zur Navigation springen

Olympische Spiele in Hamburg? : So profitiert der Kreis Pinneberg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Es geht um die olympischen und paralympischen Sommerspiele 2024/2028.

Kreis Pinneberg/Hamburg | Ralph Lehnert, Geschäftsführer des Hamburger Sportbundes, ist derzeit auf Werbetour für die Bewerbung Hamburgs um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 oder 2028 in Hamburg: „Eine wichtige Phase der Bewerbung ist seit Sonntag vorbei: der Bürgerschaftswahlkampf.“ Aufgrund der politischen Situation in der Hansestadt rechne er damit, dass sich an der bisherigen Bewerbung wenig ändern werde. „Olaf Scholz sprach von den kompaktesten, bescheidensten und bürgernahesten Spielen der Geschichte. Ekstase pur“, scherzte Lehnert über die Aussage des alten und neuen Bürgermeisters.

Grundidee sei die Integration der Olympischen Spiele „im Herzen der Stadt“. „Doch ohne die Unterstützung der Metropolregion können wir die Spiele nicht ausrichten“, sagte Lehnert, der in der Pinneberger Kreisverwaltung für die Unterstützung aus der Region warb. Verbesserungen der regionalen Infrastruktur, zahlreiche neue Wohnungen, Entwicklung des Hafens, Modernisierung der Sportstätten und Impulse für den Breiten- sowie Leistungssport  hob er als Vorteile für die Metropolregion hervor. Bringen die Olympischen Spiele eine U-Bahn-Anbindung für Schenefeld und eine Lösung für die B431 oder geht es eher um Emotionen? „Es geht vor allem um Emotionen“, räumte Lehnert gegenüber dieser Zeitung ein und ergänzte: „Wenn ich irgendetwas versprechen würde, wäre es absolut unseriös.“ Welchen Nutzen der Kreis  konkret aus den  Spielen ziehen könne, sei derzeit nicht klar zu definieren. „Das Thema Trainingsstätten ist nicht abschließend behandelt und da könnten natürlich einige Modernisierungen anstehen“, sagte Lehnert. Auch ein Ticketkonzept sei noch nicht fertiggestellt. „Da unterliegen wir durch Sponsoren natürlich gewissen Zwängen.“ So könnten auch in Hamburg Plätze in den Sportarenen frei bleiben, die für Sponsoren reserviert seien. „Wir haben genau analysiert, was in der Vergangenheit in der Kritik stand und versuchen das in Hamburg besser zu machen“, versprach Lehnert.

Lehnert hoffe, dass bei der Umfrage am Wochenende die Ergebnisse erzielt werden, die im Vorfeld von anderen Instituten ermittelt wurden. 68 Prozent der Hamburger sprachen sich vergangene Woche für die Ausrichtung der Spiele in ihrer Hansestadt aus. „Bundesweit sind 80 Prozent für Spiele in Deutschland, aber dort klingt oft mit: nicht vor meiner Haustür“, sagte Lehnert. Sollte das Votum des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) pro Hamburg ausfallen, sei das Bürgerreferendum die größte Herausforderung. „Deshalb wird der DOSB auch die Meinungsumfrage sehr stark in den Entscheidungsprozess einbeziehen, um die größtmögliche Sicherheit zu haben, auch beim Bürgerentscheid ein positives Ergebnis zu erzielen“, versicherte der Geschäftsführer.

Städte werben für sich: So sieht der Fahrplan

Am kommenden Wochenende soll in Hamburg und Berlin parallel eine Meinungsumfrage stattfinden. Das Hamburger Organisationskomitee rechnet laut Ralph Lehnert, Geschäftsführer des Hamburger Sportbundes, damit, dass die Hansestadt acht Prozent mehr Zustimmung als die Bundeshauptstadt hat, um sich durchzusetzen. Am Sonntag, 15. März, sollen beide Städte den olympischen Spitzenverbänden ihre aktuellen Konzepte vorstellen. Am Montag, 16. März, soll eine Expertenrunde mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft eine Empfehlung an das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) aussprechen. In der Frankfurter Paulskirche wird der DOSB am Sonnabend, 21. März, auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung die deutsche Bewerberstadt verkünden. Die Interessenerklärung muss dann bis  September beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vorliegen – die Bewerbungserklärung, auch „Mini-Bidbook“ genannt, hat bis  Januar 2016 zu erfolgen. Im Mai 2016 benennt das IOC die „Candidate City“. Die Evaluierung der Städte erfolge im Frühjahr 2017. Die Entscheidung über die „Host City“ erfolgt im Sommer 2017 in Lima.

Der Kleine Grasbrock soll des Zentrum der Olympischen Spiele werden. Auf der 27 Hektar großen Fläche, die derzeit von der Hafenwirtschaft genutzt wird, soll das Olympiastadion mit 70.000 Plätzen entstehen, in dem die Eröffnungs- und Schlussfeiern der Olympischen und Paralympischen Spiele sowie die Leichtathletikwettbewerbe stattfinden sollen. Nach den Spielen soll das Fassungsvermögen auf 20.000 Plätze zurückgebaut werden und so eine der modernsten Leichtathletik-Arenen entstehen, die aber auch für Mannschaftssportarten wie American Football genutzt werden könne. Im Olympiapark soll eine Mehrzweckhalle für Ballsportarten, die später als Kreuzfahrtterminal genutzt werden soll, sowie die Olympia-Sporthalle entstehen. Zudem seien etwa 5000 Wohneinheiten geplant, die während der Wettbewerbe von den Athleten genutzt werden könnten. Danach soll ein Drittel zum sozialen Wohnungsbau, ein Drittel zur Vermietung und ein Drittel als Eigentumswohnungen umfunktioniert werden. Der Großteil der Sportarten soll in einem Umkreis von zehn Kilometern um das Olympiastadion stattfinden. Austragungsort für Handball könnten Flensburg oder Kiel werden, für die Segelwettbewerbe Cuxhaven, Lübeck, Rostock oder ebenfalls Kiel.

Berlin Deutschland hat sich bereits achtmal für die Ausrichtung Olympischer Sommerspiele beworben. Berlin bewarb sich für die Spiele 1908 und 1916. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) erteilte den Zuschlag für die Spiele 1916. Diese wurden wegen des Ersten Weltkriegs jedoch abgesagt. Am 13. Mai 1931 wurde Berlin im ersten Wahlgang des IOC in Lausanne zum Ausrichter der Spiele 1936 gewählt. Mit Frankfurt am Main, Köln und Nürnberg hatten sich weitere drei Städte beworben. Am 26. April 1966 setzte sich München in Rom im zweiten Wahlgang gegen Madrid und Montreal als Ausrichter der Spiele 1972 durch. Bei der Bewerbung für die Spiele 2012 erlebte Deutschland ein Desaster: Die Bewerbung mit Leipzig, die Stadt, die sich gegen Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg und Stuttgart durchgesetzt hatte, wurde vom IOC nicht akzeptiert.
zur Startseite

von
erstellt am 18.Feb.2015 | 10:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen