Denn jedes Mitglied darf maximal fünf Anteile zum Preis von je 50 Euro erwerben“, sagt Volksbank-Vorstand Uwe Augustin.

Alle Genossenschaften haben übrigens drei Erkennungsmerkmale. Erstens die Selbstversorgung, was heißt, Menschen nehmen ihre Versorgung in die eigene Hand. Zweitens die Selbstverwaltung, bei der jedes Mitglied das gleiche Stimmrecht besitzt. Und als dritter Punkt ist Selbstverantwortung zu nennen. Das heißt, alle Mitglieder haften begrenzt für ihre Genossenschaft. „Raiffeisen liegt im Trend Genossenschaften sind mehr als eine Unternehmensform. Sie sind ein Wirtschaftsmodell, das zu einer fairen, nachhaltigen und demokratischen Gesellschaft beiträgt“, so steht es im aktuellen Geschäftsbericht der Volksbank Pinneberg-Elmshorn.

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