Helgoland-Sansibar-Vertrag : So berichtete das Pinneberger Wochenblatt

Das Pinneberger Wochenblatt vom 28. Juni 1890.
Das Pinneberger Wochenblatt vom 28. Juni 1890.

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10. Juni 2015, 14:00 Uhr

Pinneberg | Das Pinneberger Wochenblatt, herausgegeben im A. Beig Verlag und Vorgängerzeitung des Pinneberger Tageblatts, berichtete 1890 immer wieder über die deutsche Kolonialpolitik und den Helgoland-Sansibar-Vertrag.

Am 21. Juni etwa titelte das Blatt: „Helgoland in deutschem Besitze.“ In dem Bericht heißt es mit nationalem Pathos: „Was alle deutschen Herzen seit Jahrzehnten erwünscht und erstrebt haben, die kleine Insel an der Mündung des größten deutschen Stromes in deutschen Händen zu wissen, ist durch die Gestaltung der internationalen Verhältnisse seit dem Berliner Vertrage vom Jahre 1878 ohne Schwertstreich, ohne irgend welche Pression von Seiten Deutschlands erreicht worden. Helgoland ist in den Besitz des Deutschen Reiches übergegangen.“

Die Insulaner selbst schien das wenig zu kümmern. In einem Beitrag vom 28. Juni heißt es: „Die Bevölkerung zeigt nur wenig Aufregung über die bevorstehende Abtretung der Insel an Deutschland. Die Leute beurteilen die Tragweite dieses Ereignisses jeder nach seinen eigenen persönlichen Interessen; die Hummerfischer hoffen, daß künftig ihr Geschäft in Folge des Wegfalls des Einfuhrzolls nach Deutschland besser gehen werde, und sind daher mit dem Wechsel zufrieden. Arbeiter und Wirte fürchten starken Zuzug aus Deutschland und in Folge dessen starke Konkurrenz. Vielfach hört man die ängstlichen Worte: ,Wir wissen, was wir gehabt haben, aber nicht, was wir wieder bekommen’“.

Die Autoren des Wochenblatts schreiben am 24. Juni, dass es den Helgoländern zuvor gutgegangen ist: „Sie haben sich ja wohl befunden, die Helgoländer, unter der Herrschaft der Engländer. Die vereinigten Königreiche haben sich um die kleine Insel nicht viel gekümmert, nachdem man sich überzeugt hatte, daß sie für England keinen strategischen Wert besitzt. So ließ man der Insel ihre Briefmarken, ihre Militärfreiheit, ihre Steuerfreiheit, ihre Polizeifreiheit und ihren Gouverneur.“

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