Zwischen Tradition und Moderne : So denken zwei junge Mitglieder über den Appener Spielmannszug

Isabelle und Christopher Lindenau engagieren sich im Spielmannszug.
Isabelle und Christopher Lindenau engagieren sich im Spielmannszug.

Das Ehepaar Isabelle und Christopher Lindenau engagiert sich aktiv im Spielmannszug. Wir haben mit ihnen gesprochen.

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16. August 2019, 18:45 Uhr

Appen | Isabelle Lindenau ist stellvertretende musikalische Leiterin, Anfängerausbilderin und stark im Festausschuss engagiert. Ihr Ehemann Christopher Lindenau hat die Aufgaben des Registerführers und Instrumentenwarts übernommen, ist ebenfalls im Festausschuss stark engagiert und gewählter Stabführer.

Die beiden aktiven Mitglieder des Spielmannszuges Appen sind verheiratet – das hat es in dem 100-jährigen Bestehen noch nie zuvor gegeben. Volontärin Cindy Ahrens sprach mit den Lindenaus über ihr Engagement.

Familientag: Buntes Programm mit grünem Stempel

Am Sonntag, 8. September, steigt auf den Sportplätzen am Almtweg in Appen eine der größten Veranstaltungen für Jung und Alt der Region: der Familien-Tag 2019.  Rolf Heidenberger (Gründer von „Appen musiziert“) hat die Organisation übernommen. Gastgeber sind der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Appen, der sein 100-jähriges Bestehen feiert, sowie der Kreisjugendring Pinneberg – und als Medienpartner der A. Beig-Verlag.

In der Zeit von 10.30 bis 17.30 Uhr werden mehr als 60 Vereine, Verbände und Institutionen ein buntes Programm an bieten, bei dem vor allem die Kinder im Mittelpunkt stehen. Für diese stehen unter anderem „herrH“ und Suli Puschban auf der Bühne. Die Erwachsenen dürften unter anderem zu Künstlern wie den Wildecker Herzbuben  schunkeln.

Der Familien-Tag soll außerdem die erste CO2-optimierte Großveranstaltung in Norddeutschland werden – mit regionalen Speisen, die ohne Plastikbesteck verzehrt werden können, Getränken aus Mehrweggefäßen und einem großen Fahrradparkplatz, um nur einige Beispiele zu nennen.



Wie kommt man als junger Mensch überhaupt zum Spielmannszug?
Isabelle: Bei mir war es mit 8 Jahren. Alle zwei Jahre gehen die Ausbilder des Spielmannszuges in die Grundschulen und fragt die Dritt- und Viertklässler, ob sie Interesse hätten. Ich komme aus Appen und bei mir waren es damals 35 Leute, die es ausprobiert haben. Davon sind heute noch 3 Spielleute in unserem Spielmannzug aktiv.
Christopher: Ich habe Isabelle während der Ausbildung in Heide kennengelernt. Und ich wollte es einfach mal ausprobieren. Aus dem Ausprobieren sind mittlerweile 7 tolle Jahre geworden.
Isabelle: Er hat mitbekommen, dass ich im Spielmannszug bin und mich gefragt, ob ich ihm Trommeln beibringen kann. Dann habe ich ihm das, was ich konnte, gezeigt. Das war natürlich nicht so viel, weil ich hauptsächlich Flöte spiele. Irgendwann waren wir dann zusammen und ich habe ihn mit zu den Auftritten genommen. Dann meinte Andreas Martens (Vorsitzender des Spielmannzuges) irgendwann: „So hier hast du dein Eintrittsformular, du kommst jetzt mit“.

Unter Spielmannszug stellt man sich eigentlich eher ältere marschierende Spielleute vor. Ihr habt einen Altersdurchschnitt von knapp 24 Jahren – wie kommt das?
Isabelle: Wir mussten tatsächlich irgendwann einen Umbruch machen. Wir haben gesehen, dass wir nicht nur die alten traditionellen Stücke spielen können, wenn wir die Jüngeren halten wollen. Die wollen neue Sachen spielen wie Fluch der Karibik, Sister Act oder Miss Marple. Mit diesen Stücken verbinden sie etwas. Aber natürlich spielen wir auch noch die alten Stücke. Vor allem, wenn wir bei alten, ehemaligen Mitgliedern auftreten.
Christopher: Spielmannszug ist ein Spagat. Zwischen alten Traditionen, die gewahrt werden müssen – dieses klassische „Uftata-Gelaufe“ – und der Moderne. Um neue Leute zu motivieren und zu halten, musst du heutzutage moderne Stücke spielen. Aber wir sind ein klassischer Spielmannszug und da gehören die alten Märsche dazu. Ich mag die auch gern.
Isabelle: Wir haben es auch oft, dass uns Leute zu ihrem 30. Geburtstag buchen, die tatsächlich diese alten Stücke hören möchten.
Christopher: Ich denke, das liegt auch an der Assoziation, die die Menschen mit dem Spielmannszug haben. Viele haben vor allem das Traditionelle im Hinterkopf und gar nicht so sehr den Wandel der letzten zehn bis 15 Jahre.

