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Interview : „So konnte ich Hobby und Beruf miteinander verbinden“

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Heute mit Ingo Vagt, Vorsitzender Eisenbahnfreunde Uetersen-Tornesch.

shz.de von
erstellt am 01.Mai.2017 | 15:03 Uhr

Uetersen | Ingo Vagt ist Vorsitzender der Eisenbahnfreunde Uetersen-Tornesch. Im Gespräch erläutert er unter anderem, warum für die Entwicklung des Vereins nicht nur historische Fahrzeuge, sondern auch Smartphones wichtig sind.

Was ist das Besondere an den Eisenbahnfreunden?
Viele Vereine haben das Problem der Überalterung. Das ging uns lange Zeit genauso. Wir haben aber ein zweites Standbein aufgebaut, das Kinder und Jugendliche anlockt und einen Generationswechsel eingeleitet hat. Die Jüngeren bevorzugen die digitale Modelleisenbahn. Dort können sie die Züge mit dem Smartphone steuern. Wir Älteren beschäftigen uns mehr mit dem Weiterbau der beiden Anlagen. Auf der analogen Eisenbahn haben wir die Strecke zwischen Tornesch und Uetersen sowie Ortsteile wie Uetersen-Ost und zahlreiche Gebäude wie den Wasserturm detailgetreu nachgebaut. Beide Anlagen werden aber von allen Altersklassen befahren.

Wie viele Mitglieder hat der Verein?
Derzeit etwa 30. Wir könnten deshalb Verstärkung gut gebrauchen und würden uns auch über Mitglieder freuen, die sich aktiv einbringen. Bei uns ist nämlich immer etwas zu tun. Unsere Modelleisenbahnen sind beispielsweise nie fertig und werden immer wieder erweitert. Auch die Reparaturen im Vereinsgebäude und an den historischen Fahrzeugen übernehmen wir selbst. Bei uns dürften sich deshalb nicht nur Eisenbahnfreunde, sondern auch Bastler wohlfühlen.

Wie sehen die Aktivitäten der Eisenbahnfreunde aus?
Wir haben verschiedene Standbeine. Auf unserem Vereinsgelände im Güterschuppen an der Bahnstraße in Uetersen gibt es die Modellbahnanlagen mit verschiedenen Spurweiten, aber auch Fahrzeuge aus Beständen der früheren Uetersener Eisenbahn AG, die am 1. Januar 1998 den Bahn- und Busbetrieb abgegeben hat. Auch Spenden und Eigenbauten sind hier untergebracht. Bei uns im Lokschuppen befinden sich zum Beispiel Draisinen, eine historische Lokomotive und unsere Feldbahn. Unsere nächsten Veranstaltungen sind am 6. und 7. Mai jeweils von 10 bis 18 Uhr die Uetersener Modellbahntage mit Feldbahn- und Draisinenfahrten sowie einem Eisenbahnflohmarkt.

Was sind die Ziele des Vereins?
Wir haben uns bei der Vereinsgründung 1989 vorgenommen, die Uetersener Eisenbahngeschichte zu ermitteln, zu bewahren und zu pflegen. So verbinden wir Eisenbahn- und Heimatgeschichte. Um über unsere Arbeit zu informieren, laden wir regelmäßig zu Veranstaltungen ein. Besonders die Rundfahrten mit der Feldbahn kommen bei den Besuchern sehr gut an. Damit die möglich sind, wurde am Ostbahnhof ein Rundkurs angelegt. Weichen und Schienen haben wir damals aus dem Grundstück einer stillgelegten Ziegelei in Seester ausgebuddelt oder vom Torfwerk Quickborn erhalten. Die Fahrzeuge stammen überwiegend von der Feldmühle in Uetersen.

Wie wichtig ist Ihnen persönlich die Eisenbahngeschichte?
Ursprünglich war ich Elektroingenieur und arbeitete 22 Jahre bei der AEG in Wedel. Als meine Abteilung wegrationalisiert wurde, war ich eine Zeit lang arbeitslos. Damals war ich schon Mitglied bei den Eisenbahnfreunden. Damit wir unsere historischen Fahrzeuge steuern und für Publikumsverkehr öffnen durften, musste jemand die dafür erforderliche Qualifikation erwerben, um als Lokführer tätig zu sein. Das ermöglichte mir beim Güterverkehrsunternehmen CFL Cargo, das in Uetersen für den Güterverkehr zuständig ist, Betriebsleiter zu werden. So konnte ich mit Anfang 50 Hobby und Beruf miteinander verbinden.

Ingo Vagt (69), Vorsitzender der Eisenbahnfreunde Uetersen-Tornesch, wohnt in Uetersen. Er hat zwei erwachsene Töchter. Vagt ist eigentlich im Ruhestand, arbeitet aber weiterhin beim Güterverkehrsunternehmen CFL Cargo. Sein Büro liegt direkt neben dem Hauptquartier der Eisenbahnfreunde.
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