Kultur im Kreis Pinneberg : Solange das innere Feuer lodert

Die Figur der Hexe Gilli hat Gisela Moes selbst erdacht
Die Figur der Hexe Gilli hat Gisela Moes selbst erdacht

Prisdorfer Künstlerin Gisela Moes veröffentlicht Liederbuch „Streune auch Du!“

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10. März 2014, 06:00 Uhr

Wer streunt, der taucht mal hier, mal dort unvermittelt auf und läuft in der Welt herum ohne erkennbares Ziel. Soweit jedenfalls der Duden. Was möglicherweise im ersten Moment negativ in seiner Bedeutung daherkommt, ist aber durchaus auch anders interpretierbar. „Streunen“: Das klingt schließlich auch irgendwie nach Freiheit. Und nach Unabhängigkeit.

Vielleicht ist das der Grund, warum Gisela Moes ihrem vor kurzem erschienenen Liederbuch den Namen „Streune auch Du!“ gegeben hat. Die Stücke in dem 160 Seiten dicken Werk sind thematisch geordnet und tragen Namen wie „Lob der Gewürze“, „Der Floh im Unterhemd“ oder „Ballade vom Wasserweib“. „Ich hab es satt, das Butterbroteschmieren/das Hinterhergeräume und das Muttersein/Ich möcht so gern ein andres Leben führen/mal wirklich frei und ganz ich selber sein“, heißt es im „Hausfrauen-Protestsong“. Die ganz persönliche Rebellion gegen eingefahrene Zustände, zum Teil auch gegen klassische Rollenklischees passt zu Moes, die sämtliche in dem Buch enthaltenen Lieder, mit einer einzigen Ausnahme, selbst geschrieben hat. Ebenso wie die Gedichte, die immer mal wieder zwischendurch für Abwechslung sorgen.

„Die Lieder haben sich im Laufe der Künstlerkarriere meiner Mutter über Jahre hinweg angesammelt. Die meisten entstammen diversen Bühnenprogrammen“, erzählt Gisela Moes Tochter Maja Mos, die in ihrem Nachnamen einen Buchstaben aus Aussprachegründen wegrationalisiert hat. Als Staubfänger im Regal sei das Werk nicht geeignet. „Es soll ein Liederbuch zum Gebrauchen werden. Die Leute sollen die Stücke singen oder auf dem Klavier nachspielen“, so Mos weiter. Da diese nicht wie beispielsweise Volkslieder oder Popsongs bereits eine große Bekanntheit aufweisen würden und stattdessen erst einstudiert werden müssten, seien sowohl Notation als auch die verwendeten Akkorde verhältnismäßig einfach gehalten.

Das Liederbuch zeigt freilich nur eine Facette im überaus vielfältigen Schaffen von Gisela Moes. Die gebürtige Berlinerin, die heute in einem verwunschenen „Hexenhäuschen“ in Prisdorf lebt, hat nach ihrem Studium der Theaterwissenschaften unter anderem als Zeitungsredakteurin (im Feuilleton der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung) gearbeitet, das Klecks-Theater in Hamburg geleitet und zahlreiche Stücke selbst geschrieben. Das Drama „Muttermord“, das sie gemeinsam mit Maja aufführte, sei sogar ans Staatstheater in der Elbmetropole empfohlen worden. „Aber dazu kam es nicht, weil wir uns kurz davor künstlerisch getrennt hatten, kurz vor der Berühmtheit“, so die Tochter mit einem Augenzwinkern. Später trat Gisela Moes dann alleine auf, oft vor Kindern und oft in der von ihr selbst erfundenen Rolle der Hexe Gilli – eine „One Woman Show“ aus Schauspiel, Tanz und Gesang.

Im doch schon etwas fortgeschrittenen Alter – die genaue Anzahl der Lebensjahre ist ein Staatsgeheimnis – fällt der Aktionsradius auf der Bühne bei Gisela Moes naturgemäß etwas geringer aus als früher. Die Bretter, die die Welt bedeuten, will und kann sie dennoch nicht verlassen – und diese Symbiose können Theaterfreunde schon am heutigen Sonntag wieder erleben. Ab 18 Uhr heißt es im Pinneberger Bistro „Remise“, Dingstätte 27, nämlich „ Frau Mop mit den schrecklichen Drei“, zu denen außer Moes und Tochter Maja noch Sohn Wolf Hermsen zählt. Dieser war als Beleuchter bei früheren Auftritten vor allem dafür zuständig, seine Mutter ins richtige Licht zu setzen, als Filmemacher, Produzent und Autor ist er aber inzwischen selbst ein künstlerischer „Hansdampf in allen Gassen.“ Gemeinsam will das Trio den Besuchern einen wahren „Kessel Buntes“ bieten, einen Streifzug durch das Lebenswerk Gisela Moes, in dem sich groteske Szenen, poetische Gruselgeschichten und absurde, mit der Gitarre begleitete Lieder, die zum Großteil auch in dem neu erschienenen Buch zufinden sind, nahtlos aneinanderreihen. Die Veranstaltung dauert etwa anderthalb Stunden, der Eintritt beträgt fünf Euro. Das Liederbuch „Streune auch Du!“ indes ist beispielsweise im Pinneberger Buchladen „Bücherwurm“, Dingstätte 24, erhätlich. Es kostet 14,90 Euro.

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