So modern ist die Bibel

Noahs Frau Pauline Hartges mit einem Jünger, dargestellt von Leo Grunert.
Noahs Frau Pauline Hartges mit einem Jünger, dargestellt von Leo Grunert.

Frisch-freches Muscial von Kindern und Jugendlichen der evangelischen Kirche in Quickborn

Avatar_shz von
20. November 2018, 16:00 Uhr

„Ganz ehrlich Mama, glaubst du daran, dass Tote auferstehen?“, fragte Annika Bänisch in der Rolle als Tochter Juli ihre Mutter, die von Emmi Sagner im Musical „Bibel 3.0 – Alter Schinken, frisch serviert“ gespielt wurde. Die Kinder und Jugendlichen der evangelischen Kirchengemeinde Quickborn-Hasloh hatten das Stück einstudiert.

Es nahm die Zuschauer mit auf eine Reise durch die Geschichten der Bibel aus heutigem Blickwinkel. Die Rahmenhandlung spielte in der Gegenwart: Julis Mutter sitzt vor dem Einschlafen am Bett ihrer Tochter, die bald konfirmiert wird. Beide unterhalten sich über die wichtigsten Ereignisse im Alten und Neuen Testament und wie sie darüber denken. Der gemischte Kinder- und Jugendchor sang: „1000 Jahre oder nur ein Tag, ganz egal, wie es passiert sein mag.“

Der Saal war dunkel und eine weiche, tiefe Stimme sprach: „Und es ward Licht.“ Über die Bühne wurde dann ein großer Globus gezogen. „Doch es fehlt noch was“, sagte die Stimme. „Grün, grün wär‘ noch gut“, ging es weiter, was im Publikum für Lacher sorgte. Auf die bildhaft in Szene gesetzte Erschaffung der Erde erzählte Juli ihrer Mutter, dass ihre Geologie-Lehrerin den Schülern die Geschichte zur Entstehung der Welt allerdings etwas anders erklärt habe. Julis Mutter antwortete mit beruhigender Stimme: „Mag sein, dass es ein Urknall war.“ Aber ihr persönlich gefalle die Vorstellung viel besser, dass Gott sich all die Schönheiten der Natur ausgedacht habe, als dass es einfach nur einen lauten Knall gegeben habe.

Die Darsteller spielten den Bau der Arche nach, und der Chor sang: „Noah ist ein cooler Held“. Noah wurde gespielt von Nathalie Schulz, in die Rolle seiner Frau schlüpfte Pauline Hartges, der Nachbar der beiden wurde dargestellt von Björn Lübke. Die Nachwuchsschauspieler zeigten auch Jesus Taufe. „Wie cool ist das denn? Ich taufe Jesus, Gottes Sohn“, sagte Rebecca Schmult als Johannes, der Täufer, begeistert und verglich die Begegnung mit dem leibhaftigen Jesus, gespielt von Lotta Jacobsen, mit einem Zusammentreffen mit Cristiano Ronaldo, das genauso cool sei.

Die lockeren, witzigen Texte, die geprägt waren von Ausdrücken moderner jugendlicher Umgangssprache, entlehnte Philipp Wirtz dem Buch „HashtagGottesgeschichte“ von Pastor Armin Kistenbrügge, das dem Gemeindepädagogen für seine Inszenierung als Grundlage diente. Kirchenmusiker und Leiter der Chöre, Michael Schmult, wählte passende Musikstücke zu den einzelnen Bildern aus.

Es gehe um Selbstwirksamkeit, erläuterte Wirtz. „Wie kann ich all das, was in mir ist, ausdrücken? Vielleicht durch Sport, Lesen, Schreiben, Musik machen oder Schauspielen“, sagte der Pädagoge. Kinder und Jugendliche hätten heutzutage viel zu wenig Möglichkeiten, ihren Weg zu finden ohne jegliche Bewertung, so Wirtz. Er verstehe daher genau darin seine Arbeit. Bereits im vergangenen Jahr hatte er zusammen mit Schmult ein Musical inszeniert. Den jungen Darstellern war es anzumerken, dass sie sich wohl fühlten in ihren Rollen und Spaß am Spielen hatten. Das kam an beim Publikum, das die großartigen Leistungen auf der Bühne am Ende mit viel Applaus belohnte.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen