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4,5 Prozent und Anspruch auf Altersteilzeit : So verlief der Streiktag in Elmshorn

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die IG Metall fordert ein Lohnplus von 4,5 Prozent und Anspruch auf Altersteilzeit. Autoliv und Autoflug betroffen.

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2017 | 14:00 Uhr

Elmshorn | Vor dem Autolivgelände in Elmshorn ist es frostig. Das Thermometer zeigt vier Grad Minus. Die Demonstranten wärmen sich mit heißen Getränken. Kai Trulsson, erster Bevollmächtigter und Geschäftsführer der Gewerkschaft IG Metall Unterelbe, nutzt die Gelegenheit, um seiner Lohnforderung Nachdruck zu verleihen: „Wenn das Plus so hoch ausfällt, wie die Temperaturen heute im Minus sind, ist schon viel erreicht.“

Insgesamt etwa 250 Mitarbeiter der Zulieferer Autoliv in Elmshorn und Autoflug in Rellingen haben nach Gewerkschaftsangaben gestern vor dem Betrieb in Elmshorn für mehr Lohn und einen tarifvertraglichen Anspruch auf Altersteilzeit demonstriert. Sie folgten dem Aufruf der Gewerkschaft IG Metall Unterelbe zum Warnstreik.

„Was die Arbeitgeber bisher angeboten haben, ist eine Frechheit“, sagt Kai Trulsson. In einer schriftlichen Mitteilung bezeichnete er die Vorschläge zuvor als mickrig und als Provokation der Beschäftigten. Es zeige, dass die Arbeitgeber noch nicht zu ernsthaften Verhandlungen bereit seien.

 

Derzeit laufen auf Bundesebene die Tarifverhandlungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie. Autoliv produziert unter anderem Gurte für Kfz-Hersteller und beschäftigt etwa 900 Menschen in Elmshorn. Autoflug stellt unter anderem Fallschirme und Sicherheitskleidung für Piloten her. Das Unternehmen beschäftigt am Standort Rellingen etwa 200 Mitarbeiter. Die Arbeitgebervertreter haben während der jüngsten Tarifgespräche im nordrhein-westfälischen Bielefeld laut IG Metall 1,4 Prozent mehr Lohn ab Juni 2017 und weitere 1,5 Prozent ab Juni 2018 geboten. Zur Altersteilzeit gibt es laut Gewerkschaft kein konkretes Angebot. „Das sind vier Nullmonate und die Erhöhung wiegt noch nicht einmal den Verlust durch die Inflation auf“, kritisiert Trulsson.

Zur Altersteilzeit sagt der Gewerkschafter: „Es kann nicht sein, dass die Geschäftsführer über die Möglichkeit der Altersteilzeit entscheiden. Wir fordern einen tarifvertraglich geregelten Anspruch, wenn Kollegen einfach nicht mehr können.“

Die Bedingungen bei Autoliv gelten im Branchenvergleich als relativ gut. Warum wird dann ausgerechnet dort gestreikt? Dazu sagte Bernd Rosenbaum, Tarifsekretär der IG Metall: „Autoliv macht sich in der Verhandlungskommission dünne. Wir erwarten, dass sich Autoliv gegenüber der Ideologenfraktion der Arbeitgeber stärker für bessere Arbeitsbedingungen einsetzt.“ Außerdem versuche der Autozulieferer, bei Einstellung neuer Kollegen zu sparen. „Es darf nicht sein, dass bei der Einstellung neuer Kollegen an der Eingruppierung rumgefummelt wird“, schimpft Rosenbaum.

Autoliv hatte in der Vergangenheit beklagt, zu Unrecht bestreikt zu werden, weil die Arbeitsbedingungen teils besser als bei anderen Arbeitgebern der Branche seien. Eine Personalverantwortliche hatte während des Streiks 2014 beklagt, dass die Aktion einen Image-Schaden für das Unternehmen bedeute: „Ein Streik bei Elmshorns größtem Arbeitgeber ist viel öffentlichkeitswirksamer als bei kleineren Betrieben. Leider wird ein Streik bei Autoliv von vielen Menschen mit den Arbeitsbedingungen bei Autoliv in Verbindung gebracht, obwohl es um Tarifverhandlungen für eine ganze Branche geht. Das ist nicht ganz fair.“ Gestern reagierte das Unternehmen allerdings nicht auf eine Anfrage unserer Zeitung.

Heute gehen die Verhandlungen im saarländischen Saarlouis in die dritte Runde. Die Gewerkschafter signalisieren Kampfbereitschaft. Trulsson sagt: „Wenn in Saarlouis nichts Gescheites herauskommt, sehen wir uns hier an dieser Stelle wieder. Und dann geht es um die Wurst.“

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