Für euer Hobby zwängt ihr euch in Uniform und marschiert, ist das cool?
Isabelle: 15 ist ein ganz schwieriges Alter. Unsere Auftritte sind am Wochenende und in dem Alter fängt man an, auf Partys zu gehen – gerade auf dem Dorf. Wenn wir freitags Laternenumzüge haben, trifft man als 15-Jährige den einen oder anderen Freund, der zu einer Party geht und man denkt sich: „Warum bin ich jetzt hier und nicht da?“.

Was tut ihr, um die Jugendlichen bei der Stange zu halten?
Isabelle: Sehr viel Jugendarbeit. Man muss es hinbekommen, dass sie die Gemeinschaft des Spielmannszugs mehr lieben, als dass sie es unangenehm finden mit ihrem Verein gesehen zu werden.

Und wie sieht das in der Praxis aus?
Christopher: Das fängt schon dabei an, dass bei uns alle per Du sind. Alle werden geduzt, das schafft eine offene und familiäre Atmosphäre.
Isabelle: Und dann organisieren wir viele Freizeitaktivitäten. Wir fahren in den Heidepark, zum Go-Kart fahren, in einen Hochseilgarten und noch vieles mehr. Einmal im Jahr lassen wir unsere Musikinstrumente für ein Wochenende zu Hause und gönnen uns ein Freizeitwochenende.

Im Spielmannszug habt ihr eine große Altersspanne: Vom Grundschulalter bis Mitte 50 ist alles dabei. Wie schafft ihr es, dass alle Spaß haben?
Christopher: Natürlich haben wir in den einzelnen Altersgruppen ein Kleingruppengefüge. Aber gleichzeitig sind wir ein Zug und wir haben eine komplette Integration aller Spielleute jeden Alters.
Isabelle: Wenn die Flöten- und Trommleranfänger eintreten, werden sie zuerst separat unterrichtet. Weil sie die Noten noch nicht lesen können oder ihr Instrument nicht beherrschen. Trotzdem kommen sie natürlich zu allen Freizeitaktivitäten und zum Laternenumzug in Appen mit. Dadurch haben sie später keine Hemmungen, wenn sie zu der großen Gruppe stoßen.

Heutzutage verbringen Kinder und Jugendliche viel Zeit in der Schule. Da bleibt wenig Zeit für Hobbys. Wie hoch ist der Zeitaufwand beim Spielmannszug?
Christopher: Der Zeitaufwand ist relativ. Ein ganz „normaler“ Spielmann oder Spielfrau hat dienstags von 18 bis 20.30 Uhr Übung und ein bis zwei Auftritte am Wochenende.
Isabelle: Im Herbst haben wir natürlich mehr Auftritte. Im ersten Halbjahr passiert dafür weniger. Da haben wir vielleicht sechs oder sieben Auftritte und unser großes Frühjahrskonzert im Appener Bürgerhaus. In den Sommerferien nehmen wir selten Auftritte an und machen eine wohlverdiente Pause.

Und was ist, wenn man mal nicht kann?

Isabelle: Natürlich wäre es schön, wenn alle immer da wären. Wir vergleichen das immer ganz gern mit Fußball. Da spielt man mit 11 Leuten pro Mannschaft und kann nicht spielen, wenn die Hälfte fehlt. Wir wissen aber natürlich auch, dass es nicht immer machbar ist. Das lässt sich manchmal nicht vermeiden.
Christopher: Arbeit und vor Allem Schule gehen natürlich immer vor. Das hat bei uns ganz klar Priorität.
Isabelle: Für uns beide ist der Spielmannszug aber nicht nur dienstags und am Wochenende, sondern 24/7. Unser Freundeskreis ist eigentlich der Spielmannszug und wenn wir uns treffen, geht es so gut wie immer um den Spielmannszug.

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