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Pinneberger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 15:34 Uhr

„So ist der politische Wettbewerb“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Bundestagswahl Die Wedeler Abgeordnete Valerie Wilms hat einen aussichtsreichen Platz auf der Landesliste der Grünen verpasst

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2017 | 16:00 Uhr

Aus Sicht der KreisGrünen war es ein Paukenschlag: Die Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms aus Wedel verpasste während des Landesparteitags am Wochenende in Kiel einen aussichtsreichen Listenplatz (diese Zeitung berichtete). Nach der Wahl am 24. September wird Wilms damit dem Bundestag voraussichtlich nicht mehr angehören. „So läuft der politische Wettbewerb“, gab sich die Abgeordnete nach der Niederlage sportlich.

Wilms hatte sich zunächst für Listenplatz eins beworben. Den jedoch gewann die Kielerin Luise Amtsberg, flüchtlingspolitische Sprecherin ihrer Partei. Der zweite Platz ging nach parteiinternem Proporz an einen Mann: Konstantin von Notz. Der Datenschutzexperte wohnt in Mölln (Herzogtum Lauenburg). Während der Bundestagswahl 2013 war Wilms von Platz drei der Landesliste gestartet. Doch auch den verpasste die Wedelerin am Wochenende. Die Delegierten wählten stattdessen Ingrid Nestle, Staatssekretärin im Landesumweltministerium. Auf Platz vier und fünf folgen Jörg Nickel aus Kiel und Friederike Löffert-Pokatis aus Kiel.

Wilms sagte gestern im Gespräch mit dieser Zeitung: „Das Ergebnis war eine Überraschung für mich. Aber mal gewinnt man, man verliert man. So ist der politische Wettbewerb.“ Sie habe sich intensiv auf den Parteitag vorbereitet. „Ich habe eine gute Rede abgeliefert und
45 Prozent der Parteifreunde hinter mir gehabt. Doch das war nicht genug“, so Wilms. Die Abgeordnete ist bekannt dafür, Tacheles zu reden. Und im Bundestag auch mal entgegen der eigenen Parteilinie abzustimmen. Dass es nicht einmal für Listenplatz drei reichte, führt sie auf einen „Amtsbonus“ von Nestle zurück. „Eine Staatssekretärin durchfallen zu lassen, wäre kein gutes Zeichen.“

Wilms hat nur noch eine theoretische Chance. Sie ist Direktkandidatin ihrer Partei im Wahlkreis Pinneberg. Doch die Mehrheit der Erststimmen hatte 2013 Ole Schröder (CDU) gewonnen. Und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sein Nachfolger als Direktkandidat, Ernst-Michael von Abercron aus Elmshorn, oder der Elmshorner SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann das Rennen nicht unter sich ausmachen. 2013 erreichten die Grünen in Schleswig-Holstein 9,4 Prozent der Stimmen. Das bedeutete drei Bundestagsmandate für die Nord-Grünen. In diesem Jahr wird es wohl für maximal zwei Sitze reichen. „Von neun Prozent sind wir nach derzeitigen Umfragen weit entfernt“, sagte Wilms.

Für die Zeit nach September hat Wilms noch keine Pläne. „Wenn die Landespartei anfragt, werde ich mich nicht verwehren. Aber ich bin auch in einem Alter, in dem man über den Ruhestand nachdenken kann“, sagte die 63-Jährige.

Gertrud Borgmeyer, Sprecherin der Kreis-Grünen, bedauert das Votum: „Für Valerie Wilms bedeutet das den Abschied aus dem Bundestag. Wir verlieren dort eine profilierte Verkehrsexpertin, die über die Parteigrenzen anerkannt ist.“ Wilms sei keinem Streit, auch keinem parteiinternen, aus dem Weg gegangen. „Sie war stets mit großem Sachverstand bei der Sache.“

Ob das Votum im Wahlkampf zum Handicap für die Kreis-Grünen wird? „Klar ist das nun eine neue Situation, sie verändert den Wahlkampf. Aber wir müssen das jetzt erst mal sacken lassen. Wir treffen uns heute zu einer Vorstandssitzung und werden dann sehen, wie es weitergeht“, sagte Borgmeyer gestern.

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