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Pinneberger Tageblatt

19. Oktober 2017 | 13:45 Uhr

Sogar der Regen kostet Geld

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

100 Prisdorfer diskutieren mit ihrem Bürgermeister über die Niederschlagsgebühr. Wie hoch diese ausfällt, steht noch nicht fest.

Mit einer Einwohnerversammlung hat Bürgermeister Rolf Schwarz (kleines Foto) über die geplante Einführung einer Niederschlagswassergebühr, die bei einigen Bürgern auf Kritik stößt, informiert. Die Gebühr sei notwendig, um das teils marode Sielnetz zu sanieren, sagte Schwarz.

Nach Beschluss des Gemeinderats wird die Gebühr zum 1. Januar 2018 eingeführt werden. Das Sielnetz der Gemeinde wurde mit Kameras durchfahren. Bei der Erstellung des Kanalkatasters seien ernsthafte Schäden festgestellt worden. „Einige Rohrsysteme an der Koppelstraße, der Hauptstraße und am Hauen haben die 60 Jahre schon überschritten“, so Schwarz. Die Sanierung soll nun durch eine Niederschlagswassergebühr finanziert werden. „Wir sind von der Kommunalaufsicht regelmäßig aufgefordert, die Kosten verursachergerecht umzulegen“, führte das Gemeindeoberhaupt aus. Auf Einladung der Gemeinde erläuterte Heike Weißmann, Geschäftsbereichsleiterin Entwässerung beim AZV Südholstein, den etwa 100    Bürgern in der Turnhalle am Hudenbarg die Sachlage. Die kommende Gebühr werde jährlich neu errechnet. Umgelegt werden die realen Kosten, die sich aus dem Bau, der Instandhaltung und der Pflege von Rohrleitungen, Gräben und Rückhaltebecken ergeben. Verteilt werden die Kosten nach der Quadratmeterzahl der versiegelten, an das Netz angeschlossenen Flächen der Grundstücke.

In einem Selbstauskunftsbogen, der nächste Woche an alle Einwohner versandt wird, sollen die Bürger die Dachflächen mit Dachüberstand, auch Garagen und Carports betreffend, sowie Auffahrtsflächen angeben. Auch die öffentlichen Flächen werden erfasst, die Gebühren für die Niederschlagswasserbeseitigung trägt hier die Kommune. Im Oktober soll dann die aktuelle Höhe der Gebühr feststehen.

Vor allem, dass Bürgermeister Schwarz und avz-Sprecherin Weißmann den Bürgern die tatsächlichen Kosten, die auf sie zukommen werden, nicht nennen konnten, stieß auf Kritik. „Heute Abend ist der erste Schritt, wir fangen mit der Berechnung erst an“, verteidigte sich Schwarz. Den kurzfristigen Sanierungsbedarf bezifferte er auf eine Million, den langfristigen auf vier Millionen Euro. Auch die Entscheidung, den AZV Südholstein einzuschalten, wurde teils mit Skepsis aufgenommen. Schwarz entgegnete, das technische Know-how sowie die Kenntnis des komplexen gesetzlichen Regelwerks seien bei der Gemeinde und beim Amt Pinnau nicht gegeben. Den Einwand, wenn am Netz 60 Jahre lang nichts gemacht wurde, sei das Schlamperei, wollte Schwarz ebenfalls nicht gelten lassen: „Die Rohre haben eine Lebensdauer von 67 Jahren, diese kann unter Umständen durch das Einziehen von Inlinern um bis zu 40    Jahre verlängert werden.“ Er versprach, dass die Hoheit über das Entwässerungsnetz bei der Gemeinde verbleibt. Der Bürgermeister verwies auf die Folgen, mit denen zu rechnen sei, wenn die Abflüsse nicht saniert würden: „Keiner von Ihnen will einen Keller voll Wasser.“ Wenn sich in dem maroden System ein größeres Loch bilde, müsse die Gemeinde zudem sofort tätig werden und die Kosten auch auf die Anwohner umlegen. „Wenn wir Gebühren nicht erheben, die wir nach dem Kommunalabgabegesetz nehmen müssten, zahlt der Kreis auf anderen Ebenen, zum Beispiel bei der Sportförderung, keine Zuschüsse mehr“, erklärte der Gemeinde-Chef.


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