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Pinneberg : Skulptur auf dem neuen Kindergemeinschaftsgrabfeld eingeweiht

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Diese Vorleserin spendet Trost - Künstler Peter Sommer stiftet Statue aus chinesischem Marmor.

Pinneberg | Sie ist 1,60 Meter groß und steht auf einem Sockel, den die Mitarbeiter des Kommunalen Servicebetriebs der Stadt Pinneberg angefertigt haben. Den Blick hat die junge Mutter, die einen Sari trägt, auf die Kapelle des Pinneberger Stadtfriedhofs gerichtet. In ihren Händen hält sie ein Buch mit unbeschriebenen Seiten.

„Jeder Mensch hat eine eigene Geschichte“, erläutert der Künstler und Steinmetz Peter Sommer. Die Skulptur aus chinesischem Marmor trägt den Titel „Die Vorleserin“. Sommer hat sie geschaffen und sich zu jedem Detail Gedanken gemacht: Skulptierte Blätter – eines in der Kniekehle, ein anderes auf dem Buch – sollen auf die Vergänglichkeit des Lebens hinweisen. Doch vor allem soll die Vorleserin den Trauernden Trost und Zuversicht spenden – denn nun haben sie nicht mehr das Gefühl, ihre Kinder alleinzulassen auf dem Kindergemeinschaftsgrabfeld. Es gibt jetzt jemanden, der auf sie aufpasst. Sternenkinder, verstorbene Frühchen, und Kinder bis 14 Jahren finden hier ihre letzte Ruhestätte.

Gestern Morgen wurde die Statue enthüllt. Schülerinnen der Pinneberger Musikschule spielten Barocke Tänze von Correlli, während die Sonne ihre ersten Frühlingsstrahlen zur Erde schickte. Ein feierlicher und erhabener Moment, in dem sich dieser Werktag wie ein Feiertag anfühlte.

„Wenn Sie ein Kind haben und ausgehen, lassen sie es nicht allein zu Hause, sondern es gibt jemanden, der aufpasst und ihm Gute Nacht-Geschichten vorliest,“ erklärte Friedhofsverwalterin Ellen-Iris Lengwenat den Kontext. Sie sei froh, dass der Friedhof in ihrer Amtszeit eine Skulptur bekommen habe – die erste dort überhaupt.

Die Pinneberger Musikschule spielt Stücke von Arcangelo Corelli. (Foto: Erdbrügger)
Die Pinneberger Musikschule spielt Stücke von Arcangelo Corelli. (Foto: Erdbrügger)
 

„Ich bin begeistert von der Qualität der Arbeit und berührt von der Idee der Trost spendenden Vorleserin“, sagte Jan Gawryluk vom Bundesvorstand des Verbandes der Friedhofsverwalter Deutschland. Herbert Hoffmann (SPD), in seiner Funktion als Zweiter Stadtrat, dankte dem Stifter. „Pinneberg könnte sich so etwas nicht leisten“, sagte Hoffmann, der sichtlich von dem Bildnis beeindruckt war.

6000 Euro hat die Skulptur gekostet. Sommer hat sie anlässlich seines 25-jährigen Firmenjubiläums dem Stadtfriedhof gespendet. Über ein Jahr lang haben die Planungen gedauert. „Es war mir wichtig, etwas Schönes zu machen.“ Inspiriert wurde der Steinmetz von Kindheitserinnerungen: „Im Sommer, ich war vier, fünf Jahre alt, haben wir Urlaub an der Ostsee gemacht. Da gab es eine Frau, die uns immer vorgelesen hat. Ich habe mich sehr geborgen gefühlt“, sagte er.

Modell für die Skulptur hat allerdings die 18-jährige Anna-Nicole Schön gestanden. Guido Roschlaub, Technischer Friedhofsleiter, hat sie Sommer empfohlen. Er hatte mit ihr Fotos für ein Buchprojekt gemacht.

„Es ist ein komisches Gefühl, aber gleichzeitig auch schön“, sagte Schön, die die Berufsschule besucht. Sie sei stolz darauf. Die Skulptur sehe ihr ähnlich, sei aber kein Abbild, betonte Sommer.

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erstellt am 10.Apr.2015 | 16:30 Uhr

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